sank unter dem Druck der gebrochenen Urfehde , welche das christliche Gesetz seinem heimatlosen Feinde bei dessen erster Betretung und Ausweisung aufzuerlegen pflegte , um ihn bei der Wiederbetretung , die ihn ja dann des Meineides schuldig zeigte , desto fester fassen und nötigenfalls am Leben strafen zu können . Auch die blonde Christine ergab sich nicht gutwillig in das Schicksal , das ihr umgewandelter Geliebter ihr bereitete . Der Sohn des Oberamtmanns beschreibt das verhängnisvolle gerichtliche Wiedersehen dieser beiden in seiner Weise so : » Müllerin war seine erste Liebe , lange war er bis zur Raserei in sie verliebt , und auch sie hing mit einem solchen Feuer an ihm , daß sie Ehre , Freiheit und alles ihm aufopferte , und was für ihn vielleicht das wichtigste war , sie war die Mutter seiner Kinder . Seit zwei Jahren waren sie gänzlich getrennt . Sie war die erste Ursache seines Schicksals , und er des ihrigen . Alle diese Empfindungen wachten in dem Augenblick des ersten Wiedersehens auf . Er zerfloß in Tränen , sobald er sie sah , und erst lange stumm , fragte er sie endlich aufs zärtlichste nach ihrem Schicksal , nach ihren Kindern und Verwandten , bat sie um Verzeihung , daß er sie unglücklich gemacht , und versicherte sie seiner heftigsten Reue . Müllerin ward durch seinen Anblick und seine Rede in die sonderbarsten Empfindungen gesetzt : innigste Rührung und Begierde ungerührt zu scheinen , kämpften in ihr , sie ließ jetzt , wie man aus ihrer Miene schloß , ihren Empfindungen freien Lauf , jetzt zwang sie sich , eingedenk der Folgen , sie zurückzuhalten . « Lange hatte er sich gegen das Bekenntnis der Vergehen gesträubt , an welchen die Genossin seines fruchtlosen Kampfes mit der Gesellschaft in der Halbheit ihres Umher seh Wankens zwischen Rat und Tat Anteil genommen ; aber seiner wachsenden Aufrichtigkeit kam der natürliche Verlauf der Dinge zu Hilfe : denn nachdem das Gericht einmal seinen Namen wußte , kannte es auch einen guten Teil seiner Geschichte und wurde durch Mitteilungen aus seiner Heimat in den Stand gesetzt , die einschlagenden Fragen an ihn zu stellen , welchen er in der Gemütsverfassung , die wir kennen , nicht länger auszuweichen vermochte . Nun begann er unumwunden und rücksichtlos zu gestehen , und die Arbeit der Überwindung , die er auf seine Weiber ausdehnte , wiederholte sich in jedem gemeinschaftlichen Verhör . » Er redete ihnen zuerst sehr sanft und freundlich zu , geriet dann in Wut , tobte und drohte , klagte , daß er nie ein Wort um seinet- , sondern nur um ihretwillen gelogen und daß die Verruchten es ihm so vergelten , bat sie dann wieder um Verzeihung und flehte sie liebreich an , ihre und seine Schuld vor Gott und den Menschen nicht noch schwerer zu machen . « Die blonde Christine ließ sich endlich erweichen , erklärte aber gleich nachher wieder , daß sie , durch sein schmeichelhaftes Zureden , wie sie sich ausdrückte , bewogen , viel zu viel eingestanden habe . Auch sagte sie , nicht aus Bußfertigkeit , sondern aus kleinlicher Rache auf ihn aus , er habe einmal , wie sie wisse , ein paar Sägen gestohlen . Bei dieser Gelegenheit konnte der Inquirent das Wesen seines Inquisiten an einem neuen Zuge kennenlernen . Derselbe Mann , der seine todbringenden Geständnisse so willig und todesfreudig gemacht hatte , leugnete den kleinen Diebstahl aufs hartnäckigste , so daß der Richter an ihm irre wurde . Als er endlich überwiesen war und keinen Ausweg mehr finden konnte , so gestand er das Vergehen und zugleich die Ursache seines Leugnens : er habe , sagte er , die Sägen an einen ehrlichen , gewissenhaften Mann verkauft , der sich lange nicht dazu bequemen wollte , bis er ihn versichert , sie seien nicht gestohlen , und sich auf Seel und Seligkeit vermessen habe , daß ihm sein Lebtag nichts über den Handel aus seinem Munde kommen solle , weswegen er auch so gewiß als etwas von der Welt wisse , daß er seiner Christine nichts davon gesagt habe . Nun fand sich der Richter wieder in ihm zurecht und schenkte ihm nach und nach so vollen Glauben , daß , wie sich aus dem Protokoll ergibt , der Unschuldsbeweis hinsichtlich des an dem Schützen zu Ebersbach begangenen Mordes lediglich auf seine eigene Aussage gegründet ist . Das Urteil wurde hierdurch freilich in nichts abgeändert , doch blieb dieser angebliche Meuchelmord , den ihm die Ebersbacher aufbürdeten , aus der im Urteil aufgestellten Reihe seiner Verbrechen weg . Der kleinliche Groll , dem die blonde Christine in ihrem der Schwachheit ausgesetzten Gemüte Zugang verstauet hatte , schwand wieder , denn sie kannte sein Herz und glaubte an die Aufrichtigkeit seiner Zerknirschung , die ihm nicht anders zu handeln erlaubte , obgleich sie sich die Rechnung machen konnte , daß sie dieselbe , nachdem es ihr geglückt war , aus dem Zuchthaus in einem Dienst unterzukommen , mit einer abermaligen Zuchthausstrafe zu bezahlen haben werde . Allerdings ein harter Lohn für so viel Liebe und Aufopferung , die in dem Protokoll mit dem amtlichen Kunstausdruck praematurus concubitus abgefertigt wird ! In zwei brandmarkenden Worten die Geschichte eines siebenjährigen Kampfes voll Weh und Treue erschöpft ! Und dabei war der Oberamtmann noch billiger als das Gesetz , das ein ohne elterliche Einwilligung geschlossenes Liebesband mit einem noch härteren Ausdrucke brandmarkte . Sein Angeklagter muß ihm in jenen Stunden , wo die Inquisition » einen vertraulichen Ton annahm « , ergreifende Eröffnungen gemacht haben , die freilich nicht im Protokoll zu lesen sind , auf die man aber daraus schließen darf , daß das Protokoll , daß ja nicht die Geschichte seines Schicksalsganges , sondern nur die Geschichte seiner Verbrechen enthalten sollte , die Anklage gegen Stiefmutter , Vater , Pfarrer und Amtmann , zwar kurz und dürr , aber doch in wenigen Worten vollständig aufgenommen hat , die Anklage : » nachdem er