sprechen , nicht das tun , was man wollte , ja , nicht einmal sich verteidigen , wenn der gemütliche Maat aus seiner urfreundlichen Stimmung gelegentlich ganz heraus und in einen Eifer hineingeriet , der sich durch einen Schwall aller erdenklichen Kraftausdrücke Bahn brach . Robert sträubte sich innerlich dagegen . Er war ein Freiwilliger , er diente aus Begeisterung für die gute Sache des Vaterlandes , und doch konnten Kapitänleutnant und Offiziere diese Behandlung , die er sich gefallen lassen mußte , mit anhören , ohne sich irgendwie in die Sache hineinzumischen . Das war unerhört und warf auf den Militärdienst , wie Robert meinte , einen höchst verdunkelnden Schatten . Zwang und persönliche Unterordnung haßte er als Feinde seiner freiheitsliebenden Natur . Nach und nach aber sah er die Sache auch wieder mit ganz andern Augen und konnte nicht umhin , ihr eine Art widerstrebender Achtung entgegenzubringen . Alles so sauber geordnet , so bis ins Kleinste hinein durchdacht und danach eingerichtet , das entsprach zu sehr seinen eigenen Neigungen , um nicht bei vorurteilsloser Betrachtung auch von ihm gewürdigt zu werden . Nur daß der Einzelne kaum atmen durfte wie er wollte , sondern fast völlig Maschine war , das störte ihn immer noch äußerst empfindlich . Wenn Robert hörte , daß Deckoffiziere oder Kadetten den Offizieren mit » Zu Befehl ! « antworteten , dann empörte ihn das innerlich . Ein » Ja « oder » Nein « hätte auch genügt , meinte er , und wäre eines Mannes würdiger gewesen . Erst nachdem einige Wochen vergangen und Roberts aufrührerische Empfindungen ein wenig in das gewohnte Gleis zurückgekehrt waren , gewann er soviel geistige Freiheit , um sich nach einem Ausflug in die Umgegend zu sehnen . Nur etwa drei Stunden weit entfernt lag ja die Insel , auf der er sein erstes Abenteuer bestanden hatte , wo er so nahe am Tode vorbeigegangen war und wo unter den hohen Mangobäumen sein alter Freund den letzten Ruheplatz gefunden hatte . Er wollte Mohrs Grab sehen , bevor vielleicht der » Meteor « plötzlich durch irgendein Ereignis von hier abgerufen wurde , und zu diesem Zweck fragte er eines Tages seinen Vorgesetzten , ob es nicht möglich sei , auf kurze Zeit Urlaub zu bekommen . Der blonde Maat pfiff durch die Zhäne . » Das wird schwer halten ! « meinte er . » Aber ich bin doch ein Freiwilliger ! « rief Robert , » ich könnte morgen die Sache wieder aufgeben , wenn ich wollte ! « » Hui ! Wie das in die Wolken hineinfliegt ! Könnte morgen die Sache wieder aufgeben ! Daß du die Nase im Gesicht behältst , mein Junge ! Ich sage dir , du stehst unter dem Kriegsgesetz so gut wie jeder andere Soldat und kannst das einmal Abgemachte nicht wieder umstoßen . Ein Wort , ein Mann , du unruhiger Geist ! « Robert errötete . » Ich denke ja auch nicht daran « , erwiderte er hastig . » Aber was könnte es denn schaden , wenn ich einmal mit der Barkasse auf sechs bis acht Stunden nicht an Bord wäre ? « Der Unteroffizier schob vor Schreck die Mütze in den Nacken . » Das ist nicht schlecht , wahrhaftig ! Also auch die Barkasse sollte das Vergnügen mitmachen ! Da müßtest du ja wenigstens sechs Mann zur Bedienung haben ! « » Die will ich im Hafen schon auftreiben und bezahlen . Kleinere Boote sind für den Weg durch Klippen und Strudel nicht so recht zu brauchen . In der Nähe der Insel , die ich besuchen möchte , liegt ein unterseeisches , sehr gefährliches Korallenriff auf dem damals mein Schiff strandete , überhaupt führt ja der Weg dorthin über das offene Meer . « Gerber schüttelte den Kopf . » Das schlag dir gänzlich aus dem Kopf , Nummer Acht « , sagte er . » Dafür wirst du nie die Erlaubnis erhalten . « » Aber warum denn nicht ? Ich bitte Sie , warum nicht ? « Der Unteroffizier wiegte seinen ganzen Oberkörper hin und her . » Weil das eine Unmöglichkeit wäre , Nummer Acht , weil das - na - ich sage , es geht nicht . Wenn du mit der Barkasse spazieren fährst , so möchte ein anderer vielleicht an Bord eine Gesellschaft geben und der dritte sonst irgend etwas Ausgefallenes anstellen . Wer Soldat ist , der darf an solche Dinge nicht mehr denken . « Robert schwieg , aber der Gedanke ließ ihn nicht mehr los . Von den Franzosen zeigte sich nichts , an den täglichen Übungen nahm er jetzt zusammen mit den andern teil und hatte überhaupt das neue Leben an Bord des Kriegsschiffes etwas besser begriffen und sich hineingelebt , daher plagte ihn die Langeweile ebensosehr , wie es seinen Trotz herausforderte , so vollständig ohne eigene Tatkraft zu sein . Auf hoher See wäre noch alles anders gewesen , aber im Hafen stillzuliegen , täglich mit dem ungeladenen Gewehr zu exerzieren und in den Freistunden auch noch einer strengen , militärischen Disziplin unterworfen sein , das war gräßlich . Eines Tages , als Robert zur Steuerbordwache gehörte und wie gewöhnlich abends um acht Uhr seine Hängematte erhielt , hatte er seinen Plan fertig und in allen Einzelheiten vorbereitet . Der Mond schien fast taghell , das Meer lag ruhig und glatt wie ein Spiegel , - kurz , es lockte ihn unwiderstehlich hinaus . Er schlief nicht , obwohl es seine nächsten Nachbarn glauben mußten , sondern erwartete mit pochendem Herzen den Augenblick , wo das Trillern der Bootsmannspfeife im Zwischendeck ertönen und der Ruf Ronde ! Ruhe im Schiff ! auch das letzte Wort unter der Mannschaft ersticken würde . Endlich war es soweit , er drehte geschickt die Kleider seines Nebenmannes so , daß der Schimmer der großen Sicherheitslaterne nicht direkt auf seine Hängematte traf , und dann stand er behutsam auf . Die Ronde war vorüber und die Wache