beste Bundesgenosse wird der gefährlichste Feind , wenn die Bande zerrissen sind , die ihn an uns fesselten . Und was sind denn diese Bande , wenn wir sie näher betrachten ? Der Leim , der die spröden Fäden schmeidigt und bindet , ist das Interesse , weiter nichts ! Die süßeste Liebe , der eifrigste Wissensdrang , wenn wir sie zersetzen , es bleibt nur das Gelüste , das allerfeinste , nach Genuß und Vortheil . Die Vaterlandsliebe , was ist sie , auf ihre Grundstoffe zerlegt ? Ein grober Egoismus ! Und dieser Patriotismus , den wir uns vorlügen , Jeder sich selbst , in noch stärkerer Dosis dem Andern , und der giebt ihn uns wieder zurück , aufgeschwollen , bis das grauenhafte Phantom fertig ist , das Wolkenbild , das unsre Sinne verwirrt , unsre Vernunft uns raubt . Und was bleibt dann ? - « In der Kinderstube war es laut geworden , keine ungewöhnliche Erscheinung . Die Kinder verübten , wenn sie kaum sich etwas erholt , allerhand Schabernack . Sie neckten , zankten , schlugen sich , und es war mehr als einmal passirt , daß sie in unbewachten Augenblicken wieder einen frischen Trunk aus dem Quell des Uebels gethan , von dem sie geheilt werden sollten . Charlotte kam aus der Stube , die Enveloppe umgethan zum Fortgehen . Sie weinte . » Haben die Kinder Sie wieder nicht in Ruhe gelassen ? « » Ach , Frau Geheimräthin , wenn da der liebe Gott nicht hilft , dann weiß ich nicht , wer helfen soll . « » Warum hilft Sie sich nicht selbst ? « » Ich knuffe sie auch , Frau Geheimräthin , aber Wechselbälger sind gar nicht so schlimm . Nein , seit sie doch in dem Hause sind ! Ein vernünftiger Mensch soll doch auch nicht in Rage kommen , denn wer in Rage ist , hat keine Vernunft , ja sonst - ich frage mich immer , womit hat ' s die liebe gute Frau Geheimräthin verdient , nämlich die selige , die hatte ja ein Herz wie Zucker , das konnte keine Fliege leiden sehen , und der Fritz , wenn er den Maikäfern die Flügel ausreißt , das ist sein größtes Plaisir . Malwinchen ist stiller , aber die hat ' s dick hinter den Ohren . Glauben Sie mir ' s , Frau Geheimräthin , die war ' s , die hat die Medizinpulle in die Mehlspeise gegossen . O Gott , ich kenne sie ja ; der Fritz , ja mit reingepolkt hat er in die Speise , aber Fritz ist viel zu wild ; der hätte nicht nachher die Pelle , mit Respekt zu sagen , so wieder rüber gepellt , daß man ' s nicht merken that . Und daß so was in einem so reputirlichen Hause vorkommen musste ! Mein Cousine , die Frau Hoflackir , als sie ' s hörte , schlug die Hände über den Kopf zusammen , und sagte : Charlotte , Du mein Jemine ! die Leute hätten ja denken können , sie wären vergiftet und vergeben worden . « » Das ist ein albernes Gerede . « » Das sagte ich ja auch . Erstens , das waren vornehme Gäste und die nennt man nicht Leute , Cousine . Nun Sie müssen wissen , meine Cousine ist jetzt eine sehr respektable Frau , aber sie hat nicht die Bildung gehabt . Da muß man ihr schon etwas zu Gute halten . Aber dann sagte ich ihr : Aber , Cousine , wie kannst Du so was nur denken ! Gemeine Leute sind rachsüchtig , und da hat schon Mancher seiner Frau auf den Kopf geschlagen , und in den Büchern steht ' s von mancher Frau , die ihren Mann vergeben hat in der Suppe , daß sie ihn unter die Erde kriegte , und hinter der Thür stand schon ein anderer . Aber unter honetten Leuten kommt so was nicht vor , die wissen sich anders zu helfen . Und wenn ' s einmal , so macht man auch nicht so viel Geschrei davon , denn da wär ' s ja gethan um allen Respekt und die Moralität . Nein , alles , was Recht ist , und mein guter Herr , der Geheimrath , in der Seele hat er mir weh gethan , daß er dabei sein musste . « » Wie war nur das Kind in die Küche gekommen ? « » Du lieber Gutt , sie hat einen guten Geruch . Da ging sie denn der Mamsell Adelheidchen so lange um den Bart - das heißt , sie streichelte mit ihren Händchen die blonden Locken , o Malwinchen ist ein Filou , und da müsste Mamsell Adelheid früher aufstehen , wenn sie ' s merken wollte . « » Adelheid hat nichts davon gesagt . « » Ach , Frau Geheimräthin , wie wird man Ihnen denn alles sagen , was in Ihrem Hause passirt ! Sie haben auch gesagt , der Herr Geheimrath soll Kaffee haben vom zweiten Aufguß , weil ' s ihn echauffirt ; Mamsell Adelheidchen aber lässt ihm vom ersten geben , weil sie gemerkt hat , daß es ihm besser schmeckt . Und der Herr Geheimerath , der nichts merkt , merkt ' s recht gut , und ist still zu . Warum sollte er ' s auch laut machen ; er denkt , dann kann ' s anders werden . Es geht in jedem Hauswesen so zu , und wer der Klügste ist , soll sich nicht einbilden , daß nicht Einer ist , der ihm auf die Sprünge kommt . Jedes Schloß hat ein Loch und jede Mauer eine Ritze , man sieht sie nur nicht , und wer noch so verdämelt aussieht , zuweilen schießt ' s in ihn . Das sage ich meinem Geheimrath auch . Will sich manchmal um Alles kümmern , meine Marktrechnungen nachrechen . Lieber Herr Geheimrath ,