» von den Zitronen zu kaufen , weils gute wären , saftig , von dünner Rinde - und er und der Pfarrbube171 kennten sie von dem Begräbnis des gnädigen Fräuleins her - und in 14 Tagen brauch ' er doch für die gesamte Geistlichkeit welche , als Brautvater ! « - » Wie sind hier die Sitten ? « fragte Albano . » Wenn nämlich jemand stirbt , « ( sagte der Küster sehr ehrerbietig und freundlich ) » so bekommt der Pfarrer und meine Wenigkeit eine Zitrone und so auch die Leiche . - Wird aber jemand getrauet , so bekommt die Geistlichkeit und so auch die Braut dergleichen . Das ist aber bei uns so Sitte , mein gnädigster Herr ! « Albano ging in den nahen Garten am Haus , in welchen die aufgedeckten Mühlenräder ihre Silberfunken warfen und welcher vom Glanze und Getöse des offnen Wassers wie verschlungen ward . Indem er in die schimmernden fliegenden Wirbel sah : schwebten die Zitronen , welche die Leiche sowohl als die Braut bekommt , vor dem bewegten Geist . Die Rührung ist voll Gleichnisse ; Liane sollte einst , dacht ' er , in das Zitronenland und in die niedrigen Wälder , wo der Schnee der Blüten und das Gold der Früchte zwischen Grün und Blau zusammenspielen , ziehen und erquickt genesen ; nun hält sie die Zitrone in der erkalteten Hand , und sie wurde nicht erquickt . Er blickte umher und glaubte in einer fremden Welt zu stehen ; im Himmelsblau rauschte wie ein Geist ein unsichtbarer Sturm ohne Wolken - lange Hügel-Reihen funkelten bewegt mit roten Früchten und roten Blättern , aus den bunten Bäumen wurden glühende Äpfel geworfen , und der Sturm flog von Gipfel zu Gipfel und herunter auf die Erde und rauschte durch den langen aufgewühlten Strom hinab . Wie wenn Geister um die Erde spielten oder auf ihr erscheinen wollten , so seltsam schien die helle Gegend bewegt und beleuchtet . Da war Albano unbewußt in eine dunkle Baum-Wildnis gekommen ; darin hüpfte ungesehen , ungehört eine reine lichte Quelle aus der Erde auf die Erde - der Sturm draußen war still , nur die Quelle hörte man . - » Die Heilige ist mir nahe , « ( sagte sein Herz ) » ist die Quelle nicht ihr Bild , nicht ihrer ewigen Tränen Ebenbild , dringt sie nicht aus der Erde herauf , wo sie wohnt ? « Auf einmal sah er in seiner Hand - als hab ' es ihm eine fremde dareingelegt - die Zeichnung von Lindas Kopf , welche Liane mit sterbenden Händen gemacht und gegeben hatte ; aber seine Phantasie drückte gewaltsam dem Bilde die Ähnlichkeit mit der Zeichnerin auf , er sah Lianens sanftes Gesicht so klar auf dem Blatt . Er ging wieder hinaus in die glänzende Welt . » Wie arm bin ich ! « ( rief er ) » Ich sehe Sie auf der goldnen Wolke , die von der Abendsonne nach dem Morgen zieht , ich sehe Sie in der kalten Quelle im Tal und auf dem Mond und auf der Blume - ich sehe Sie überall ; und Sie ruht nur an einem Ort . O wie arm ! « - Und er blickte zum Himmel , und eine einzige lange Wolke zog darin eilig weiter . 102 . Zykel So flogen die Tage mit ihren Städten und Landschaften vorüber , und in Albanos Leben spiegelte sich wie in einem Gedichte die Welt . Eine Kraft nach der andern , die ganze gebeugte Ernte seines Innern stand allmählich wieder auf und grünte tropfend ; aber zu gleicher Zeit erstarkte auch der Dorn des Schmerzes . Während sein Auge und Geist sich mit der Welt und jeder Beute der Kenntnis erfüllte : so wohnte das böse Gespenst der Pein in der Ruine und drang hervor , wenn das Herz allein war , und ergriff es . Er berührte Wien , wo er sich gefallen lassen mußte , einigen vornehmen Freunden Gaspards vorgestellt zu werden , der ihm erst hier entdeckte , daß er nicht zu den Cavalleros del Tuzone gehöre , sondern ein österreichischer Vliesritter sei . » Mir ist es hier « ( sagte Albano ) » so sonderbar bekannt ; woher kommt das ? « » Von irgendeiner ähnlichen Stadt « ( sagte Gaspard ) - » wer viel reiset , kommt aus ähnlichen Städten in ähnliche . « Täglich wurd ' ihm der Vater lieber und verständlicher ; und doch nicht vertrauter und näher ; nach einem warmen Tage und vertrauten Gespräche mit Gaspard stand man in der nächsten Zusammenkunft darauf wieder im Vorzimmer seiner Bekanntschaft ; wie bei strengen Mädchen fing nach jedem Wonnemondstag der geschmolzene Maifrost wieder von neuem einzufallen an . Das Alter achtet die Liebe , aber - ungleich der Jugend - wenig die Zeichen der Liebe . Indes behielt Albano den Stolz , daß er sich dem Vater ganz und mit allen Verschiedenheiten sehen ließ , ohne den Sommer vor dem Winter zu verstecken . Von Tag zu Tag fand Gaspard Briefe an sich auf den Posten , besonders von Pestitz , wie Albano außen an den Post-Lettern ersah ; denn es wurden ihm keine gegeben . Er wünschte immer mehr , der Fürstin nachzukommen , die nur noch eine Tagereise vor ihnen voraushatte . Sie sahen schon die Riesen des Winters , die Schweizer- und Tiroler Alpen , im Lager ; die Göttersöhne standen , mit Lauwinen und Katarakten und Wintern bewaffnet , Wache um das göttliche Land , wo Götter und Menschen einander wechselseitig nachahmten . Wie oft blickte Albano , wenn abends die Sonne sich glühend mit den beschneieten Alpenhöhen vermischte , schmerzlich ergriffen nach diesen Thronen hin , die er einmal ganz anders , viel goldner , so hoffend und so glaubend , von Isola bella angeschauet . - Die Höhen deiner Vergangenheit , sagt ' er sich , sind auch weiß , und keine Alphörner tönen mehr