Händen faßte Sigismund die Kanten der Kupferwanne . » Wo sind die Mägde ? Unser Bad ist kühl geworden . « Fritz von Zollern öffnete die Tür und rief in den anstoßenden Raum hinaus : » Ihr ! Heda ! Flink ! Die Majestät muß frieren . « Die zwei Mägde und der Haarkräusler waren rasch zur Hand , sorgten für neue Wärme und wuschen dem König die von einer törichten Nacht verwüsteten Locken . - Gegen die neunte Morgenstunde begannen alle Glocken der Stadt zu läuten , um den jungen Frieden der bayerischen Lande zu grüßen , den diese Stunde gebären sollte . Die Fürsten und Prälaten , mit ihnen die Bürgermeister der freien Städte und der herzoglichen Residenzen , kamen zum Gumbrechtischen Hause , um die Majestät in feierlichem Zuge nach dem Stadthaus zu geleiten . Mancher von den edlen Herren sah sehr ungemütlich drein , nicht aus politischen Gründen . Der kleine Herzog von Bayern-Landshut hatte ein Gesicht , das einer grünen Olive glich ; er litt , obwohl er nicht unmäßig getrunken hatte , an einem Katzenjammer , bei dem er jedes Haar auf seinem gesalbten Haupte wie einen giftigen Nadelstich empfand . Der Haidpiatz war erfüllt von einer drängenden Volksmenge , die den freundlich grüßenden König mit stürmischer Zärtlichkeit umjubelte . Und immer war das Stadthaus von Stimmengewirr umgeben , während im großen Ratszimmer hinter verschlossenen Türen um den Frieden gehandelt wurde . Es ging da drinnen sehr lärmvoll zu , und die erregten Stimmen wuchsen immer kräftiger , während im Vorraum die Tische zu einem Erquickungsmahl gedeckt und mit leichten Weinen , mit gesäuerten Getränken , geräucherten Saiblingen , gesulzten Renken und mit Bratwürstchen auf Sauerkraut bestellt wurden . Das alles duftete sehr einladend , und mancher von den edlen Herren kam schon aus dem Ratszimmer heraus , noch ehe der erste Teil der Verhandlung erledigt war : die Schlichtung des persönlichen Streites zwischen den Herzögen Heinrich und Ludwig wegen des Konstanzer Überfalles . Der Ingolstädter war im Zorn der Stunde wie ein gereizter Tiger und stellte maßloße Forderungen : » Man soll den fahrigen Mörder Heinrich aller Ehren und Würden entkleiden und soll ihn richten nach dem Spruche : Aug um Auge , Zahn um Zahn ! Man soll ihm sieben Wunden an seinen Leib machen , darunter zwei auf den Tod . Und man soll ihm die Hand abhacken , mit der er nach unserem fürstlichen Leib gestochen . « Herr Heinrich , in der Bitterkeit seines hämmernden Katzenjammers , antwortete klagend : » Unser edler Vetter Loys verlangt der gerechten Dinge so viel , daß wir in Sorge um sein kostbares Dasein geraten . Menschen , die des Guten auf Erden zu viel begehren , leben nicht lange . « Mit diesen Worten brachte er die Lacher auf seine Seite , nachdem der Ingolstädter durch das Übermaß seiner Forderungen die Herren gröblich verstimmt hatte . Der König entschied unter dem Beifall des Fürstenrates : Herzog Heinrich soll zur Sühne seiner unvetterlichen Tat sechshundert Helme wider die Hussiten stellen , einen Kriegszug gegen die Heiden unternehmen , eine bußfertige Wallfahrt nach Rom machen , drei ewige Messen stiften , dem Vetter Loys alle Kurkosten ersetzen und ihn vor König , Fürsten und Volk um Gottes und unserer lieben Gottesmutter willen demütig um Verzeihung bitten . Der kleine Herzog beeilte sich , zu erklären : » Wir beugen uns dem Urteil der weisen Majestät . « Herzog Ludwig schrie mit einem Auflachen seines Hohnes in den Saal : » Man ehrt mich über Gebühr und hält mich für kostbarer als unseren Herren Christum . Der ward um dreißig Silberlinge verraten . Mich verkauft man um dreißigtausend Dukaten . « Bei dem Lärm , den der Aufbruch zum Frühstück verursachte , schien niemand diesen Zornschrei zu hören . Alle schwere Stimmung war plötzlich verwandelt in schwatzende Heiterkeit . Während im Vorraum die Tische sich füllten , standen die Herzöge von München mit dem Brandenburger abseits in ernstem Gespräch . Im Ratszimmer war nur Herzog Ludwig mit seinem getreuen Kaspar Törring zurückgeblieben , der in Zorn die irdische Gerechtigkeit eine feile Metze schalt und die Welt als würdig eines baldigen Untergangs erklärte . Um alle Folgen der törichten Nacht zu dämpfen , frühstückte die Majestät sehr reichlich . Herzog Heinrich , der außerhalb seines Schlosses zu Burghausen niemals ohne Vorkoster speiste , berührte den Imbiß nicht , obwohl eine heftige Sehnsucht nach sauren Dingen in seinen Augen war . Sehr aufmerksam betrachtete er den König , dem die duftenden Würstchen trefflich zu munden schienen . Und leise fragte der kleine Herzog : » Fürchtet die Majestät nicht , vergiftet zu werden ? « » Nein ! Unsere Brüder sind tot . « Der König lachte . » Auch sind Wir unempfindlich gegen Gift geworden . Übung gewöhnt den Körper an alle Dinge . « Heiter erzählte er von mannigfachen Giften , die man ihm schon verabreicht hatte , und von der scharfsinnigen Kur eines schwäbischen Arztes . Der hatte den im Lager vor Znaym vergifteten König durch vierundzwanzig Stunden bei den Füßen aufhängen lassen , bis das genossene Gift durch Mund und Nase völlig abfließen konnte ! » Das war nicht lieblich . Aber hilfreich . « Nach dieser Erzählung sprach die Majestät sehr fleißig wieder dem Sauerkraut und den Würstchen zu . Aber vielen an des Königs Tafel war die Lust zum Essen vergangen . Unter dem betretenen Schweigen , das am Tische herrschte , sagte plötzlich ein Regensburger Ratsherr : » Eure Majestät schneiden die Würstlein in die Quere . Das ist nicht empfehlenswert . Ist das Würstlein in die Quer gebröckelt , so beißt man beim Speisen auf die Haut und hat den minderen Geschmack . Man muß es nach der Länge schneiden und mit dem Fleisch auf die Zunge legen . « Am Tisch erwachte ein heiteres Lachen . Alle griffen von neuem zu , versuchten die ratsame Sache , nickten zustimmend mit den Köpfen , und die Majestät sagte freundlich