verstehe , und ob meine Sorgfalt nicht Dank und Anerkennung verdient . Gewiß , gewiß , sagte der General , ohne den spöttischen Ausdruck des Gesichts zu mildern . Ich habe den Werth Ihrer Zuneigung vollkommen würdigen gelernt , und vor Allem hat mich die zarte Schonung überrascht , die mir den Schmerz des Abschiedes ersparte und zugleich alle Hindernisse des leichteren Fortkommens mir aus dem Wege räumte . So groß die Frechheit der Tochter des alten Lorenz auch war , die sich in der Begleiterin des Kapitäns nicht mehr verkennen ließ , so schwieg sie doch einen Augenblick bestürzt und sagte dann mit weniger dreister Stimme : Ich glaube , meine Aufopferung für Sie hätte eine bessere Belohnung verdient . Ich zweifle nicht , erwiederte der General lächelnd , daß ich dieß selbst würde geglaubt haben ; da es Ihnen aber gefiel , den Werth dieser Aufopferung selbst zu bestimmen , so habe ich Ihr Urtheil für richtiger als das meine gehalten . Nach einer leichten Verbeugung faßte der General von Neuem den Arm des Grafen , um sich eilig mit ihm zu entfernen . Der Kapitän schien sein Verhältniß zu seiner Freundin selbst zu leicht zu nehmen , als daß er durch die Art , wie der General mit ihr sprach , hätte beleidigt sein sollen . Im Gegentheil blickte er diesem mit wohlwollendem Lächeln nach , als er sich entfernte , und sagte , indem er seiner Begleiterin den Arm bot : Ein braver Mann der General , ein wahrer Ehrenmann , ohne auf den Zorn zu achten , der in den Augen seiner Freundin funkelte . Als die beiden Freunde die Wohnung des Generals erreicht hatten , sagte dieser : Vor allen Dingen mußt Du mir nun versprechen , diesen Mittag mein Gast zu sein . Gern , erwiederte der Graf , wenn Du mir erlaubst , meine Damen davon zu benachrichtigen , damit ich nicht vergeblich erwartet werde . Ist Deine Gemahlin mit Dir in München ? fragte der General , nicht angenehm überrascht , denn sein Zusammentreffen mit der Tochter des alten Lorenz erinnerte ihn daran , wie er mit dieser auf Schloß Hohenthal erschienen war , und er mußte es sich gestehen , daß er dadurch unmöglich die Achtung der Gräfin gewonnen haben könne . Der Graf hatte die Frage des Freundes bejahend beantwortet und der Gräfin einige Worte geschrieben . Der General zog die Klingel , auf deren Ruf ein Bedienter in übertrieben reicher Livree erschien , der zum Ueberbringer des Blatts bestimmt wurde . Der Graf sah dem davon eilenden Boten gedankenvoll lächelnd nach , und der General , der einen Tadel seines Geschmacks in Bezug auf die zu reiche Livree fürchtete , fragte etwas gespannt : Was fällt Dir an dem Burschen so auf ? Der Wechsel der Dinge , antwortete der Graf . Ich weiß die Zeit , wo eine so reiche Livree dem Herrn dieses Burschen als einem entschiedenen Aristokraten zur Guillotine geholfen hätte . Tempi passati , sagte der General gähnend . Von Menschenrechten ist nicht mehr die Rede . Der Ruhm , der Glanz der französischen Nation , das ist jetzt der Gedanke , der Alle mit Begeisterung erfüllt . Es ist eine eigene Ideenverbindung , bemerkte der Graf lächelnd , daß Du an die Menschenrechte denkst , wenn ich die Guillotine erwähne . Nun , Du mußt doch zugeben , erwiederte sein Freund , daß die verruchte Maschine zu der Zeit am thätigsten war , wo am Meisten von den Menschenrechten geredet wurde . Doch laß uns nicht wieder in die Politik gerathen ; laß uns , wie in vergangenen Zeiten , in harmloser Heiterkeit uns zu Tische setzen , und dann theile mir Dein Verlangen mit . Der Graf hatte gegen diese Anordnung seines Freundes nichts einzuwenden und er folgte ihm zur Tafel , wo der General einer schwelgerischen Mahlzeit alle Gerechtigkeit widerfahren ließ und über die Mäßigkeit des Grafen mit in dem Grade erhöhter Munterkeit scherzte , wie der reichlich genossene Wein seine Lebensgeister immer mehr anregte . Endlich , als der Pfropfen der Champagnerflasche sprang und der schäumende Wein in den Gläsern perlte , sagte er : Nun , alter Freund , sprich es aus , was begehrst Du , was soll ich für Dich bei unserm Kaiser auswirken ? Es ist mir unmöglich , sagte der Graf , Dir meine Wünsche bei der Flasche mitzutheilen , denn ich muß Dich , damit Du mir gefällig sein kannst , mit zu ernsthaften Gegenständen bekannt machen . So laß uns denn ernste Gegenstände ernst behandeln , sagte der General , indem er sich mit dem Freunde von der Tafel erhob und ihn in ein anderes Zimmer führte . Es wurde dem Grafen schwer , die nöthige Mittheilung zu beginnen , weil er bei einem ihm an sich peinlichen Gegenstande die Weinlaune des Freundes fürchtete . Aber diese Besorgniß war ungegründet , denn so wie der Graf den Namen Evremont nannte , war jede Spur der ausgelassenen Heiterkeit verschwunden , die der General bei Tafel gezeigt hatte , und er hörte alles , was der Graf ihm mittheilte , mit der ernstesten Aufmerksamkeit und innigsten Theilnahme an . Was Du wünschest , sagte er endlich , als der Graf schwieg , ist eine Kleinigkeit , die der Kaiser ohne Frage sogleich gewähren wird . Dafür könnte ich mich verbürgen , aber Du wirst es mir vergeben , daß das Erstaunen über das wunderbare Schicksal , das Dich zum Gemahl von Evremonts Wittwe machte , alle meine Sinne fesselt . Armer Evremont ! rief er klagend , und doch , fuhr er erheitert fort , habe ich Recht , jedes Böse bringt sein Gutes . Unser unglücklicher Freund wurde eigentlich das Opfer seines Vaters , das kannst Du nicht läugnen , bei aller Liebe , die der alte Herr für ihn hatte ; aber dieß Unglück hat Dein Glück herbeigeführt durch die Verbindung mit seiner liebenswürdigen Wittwe , und daß Du ihren Sohn ganz als