die nördlichen Dschamikun und die Kalhuran , und im Süden die südlichen Dschamikun mit den Dinarun . Die Einschließung war also außerordentlich exakt und genau so ausgeführt worden , wie der Ustad sie entworfen hatte . Die Schatten befanden sich in der Mitte ; keiner fehlte . Sie kamen nicht auf den Gedanken , sich zu einer Phalanx zu vereinigen , um einen Durchbruch zu versuchen , denn dazu waren sie zu feig , sondern sie ritten in getrennten Trupps oder Rudels ganz ratlos hin und her und ließen sich immer enger zusammenschnüren . Unweit der Stelle , an welcher der Hasenpaß in die südwestliche Ecke der Falle mündete , hatten sich unsere sämtlichen Führer zu einer Beratung zusammengefunden , zu welcher sich soeben auch der Scheik der Kalhuran von dem entferntesten Punkte unserer Aufstellung einstellte . Wir ritten hinab . Es war aber ein sehr steiler Weg , und wir schonten unsere Pferde . Darum kamen wir erst unten an , als diese kurze Besprechung soeben zu Ende war . Der Scheik der Kalhuran , der die Gegend genau kannte , hatte einen Vorschlag gemacht , welcher einstimmig angenommen worden war . Es handelte sich um die beste Art und Weise , in welcher die Schatten schnell zu entwaffnen und dann leicht zu bewachen seien . Ich fügte da nachträglich den Befehl des Ustad hinzu , ja Niemand entkommen zu lassen . Nun gab es drüben an der nördlichen Seite eine große , weite Felsenkluft , deren Wände so steil und so hoch waren , daß kein Mensch an ihr emporsteigen konnte . Sie war nur durch einen schmalen Riß zugänglich , welcher hier heraus auf unsere Ebene mündete . Die Schatten mußten nach diesem Risse getrieben und dort entwaffnet werden . Waren sie dann in der Kluft , so gab es für keinen Einzigen ein Entrinnen . Die Anführer kehrten infolge dieses Beschlusses an ihre Plätze zurück , um der Aufstellung die erforderliche neue Gestalt zu geben , was sehr schnell geschehen konnte , weil mehr als genug Platz zu den erforderlichen Bewegungen vorhanden war . Unser bisheriges Viereck verwandelte sich in ein Dreieck , dessen offene Spitze nach der Kluft führte . Als dies geschehen war , wurde der Feind auf diese Spitze zugedrängt . Wir sahen , daß er zögerte , diesem Stoße zu folgen . Es schien , daß er endlich nun einmal den Mut fasse wenigstens so zu tun , als ob er die Absicht habe , sich zur Wehr stellen zu wollen . Da machte der energische Scheik von Schohrd kurzen Prozeß . Er gebot seinen Gewappneten , blank zu ziehen , setzte sich mit entblößtem Schwerte an ihre Spitze , ritt mit ihnen bis ganz an die Schatten heran und begann , zu sprechen . Wir konnten nicht hören , was er sagte , aber es hatte den beabsichtigten Erfolg : Die Hinteren drängten unwiderstehlich nach vorn , und die Vorderen rückten weiter . Da auf der Flucht die vorn Befindlichen niemals die Mutigen sind , so sahen sie sehr vernünftiger Weise ein , wie überlegen wir ihnen waren und daß Widerstand nichts als nur Dummheit sei . Sie stiegen ab , lieferten ihre Waffen und Pferde aus und verschwanden dann in der Kluft . Das Beispiel wirkt , und was der Eine kann , das kann der Andere auch ! Während wir von den andern Seiten immerfort nachdrängten , gab es auf der Ostseite mehr als vollauf zu tun , die erbeuteten Waffen und Rosse aus der Linie zu bringen . Aber der einzige Zugang zu dem Massengefängnisse war so schmal , daß die Unterbringung der Schatten viel langsamer vor sich ging , als wir es wünschten . Uebrigens nahmen sie ihr Schicksal nicht sehr tragisch auf . Schatten denken ja heut so und morgen so ! Als es ihnen mit der Zeit im Sattel zu unbequem wurde , stiegen sie ab und machten es sich auf der Erde gemütlicher . Und wenn dann unsere Leute kamen , um die Pferde wegzunehmen , so bekamen sie die Gewehre , Pistolen und Messer ganz ohne Widerrede obendrein . So kam es , daß wir die Beute schon alle beisammen hatten , als noch fast die Hälfte der Schatten im Freien saßen und darauf warteten , untergebracht zu werden . Was diese Beute betraf , so hatte der Ustad im Namen sämtlicher Dschamikun auf sie verzichtet . Sie sollte nur unsern Verbündeten zufallen , und diese ernannten sogleich an Ort und Stelle eine Kommission , welche die einzelnen Stücke zu taxieren und gerecht zu verteilen hatte . Das geschah denn auch , und grad als der letzte Schatten in der Ritze der Kluft verschwunden war , hatte auch das letzte ihrer Pferde seinen neuen Herrn bekommen und die letzte ihrer Waffen ihre neue Stelle gefunden . Da war es nun aber auch beinahe Abend . Die Bewachung der Gefangenen wurde den Kalhuran anvertraut , von deren Scheik man sicher sein konnte , daß er dieser seiner Pflicht genügen werde . Was hier nun noch zu geschehen hatte , konnte mir gleichgültig sein . Darum beschloß ich , heimzureiten , und Dschafar Mirza gesellte sich zu demselben Zweck zu uns . Da sahen wir weit draußen im Osten einen Kamelreiter kommen . Sein Tier war kein gewöhnliches . Es entwickelte eine Schnelligkeit , welche Dschafar zu dem Ausrufe veranlaßte : » Das kann nur ein Eilbote sein ! Vielleicht wieder vom Schah-in-Schah ! « Er hatte ganz richtig vermutet . Wir ritten so , daß der Mann auf uns treffen mußte , und erfuhren da , daß er vom Beherrscher komme und je einen Brief an Dschafar Mirza und an den Ustad der Dschamikun habe . Der Erstere bekam seinen Brief und las ihn sofort . Es war ein langer , schmaler , starkbesiegelter Zettel dabei . Dschafar lächelte , sagte aber jetzt noch nichts . Wir ritten weiter , mit dem Kuriere Schritt haltend . Aber meinem Syrr schien der Geruch des Kamels