lange er dort weilt , nicht dahin zurückzukehren gedenke ! Der Freiherr verstand ihn . Wie ein Cavalier gehandelt ! dachte er ; aber es war ihm unangenehm , Herbert dieses Zugeständniß nicht versagen zu können , und noch widerwärtiger war ihm die Vorstellung , daß jener es für nöthig erachtete , die Baronin durch seine Zurückhaltung vor dem eifersüchtigen Verdachte ihres Gatten zu schützen . Ueberall , wohin er blickte , gewahrte er jene Annäherung des bürgerlichen Standes an den Adel , die sich nicht mehr zurückdrängen ließ , weil die fortgeschrittene Bildung die Kluft bereits ausgefüllt hatte , welche sonst die Stände von einander geschieden . Nur um es nicht errathen zu lassen , daß ihm in Herbert ' s Antworten etwas mißfallen habe , verlangte er zu wissen , wohin er gehe . Herbert versetzte , daß er bis morgen in Marienau beschäftigt sei . Das gefiel dem Freiherrn auch nicht . Was machen Sie dort ? rief er spöttisch . Hat Steinert in dem Schlosse denn nicht Platz genug ? Im Gegentheil , er findet es , wie die meisten Schlösser , weit größer , als das Gut es tragen kann ! gab Herbert , der seinen Unmuth und seinen beleidigten Stolz vor dem Freiherrn immer nur mühsam in Schranken hielt , ihm in gleichem Tone zur Antwort . Wir haben die Flügel des ruinenhaften Schlosses eingerissen , um einen Schafstall und eine Brennerei daraus zu bauen . Herbert sagte das mit sichtlichem Vergnügen , weil er wußte , daß es seinem Hörer nicht genehm war . Und schon wieder hatte dieser es vor Augen , wie der Bürgerstand sich in den Rittergütern einnistete , wie das Gewerbe sich ausbreitete , wo sonst ein Edelmann frei und stolz auf seinem Erbe saß , und wie Herbert sich mit voller Sicherheit schon zu den Steinerts rechnete . Um des Freiherrn gute Laune war es nun gethan . Er wiederholte kurz zusammenfassend seine Anordnungen und Befehle , hieß den Gehülfen sich am Nachmittage nach der Höhe begeben , und schied von Herbert mit der Bemerkung , daß er ihn bei der Abnahme des Baues noch sehen werde . Als er in das Schloß zurückkehrte , sagte man ihm , daß der Amtmann da sei , nach des Herrn Befehlen zu fragen . Es war das immer so gehalten worden , wenn der Freiherr längere Zeit von Richten entfernt gewesen war , aber dieses Mal handelte es sich um mehr als eine alte Sitte . Was bringt Er ? rief der Freiherr dem Amtmanne entgegen , da dieser die Anrede desselben abgewartet hatte . Adam trat näher an ihn heran und sagte mit einem sorgenvollen Ausdrucke : Ich habe nichts Neues zu bringen , gnädiger Herr , denn was hier geschehen ist , haben Sie durch den Herrn Caplan erfahren , und es ist nicht der Art , daß man es wiederholen mag . Aber - er zögerte , schien die rechte Form nicht gleich zu finden , und sagte dann mit Ueberwindung : Ich komme mit einer Bitte , gnädiger Herr ! Ah , rief der Freiherr , dem die demüthige Haltung des sonst so straffen Mannes nicht entging , sie haben Ihn abgesandt ! Der Amtmann schüttelte das Haupt . Es hat mich Niemand abgesendet und Niemand weiß davon . Ich komme auch nicht um meinetwillen , aber ich wollte Sie bitten , gnädiger Herr - halten Sie morgen nicht selbst Gericht ! Es war ihm sauer geworden , dies auszusprechen ; der Freiherr hatte offenbar auch eine ganz andere Bitte zu hören erwartet . Rathschläge , und nun gar unerbetene Rathschläge von seinen Untergebenen anzunehmen , war niemals seine Sache gewesen , und der Gedanke , daß Adam sich die Freiheit , ihn unaufgefordert zu berathen , nur gestatte , weil er bald aus seinem Dienste scheide , machte ihm die Warnung , denn auf eine solche hatte Adam es ja abgesehen , nicht willkommen . Er war eben daran , sie hart zurückzuweisen , aber der Ausdruck von anhänglicher Sorge , mit welchem der Amtmann auf ihn blickte , ließ den Freiherrn innehalten ; und erst nach einer Weile warf er die Frage auf : Wie kommt Er auf den Einfall , mir abzurathen ? Die bloße Frage gab dem Amtmanne Zuversicht , und aus fester Ueberzeugung sprechend , sagte er : Das ist kein Einfall , gnädiger Herr , denn ich würde mir nicht erlauben , Ihnen mit meinen bloßen Einfällen beschwerlich zu fallen . Aber der gnädige Herr kommen nicht so unter die Leute , wie ich , und können nicht wissen , wie es unter ihnen aussieht und was in ihren Köpfen spukt . Nun , mich dünkt , davon hätten sie mir jetzt den schlagendsten Beweis geliefert , rief der Freiherr , und eben deßhalb sollen sie dieses Mal die verdiente Antwort von mir selber haben ! Thun Sie das nicht , gnädiger Herr ! bat Adam dringender . Sie , gnädiger Herr , sind besser als unser Einer unterrichtet von dem , was draußen in der Welt geschieht ; aber es ist , als ob es durch die Luft verbreitet würde , denn dem ärmsten Käthner und Einlieger geht es im Kopfe herum , daß es anders und besser für ihn werden müsse . Er weiß , daß die Hörigkeit vieler Orten aufgehoben wird - er hat von Ablösungen und hat auch von schlimmen Dingen gehört , die auf einigen Gütern geschehen sind .... Und die Elenden würden geneigt sein , sich ein Beispiel daran zu nehmen , meint Er ? - Nun , versuch ' Er ' s - halte Er ihnen das gute Beispiel vor ! Dem Amtmanne stieg das Blut zu Kopfe , aber er biß die Zähne zusammen , damit das Wort des Zornes nicht über seine Lippen ginge , und mit erzwungener Gelassenheit sprach er : Wir Steinerts sind geringe Leute gewesen , gnädiger Herr , als der Herr Baron Erasmus Einen von uns zu