und ich denke die Antwort wird so sein , daß sie es einst bereuen wird , meinen hohen und anerkannten Ruf in Bekehrung ketzerischer Gemüther durch ihren Widerstand angegriffen zu haben . Wenn ' s nach mir geht , verläßt sie nie wieder die Mauern dieses guten , festen Schlosses ! - Die Glut des Zornes war am Ende dieser Rede auf die breite Stirn und die düster funkelnden Augen des hochmüthigen Paters getreten , und Porter erkannte genau , was das Fräulein zu erwarten hatte , vertrauten nämlich die höheren Lenker dieses Gewebes den Berichten des in seinem geistlichen Hochmuth verletzten Priesters . Aber Brixton , unterbrach der alte Mann den Gang des Gesprächs , was denket Ihr mit ihm zu thun ? Vielleicht hat er , abgeschreckt durch die vergeblichen Versuche , bereits seine Rückreise angetreten . - Damit wirst Du uns wenigstens nicht rathen wollen , die Versuche zu seiner Wiederauffindung einzustellen . Ich werde seine Spur finden , verlaß Dich darauf und gehabe Dich bis dahin wohl ! Offenbar in der übelsten Laune , die er sich erregt , theils durch die Erinnerung an die Verletzung seines Hochmuths , theils durch den stets wieder auflebenden Verdacht , Porter möchte sie nicht redlich bedienen , erhob sich der Pater . Stolz grüßend verließ er das Krankenlager des Vertrauten , dem er in einer durch Alter und Einsamkeit genährten Geschwätzigkeit wohl mehr mitgetheilt hatte , als er bei einer ruhigen Berathung mit seinem Verstande und den Gründen des Verdachts gegen ihn für rathsam gehalten haben würde . Porter blickte dem Abgehenden mit einem Ausdrucke nach , der an das boshafte Spiel der Katzen erinnerte , welche , in ruhiger Stellung ihrem schon getroffenen Feinde gegenüber , blos mit der Schärfe ihres Blickes ihn hüten , sicher , daß ihnen der beliebige Augenblick zu Gebote steht , wo das Ausstrecken der bekrallten Pfote seiner Freiheit Grenzen setzt . Dessen ungeachtet sehen wir diesen Ausdruck gemäßigt durch die Betrachtungen , die dem Alleingelassenen sich aufnöthigen , und nicht undeutlich zog mancher schwere Seelenkampf über dies gefurchte Gesicht , und konvulsivisch sehen wir ihn seine Decken drücken , und sich selbst zusammen ziehen und strecken , so daß es schwer wurde , an die Wirksamkeit des Umschlages zu glauben , den der ruhig schlummernde Jüngling so vertrauungsvoll ihm umgelegt . Doch wir wissen , daß die Seele des Menschen in eine Zerrüttung verfallen kann , die Konvulsionen zu erregen vermag , unzugänglich den Linderungen von Außen und in uns selbst den Arzt fordernd , der mitleidend oft lange die nöthige Hilfe versagt . Der innere Streit , den wir hier zu schildern suchen , ging , wie immer , dahin , ob die Liebe zu dem von seiner Jugend auf ihm anvertrauten Prinzen , dem er die einzige warme Regung seines Herzens verdankte , und der ihm eben darum vielleicht in der Stille als sein Wohlthäter erschien , siegen sollte . Eben so mächtig war der Einfluß dieser Priester , durch Erziehung , Gewohnheit , Religion und den fanatischen Eifer der Kirche , ein so mächtiges Werkzeug des Ruhmes zu gewinnen , in seinem tiefsten Leben gewurzelt . Es findet sich in der innern Geschichte aller Menschen mehr oder weniger ein Streit zwischen den Eindrücken der Erziehung und den späteren Ueberzeugungen , und es möchte nicht schwer sein , die Macht der ersteren in jedem Individuum wieder zu erkennen , wie sehr sie auch oft in dem entwickelten Geiste verarbeitet erscheint . Eben so häufig aber tritt uns die Erscheinung entgegen , eine gänzlich ihr hingegebene Natur zu finden , die , tyrannisch beherrscht von den ersten Eindrücken , jede freiere Entwickelung sogar von sich stößt und wie ein Sklave im selbst gewählten Joche durchs Leben keucht . Beschränkt und der edlen Bestimmung entgegen , das durch Erziehung überliefert Erhaltene blos als Basis höherer Entwickelung zu benutzen , scheint uns ein solches Wesen verächtlich und unbeachtenswerth ; wie oft aber würden wir von diesem zuversichtlichen Verwerfungsurtheile abstehen müssen , wäre uns ein freier Blick in das Innere erlaubt . Es wächst unter der Last befestigter alter Gewohnheiten und Vorurtheile oft dem Allen entgegen , immer zum geheimen Widerspruche geneigt , ein kleiner zarter Keim freierer Ueberzeugung empor , die vor der schweren Erde , die hoch darüber lastet , nicht bis zur Entwickelung an das äußere Leben gedeiht ; aber wenn das nahe Ende den Hochbejahrten aus dem irdischen Sein , worin seine Fesseln haften , hinausgeführt , dann erblicken wir zuweilen eine plötzliche Veränderung , von der wir uns angewöhnt haben zu sagen : Er ist so sanft , er wird bald sterben . Es sind aber nicht die letzten Tage , die erst dies höhere Leben erzeugen , es sind die verhüllten schwachen Versuche der ganzen unfruchtbaren Vergangenheit , die in den letzten Tagen an dem ferner gerückten Leben keinen Widerstand mehr finden , und nun den kleinen Keim gedeihen lassen , den Gott alsobald zum Verpflanzen hinwegnimmt . Von dieser Betrachtung aus finden wir uns vielleicht in den Zustand des Greises zurecht , dessen zuckendes Gesicht zuletzt von einer diesen Zügen sonst so fremden Rührung zeugt . Bald ist es überwunden ; er schaut über den Rand des Bettes nach dem Schläfer , und endlich , nachdem er die Nothwendigkeit , ihn zu wecken , erkannt , streckt er die dürre Hand über das blühende Gesicht . Tief in die Süßigkeit des Schlafes versenkt , wehrt der Jüngling die Störung ab , sich anders wendend , um im Schlummer fortzufahren , und bald auch dahin verfolgt , kehrt er aus dem Taumel seiner unschuldigen Träume zurück und strengt sich an , zu erwachen . Er richtet sich endlich empor und sieht und hört nicht viel , und muß immer wieder von der kalten , dürren Hand gereizt werden , ehe er Alles zusammen findet , was zum Erwachen nöthig . Armer Schelm , ruft der Alte ihm mitleidig zu , hast noch lange nicht ausgeschlafen , wie ich