Dreizehntes Kapitel . O , höret doch , wie sein Donner zürnet , und welch eherne Rede von seinem Munde ausgeht ! Er siehet unter allen Himmeln , und sein Blitz scheinet auf die Enden der Erde ! Hiob . Die gute Crescenz hatte nichts Eiligeres zu thun , als den Weg nach der Giebelkammer zu suchen , um die holde Esther , die kaum , von Thränen und Leid erschöpft , entschlummert gewesen , aus der süßen Ruhe zu wecken . Das Mädchen fuhr erschrocken empor , und ihr Schrecken verdoppelte sich , als ihre Pflegerin ihr in ' s Ohr rief : » Du bist verrathen , Mägdlein ! auf ! Dein Heil ist nur die schnellste Flucht ! « - » Verrathen ? « stammelte Esther : » woher wißt Ihr .... ? wer hat das gethan ? « - Crescenz säumte nicht , so schnell als ihre Zunge es gestattete , den Auftritt mit Zodick der staunenden Zühörerin zu berichten , die sich hierauf in Danksagungen gegen sie erschöpfte . - » Ei , so laß Dank und glatte Worte bei Seite ! « schalt endlich die Alte : » was ich dabei gethan , ist gar keines Lobes würdig . Welcher Mensch in der Welt wird solch ein Galgengesicht gutwillig in ' s Haus und sich die Gurgel abschneiden lassen ? darauf hatte es der Schurke doch am Ende bei uns beiden abgesehen . Die Gefahr ist jedoch nicht vorbei , sondern sie kömmt erst heran . Entweder ist es wahr , was der Bursche behauptete , und der Judenarzt hat Dich an den Schultheiß verschwatzt , und in diesem Falle mußt Du schleunig fort ; oder , es ist nicht wahr , und der Schandbube gibt selber Dich an ; dann mußt Du auch fort . Darum kleide Dich , und laufe ; es blutet mir das Herz , daß ich Dich vor die Thüre stoßen muß , - aber überall wirst Du besser seyn , als in den Händen des lustgierigen Schultheißen . « - » Hochgelobter gepriesener Gott ! « seufzte Esther trostlos : » Kann Dein Vaterauge sehen solche Bedrängniß ohne zu helfen ? O , daß er fern seyn muß , auf den ich baute , wie auf einen Engel . « - Crescenz hätte gerne der Klagenden den Trost gegeben , daß Dagobert nicht mehr ferne sey , allein sie bedachte noch zu rechter Zeit , daß diese Kunde den Schmerz des Mädchens , und ihren Widerwillen gegen die plötzliche Trennung vom Schellenhof vermehren würde , und dennoch war , ihrer Meinung nach , kein bessres Mittel vorhanden , dem nahenden Unheil zu entgehen . Sie begnügte sich daher , der trauernden Esther aufzutragen , sich in Wald und Busch so lange verborgen zu halten , bis der nächste Abend herangekommen seyn würde , und alsdann fein vorsichtig auf dem Hofe sich wieder zu melden . Unnachsichtlich drängte sie indessen jetzo zum Abschiede , denn neben der Furcht , das Mädchen selbst in der Feinde Schlingen fallen zu sehen , beunruhigte sie das Loos gar sehr , das ihrer warten dürfte , ward ihre Theilnahme an dem heimlichen Handel bekannt . - Aber so sehr sie auch drängte und trieb , so sehr Esther sich beeilte , ihrem Willen folgsam zu seyn , und kaum sich die Zeit nahm , die schönen Locken mit Crescentia ' s eignem Miedertuche vor dem gegen die Fenster schwirrenden Regen zu schützen , - so waren doch Warnung und Vorsicht zu spät gekommen . Die Hunde , die sich bisher nicht geregt hatten , fuhren auf einmal mit wüthendem Toben aus ihren Hütten , und an ihrem kurz darauf folgenden erbärmlichen Geschrei war bald zu merken , daß einige derbe Schläge sie zur Ruhe verwiesen . Zugleich polterten mehrere Stöße gegen die Hausthüre , und barsche Stimmen , verlangten Einlaß . - » Herrgott ! schütze Deine Magd ! « stöhnte Crescenz , und löschte schnell die Lampe aus , die sie mit in die Kammer gebracht hatte . » Halte Dich ganz ruhig und still , Estherchen , « flüsterte sie derselben zu , die sich , an allen Gliedern bebend , in eine Ecke des Stübleins verkroch : » bis ich hinunterkomme und Licht mache , und dem Gesindel die Thüre öffne , fällt mir vielleicht ein Nothbehelf ein , und ich rette Dich vor der Nase dieser Spürhunde . « - Rasch , wie ein Mann im rüstigsten Alter , tappte die Alte die Treppen hinab , und begann durch das Schlüsselloch mit den Bewaffneten vor dem Hause zu unterhandeln . Diese waren jedoch keineswegs gelaunt , Scherz oder Zögerung mit sich treiben zu lassen , und drohten , Thür und Fenster in Stücken zu hauen , wofern nicht alsogleich aufgethan würde . Da sich nun Crescenz entschuldigte mit Mangel an Licht , so erboten sich die Belagerer , ihre eignen Laternen herzugeben , um das Haus zu durchsuchen . Wie sie dann nun immer heftiger wurden , und ohne Aufhören im Namen des Oberstrichters die Öffnung begehrten , auch indessen das Gesinde zusammengelaufen war , und sich wunderte über den muthwilligen Verzug der Schaffnerin , so blieb der Letztern nichts übrig , als in Gottesnamen dem rohen Söldnerhaufen Einlaß zu geben . Der Anführer der grimmigen Schaar fuhr sogleich mit Donnerstimme über die Alte her : » Den Judenbalg gib heraus , den Du in Deinem Hause versteckt hältst ! heraus ! ohne Widerstand und Ausflucht . Du bist des Todes , wenn Du nicht blitzschnell thust , was wir begehren ! « - Crescenz spielte die Überraschte , die Unwissende , aber ihr linkisches Läugnen machte die Herren noch dringender , die gar nicht übel unterrichtet zu seyn schienen . - » Lüge , daß Du erstickst ! « schrie der Führer : » Wir werden doch wissen , welch Nestlein wir hier auszuheben haben ! Spare also Deine Winkelzüge , und freue Dich auf den Pranger ,