, ein strahlendes Grubenlicht auf dem Köpfchen , den Hammer in der Hand , war ein kaum drei Spannen hoher , ausgewachsener Künstler , aber dennoch ebenmäßig fein gebaut , mit männlich schönem Gesichtchen , wundervollen blauen Augen und blondem Zwickelbart ; das kleine Wesen , einem Zaubermärchen gleichend , war nichts weniger als eine bloße Seltsamkeit , vielmehr ein wohlbewußter und rühmlicher Maler . Hinter dem Bergkönig auf demselben Wagen schlug der Prägemeister aus Silber und blankem Kupfer ( statt des Goldes ) kleine Denkmünzen auf das Fest ; ein Drache speiete sie in ein klingendes Becken , und sie diesem entnehmend , warfen zwei Pagen , » Gold « und » Silber « , die schimmernden Münzen unter das schauende Volk . Ganz zuletzt und einsam schlich der Narr Gülichisch her , traurig und achselzuckend den geleerten Beutel schüttelnd , umkehrend und rings umherzeigend . Es war aber noch nicht ernst gemeint mit diesem Bedauern ; denn dem nachhinkenden Narren auf dem Fuße folgte wieder der glänzende Anfang ; wieder gingen die Zünfte , das alte Nürnberg , Kaiser und Reich und die Fabelwelt vorüber , und so zum dritten Male , bis aller Augen sich an dem Gestaltenwechsel gesättigt hatten . Dann scharte sich die ganze Masse in gedrängte Ordnung ; die sangkundige Menge der Künstler ließ die Festlieder ertönen und brachte dem vergnügten wirklichen Könige , in dessen Machtkreis zuletzt diese ganze Traumwelt hing , ein opferndes Lebehoch . Durch den Logensaal der königlichen Familie , wo diese versammelt war , bewegte sich nun der ganze Zug und auf bedeckten Gängen in die Residenz hinüber , durch deren Säle und Korridore , welche alle von begünstigten Zuschauern angefüllt waren . Als Heinrich in die Nähe des zufriedenen Königs kam , gedachte er jenes wunderlichen Auftrittes , wo dieser ihm die Mütze heruntergeschlagen hatte . Er hatte ihn nie wieder so nahe gesehen bis jetzt und ihm längst verziehen ; denn wenn die Könige nicht beleidigt werden dürfen , so können sie auch nicht beleidigen noch beschimpfen , da ihre einsame Willkür alle gewöhnliche Wirkung aufhebt . Doch mußte er jetzt lachen , als er sich vorstellte , wie schön der König sich nun vergreifen würde , wenn er ihm die stachlichte Schellenkappe abschlagen wollte . Mutwillig bot er ihm sein bestechpalmtes Haupt hin und sagte leise : » He , König ! schlag mir die Kappe runter ! « Der König sah ihn betroffen an , schien sich zu erinnern und sagte kein Wort . Heinrich sah ihn ernsthaft an , klingelte bedeutsam mit den Schellen auf seinem Kopfe und sprang davon . In den Gemächern und Gängen des Palastes wie in den Gartenarkaden gingen die Künstler recht durch ihr eigenes Werk , das in vielfältiger Gestalt , von Säulen , Wänden , Decken und Treppen , in Gold , Farben und Marmor sie umglänzte . Und als sie über den von Pechflammen erleuchteten Platz zogen , durch das Gewoge des Stadtvolkes hin , ragte wieder überall ihr Werk in Erzbildern und hohen Gebäuden . Doch mündete nun der Zug in das benachbarte große Odeon und ergoß sich froh aufatmend in den zu Bankett und Spiel geschmückten mächtigen Saal . Mit Mühe gelang es den Führern und Zeremonienmeistern die Plätze zu ordnen , da die traumhafte Selbsttäuschung auch hier fortdauern und die Teilnehmer nach Rang und Bedeutung bankettieren sollten . Ein erhöhtes Halbrund war mit des Königs kostbaren Teppichen , welche er samt reichem Tischzeug , Silbergeschirr und goldenen Pokalen und Kannen aus seinen Kammern gegeben , bekleidet , um den Kaiser mit seinen Grafen und den Patriziern aufzunehmen . Mit großem Anstande nahmen sie Platz , und noch mehr als der glänzende Kaiser , welcher sich mit wirklich monarchischem Behagen gefiel , wußten sich die schönen Damen in adeligem Tun zu gefallen . Die Mundschenken und Edelknaben aber dienten und warteten auf und fanden hierin , unter Lust und Scherz , ihre volle Zufriedenheit . An langen Tafeln saßen die Zünfte und die Landsknechte ; nur Albrecht Dürer hatte seinen Platz neben dem Kaiser , wo auch der majestätische märchenhafte Bergkönig ragte . Von hohen , mit goldgestickten Teppichen behangenen , blumenüberwölbten Galerien tönten die lauten Musikchöre , bald selbständig , bald die Bankettlieder begleitend ; es war nicht ein Schuh von moderner prosaischer Kleidung im Saale , und selbst in den Nebengemächern , wo noch viele kleinere Kreise tafelten und zechten , sah man nichts als Mittelalter bis auf die Leute des Wirtes , welche alle kostümiert waren . Darum verbreitete sich ein prächtig rauschender Strom der Freude über die Menge , in welchem sie sich froh und aufblühend badete . Kaum konnte der Kaiser mit der schönsten Dame den altertümlichen Fackeltanz eröffnen , bis die Reihen der Handwerksmänner und Landsknechte , welche an den springenden goldenen Weinquellen saßen , allmählich sich zurückdrängen ließen , und sie taten es endlich um so williger , als die prächtigen Damen sich weigerten , mit den Schustergesellen und wilden Fußknechten zu tanzen . Denn die Schönen hatten sich schon so tief in ihre Gewänder hineingelebt , daß sie vergaßen , wie mancher der Verschmähten von gleichem Range mit ihnen war und , obgleich er ein reinliches neues Schurzfell trug und in weißen Hemdsärmeln ging , doch gleich ihnen sich freute , von einem würdigen Kaufmann , Professor oder geheimen Registrator abzustammen . Für den Anblick gewann jedoch durch diese Wunderlichkeit der Tanz an Schönheit , als die Ritterpaare , Raum gewinnend , mit wogenden Federn und wehenden Mänteln in langsamem Walzer oder anderen Tänzen sich feierlich bewegten . Doch wurde der Tanz öfters unterbrochen durch die Schauzüge , welche in immer neuer Gestaltungslust durch den Saal tosten . Bald erschien der Mummenschanz , welcher nicht satt wurde , sich in neue Märchen umzubilden und seine einzelnen Teile fabelhaft zu vermischen , bald stürmten die singenden Landsknechte vorbei , welche es so gut trieben , daß sich von diesem Feste her noch lang eine förmliche Landsknechtskultur erhielt in