von Wunderwahrheiten eingeschlossen durch diese tiefen Erinnerungen , so daß ich sogar das Wehen der Luft von damals mit zu empfinden glaube , daß ich mich umsehe , als stände er hinter mir , und daß ich jeden Augenblick empfinde , wie durch die Berührung des irdischen Geistes von einem himmlischen überirdischen Geist alles Denken in mir entsteht . So will ich denn mein inniges Zutrauen zu Dir nicht verlieren und trotz schauerlichen Nachtgespenstern , die Du mir entgegenscheuchst , dennoch fortfahren , Dir mitzuteilen , wozu nur erprobte Treue berechtigt . * * * Von ungemeßner Höhe strömt das Licht der Sterne herab zur Erde , und die Erde ergrünt und blüht in tausend Blumen den Sternen entgegen . Der Geist der Liebe strömt auch aus ungemeßner göttlicher Höhe herab in die Brust , und diesem Geist entgegen lächeln auch die Liebkosungen eines blühenden Frühlings empor ! Du ! Wie sich ' s die Sterne gefallen lassen , daß ihr Widerschein am frisch begrünten Boden im goldnen Blumenfeld erblüht , so lasse auch Dir es gefallen , daß Dein höherer Geist Dir tausendfältige Blüten der Empfindung aus meiner Brust hervorrufe . Ewige Träume umspinnen die Brust , Träume sind Schäume , ja sie schäumen und brausen die Lebensflut himmelan . Sieh , er kommt ! - Ungeheure Stille in der weiten Natur , - es regt sich kein Lüftchen , es regt sich kein Gedanke ; willenlos zu seinen Füßen der ihm gebundne Geist . - Kann ich lieben , - ihn , der so erhaben über mir steht ? - Welt , wie bist Du enge ? - Nicht einmal dehnt der Geist die Flügel , so breitet er sie weit über Deine Grenze . Ich verlasse Wald und Aue , den Spielplatz seiner dichterischen Lust , ich glaube den Saum seines Gewandes zu berühren , - ich strecke die Hände aus nach ihm ! - Es war mir , als fühle ich seine Gegenwart im blendenden Schimmer , der sich zwischen Tränen malt . - Es ist ja ein so einfacher Weg zwischen den Wolken durch , warum soll ich ihn nicht kühn wandeln ? - Siehe , der Äther trägt mich so gut wie der Rasen , - ich eile ihm nach , wenn ich ihn auch nicht erreiche , kurz vor mir ist er diesen Wolkensteig gewandelt , sein Atem verträgt sich noch mit dem Luftstrom , mag ich ihn doch trinken . Nimm mich zurück , hilf mir herab , - das Herz bricht mir , ja das Herz ist nicht stark genug , die leidenschaftliche Gewalt , die sich über die Grenze bäumt , zu tragen . Führ mich zurück auf die Ebne , wo mein Genius mich ihm einst entgegenführte in der blühenden Zeit zwischen Kindheit und Jugend , wo sich der Augenstern zum erstenmal zum Licht erhob , und wo er mit vollen Strahlen mir den Blick einnahm und jedes andere Licht mir wegdunkelte . * * * O komm herein , wie Du zum erstenmal kamst vor das Antlitz des erblassenden , verstummten , dem Verhängnis der Liebe folgenden Kindes , wie es da zusammensank , da es das Richtschwert in Deinen Augen blitzen sah , wie Du es auffingst in Deinen Armen , die seit Jahren gesteigerte Sehnsucht nach Dir mit einem Male lösend . Der Friede , der mich überkam an Deiner Brust ! Der süße Schlaf , einen Augenblick , oder war ' s Betäubung ? - Das weiß ich nicht . Es war tiefe Ruhe , wie Du den Kopf über mich beugtest , als wolltest Du mich in seinem Schatten bergen , und wie ich erwachte , sagtest Du : » Du hast geschlafen ! « » Lange ? « - fragte ich . » Nun , Saiten , die lange nicht in meinem Herzen geklungen haben , fühlt ich berührt , so ist mir die Zeit schnell genug vergangen . « Wie sahst Du mich so mild an ! - Wie war mir alles so neu ! - Ein menschlich Antlitz zum erstenmal erkannt , angestaunt in der Liebe . Dein Antlitz , o Goethe , das keinem andern vergleichbar war , zum erstenmal mir in die Seele leuchtend . - O , Herrlicher ! - Noch einmal knie ich hier zu Deinen Füßen , ich weiß , Deine Lippen träufeln Tau auf mich herab aus den Wolken , ich fühle mich wie belastet mit Früchten der Seligkeit , die all Dein Feuergeist in mir gezeitigt , ja , ich fühl ' s , Du siehst auf mich herab aus himmlischen Höhen , lasse mich bewußtlos sein , denn ich vertrag ' s nicht , Du hast mich aus den Angeln gehoben , wo steh ich fest ? - Der Boden wankt , schweben soll ich fortan , denn weil ich mich nicht mehr auf Erden fühle ; keinen kenne ich mehr , keine Neigung , keinen Zweck , als nur schlafen , schlafen auf Wolken gebettet an den Stufen Deines himmlischen Thrones , Dein Auge Feuerwache haltend über mir , Dein allbeherrschender Geist sich über mich beugend im Blütenrausch der Liebeslieder . Du ! Säuselnd über mir , Nachtigall flötend : das Gestöhn meiner Sehnsucht . - Du ! Stürmend über mir , wetterbrausend : die Raserei meiner Leidenschaft . Du ! - Aufjauchzend , himmelandringend die ewigen Hymnen beglückender Liebe , daß der Widerhall ans Herz schmettert , ja , zu Deinen Füßen will ich schlafen , Gewaltiger ! Dichter ! Fürst ! Über den Wolken , während Du die Harmonien ausbreitest , deren Keime zuerst Wurzel faßten in meinem Herzen . * * * Dem Freund Gebete steigen gen Himmel , was ist er , der auch himmelan steigt ? - Er ist auch Gebet , gereift unter dem Schutz der Musen . - Eros , der himmlische , leuchtet vorauf und teilt ihm die Wolken , - ich aber kann ' s nicht sehen , ich muß mich verbergen .