dich segne ! « Der Angeredete kam auch wirklich näher , Schritt um Schritt , fast wie im Traume ; denn was er hier sah und was er hier hörte , das war , als ob es irgendwo anders geschähe , nicht hier in diesem Leben . » Ich bin bereits gesegnet , « sagte er . » Von wem ? « fragte Waller . » Von Heartman , dem Reverend , vorhin , als er uns unten am Flammenbild der Shen begrüßte . Da segnete er mich wohl mehr als zu dreien Malen ! « » Also war das Himmelreich schon da , schon hier , noch ehe ich es wußte , und es ist mir darum leicht begreiflich , daß ich nun plötzlich benedeien will , wo ich , der frühere Eiferer , nur maledeien konnte . Doch immer komm ! Ich segne dich trotzdem , nicht um etwas zu erfüllen , was schon erfüllt worden ist , sondern wegen - - - meiner selbst ! « Schon streckte er seine beiden Hände aus , da erklang von hinten her eine laute , zornige Stimme : » Halt ein , Abtrünniger ! Du willst segnen , wo Elias einst ohne alle Gnade schlachtete ! Bist du toll - - - ? Verrückt geworden - - - ? Apostat - - - ? Dann gehst du ein zur Hölle - - - unbedingt ! « Es war Dilke . Er schritt heran , hoch aufgerichtet , stolz , den Kopf im Nacken , mit zusammengekniffenen Lippen und funkelnden Drohaugen , wie Einer , der sich naht , um schreckliches Gericht zu halten ! Ohne daß er es merkte , folgte ihm der Sejjid , der ihn nicht aus dem Auge ließ , um bei vorkommender Ursache schnell bei der Hand zu sein . Wie sah dieser Dilke aus ! Genau wie das verkörperte Gegenteil von seinen hochtrabenden Worten ! Er kam nicht ganz heran . Wohl über zehn Schritte von Waller entfernt , blieb er stehen und sagte , indem er eine verächtliche , wegwerfende Handbewegung machte : » Da liegt es nun , das ganze , ganze Christentum der Wallerschen Familie ! Eine Schande für Alle , die sich die Mühe gaben , es zu errichten , und dann im Stolz auf dies ihr Werk als Heilige sich in die Grube legten ! Ich schaue hin und schäme mich des Namens , den ich trage . Dieses Angesicht , das hier vor mir - - - mir - - - mir - - - « Das Wort erstarb ihm auf den Lippen , langsam , immer schwächer werdend . Von dem Hintergrunde des Saales aus hatte er seinen Oheim nur von Weitem gesehen . Jetzt richtete er sein Auge aus der Nähe auf ihn , und da war es , als ob ihm bei diesem Anblicke die Sprache verloren gehen wolle und mit ihr noch vieles , vieles Andere . Sein Gesicht veränderte sich . Seine Augen wurden starr . Sein Mund öffnete sich , wie bei Jemand , der im Ohre taub ist und doch etwas hören will . Seine Hände fielen nach unten und spreizten die Finger aus - - - aber ich konnte ihn nicht weiter beobachten , weil nun Waller meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm . Tsi und Fang , die beiden Aerzte , waren sofort zu ihrem Patienten herangetreten , als sie erkannten , daß ihm jetzt nun die befürchtete innere Aufregung nicht mehr erspart werden könne . Warum sahen sie beide so streng , fast wie unerbittlich aus ? Warum hielt besonders Tsi beide Fäuste geballt ? So entschlossen sieht nur Derjenige aus , dem ein Kampf auf Leben und Tod bevorsteht ! Ich ahnte es . Es galt geistiges Leben und geistigen Tod ! Und auch die Andern alle traten dem Eingedrungenen gegenüber zusammen , als ob sie deutlich fühlten , daß ihnen von ihm aus schwerer , innerlicher Schaden drohe . Waller war vorher in guter Stimmung und ganz wohl gewesen . Dann hatte ihn jedenfalls das laute und längere Sprechen etwas angegriffen gehabt . Jetzt nun schien ein doppelter Einfluß über ihn zu kommen , ein stärkender und ein schwächender , einer , der ihn heben und einer , der ihn niederdrücken wollte . Sein Gesicht fiel plötzlich zusammen , so daß er aussah wie in den schlimmsten Tagen seiner Krankheit . Seine Augen wurden stier ; sein Mund öffnete sich , und seine Hände und Finger spreizten sich genau wie bei Dilke . Aber mit kräftiger Stimme und in entschlossenem Tone sagte er : » Ich muß mich aufrichten - - - ich muß stehen - - - selbst wenn ich wieder zusammenbrechen müßte - - - ! Ich bin kein Waller mehr - - - ! Haltet mich - - - ich bitte Euch ! « Ich warf einen fragenden Blick auf Fang und Tsi . Beide nickten zustimmend . Da nahm ich Waller unter den Armen , hob ihn vom Lager , stellte ihn aufrecht hin und lehnte ihn an mich fest . Mary schob schnell ihren Sitz heran und schlang ihre Arme ebenso um den Vater . So stand er aufrecht , ohne daß er fallen konnte ; Beide nun einander gegenüber . Das war eine eigenartige , beängstigende , für den Psychologen freilich hochinteressante Situation ! Der Eine hatte beinahe denselben Gesichtsausdruck wie der Andere . Das geistig Bewußte trat zurück , fast zusehends , möchte ich sagen ; die Sicherheit wich aus den Blicken , und die Stimme Wallers klang ungewiß und doch und doch auch energisch , als er jetzt in unterdrücktem Tone sagte : » Es soll mich Jemand verlassen und will doch nicht ! Ich werde schwächer - - - . Wer steht da drüben , wer ? Ich fühle , daß ich es war - - - und dennoch bin ich hier ! « Und drüben sprach der Andere mit grinsendem Gesicht : » Da nimmt er alle