“ “ Ich habe eine Antwort für Sie — hören Sie . Ich habe Sie beobachtet , seit wir uns zuerst sahen : ich habe Sie seit zehn Monaten studirt . Ich habe Sie während dieser Zeit auf verschiedene Proben gestellt : und was habe ich gesehen und herausgebracht ? In der Dorfschule fand ich , daß Sie gut , pünktlich und redlich eine Arbeit zu verrichten im Stande waren , die Ihren Gewohnheiten und Neigungen unangemessen schien ; ich sah , Sie konnten sie mit Fähigkeit und Takt ausüben : Sie konnten gewinnen , während Sie zügelten . Die Ruhe , als Sie erfuhren , daß Sie plötzlich reich geworden , zeigte mir einen Geist , frei von dem Laster der Habsucht — die Freude am Besitz hatte keine übermäßige Macht über Sie . In der entschlossenen Bereitwilligkeit , womit Sie Ihren Reichthum in vier Theile theilten , nur einen für sich behielten , während Sie die andern drei dem Anspruche der abstracten Gerechtigkeit auslieferten , erkannte ich eine Seele , die in der Flamme und Aufregung des Opfers schwelgte . Die Nachgiebigkeit , womit Sie auf meinen Wunsch ein Studium aufgaben , wofür Sie sich interessirten und ein anderes trieben , welches mich interessirte — die unermüdliche Beharrlichkeit , womit Sie dasselbe seitdem fortgesetzt — der unerschütterliche Muth , womit Sie allen Schwierigkeiten begegneten — zeigte mir die Fülle der Eigenschaften , die ich suche . Johanna , Sie sind gelehrig , fleißig , nicht interessirt , treu , beständig und muthig ; sehr sanft und sehr heroisch : hören Sie auf , sich selber zu mißtrauen — ich kann Ihnen ohne Rückhalt vertrauen . Als Leiterin indischer Schulen und Helferin unter indischen Weibern wird Ihr Beistand mir unschätzbar sein . “ Ein eiserner Arm umfaßte mich und die Ueberredung kam mit langsamen sicheren Schritten näher . Ich mochte meine Augen schließen , wie ich wollte , diese letzten Worte machten den Weg freier , der mir verrammelt geschienen . Meine Aufgabe , die mir so unbestimmt , so hoffnungslos und verwirrt vorkam , nahm unter seiner bildenden Hand eine bestimmte Form an . Er wartete auf eine Antwort . Ich forderte eine Viertelstunde Zeit zum Nachdenken , ehe ich wieder zu antworten wagte . “ Sehr gern , “ versetzte er , stand auf , ging eine Strecke den Engpaß hinauf , warf sich auf das Haidekraut nieder und lag dort still . Ich kann thun , was er von mir verlangt : das muß ich einsehen und anerkennen , dachte ich , das heißt , wenn ich das Leben behalte . Aber ich fühle , daß mein Dasein unter der indischen Sonne nicht von langer Dauer sein wird . — Was denn ? Daran liegt ihm Nichts : wenn meine Zeit zu sterben käme , würde er mich in aller Heiterkeit und Heiligkeit dem Gott zurückgeben , der mich geschaffen . Die Sache liegt sehr klar vor mir . Wenn ich England verlasse , verlasse ich ein geliebtes , aber leeres Land . Herr Rochester ist nicht hier : und wenn er hier wäre , was könnte es mir nützen ? Mein Geschäft ist es , jetzt ohne ihn zu leben : Nichts ist so thöricht und schwach , als sich von einem Tage zum andern fortzuschleppen , als ob ich eine unmögliche Veränderung der Umstände erwartete , die mich mit ihm vereinen könnte . Natürlich muß ich , wie Saint John einst sagte , ein anderes Interesse im Leben suchen , um das verlorene zu ersetzen : ist nicht die Beschäftigung , die er mir jetzt anbietet , in Wahrheit die herrlichste , die der Mensch nur übernehmen oder Gott anweisen kann ? Ist sie nicht vermöge ihrer edlen Sorgen und erhabenen Erfolge am Besten geeignet , die Leere auszufüllen , die durch ausgerissene Neigungen und vernichtete Hoffnungen entstanden ist ? Ich glaube , ich muß ja sagen — und doch schaudert mich . Ach ! wenn ich mich Saint John anschließe , gebe ich mein halbes Ich auf : wenn ich nach Indien gehe , gehe ich dem frühen Tode entgegen . Und wie wird der Zwischenraum zwischen der Abreise aus England und der Ankunft in Indien , zwischen der Ankunft in Indien und dem Grabe angefüllt werden ! O ! ich weiß es wohl ! auch das ist mir sehr klar . Wenn ich mich anstrenge , Saint John zufrieden zu stellen , bis meine Sehnen zerreißen , so werde ich ihn bis zu dem feinsten Mittelpunkt und dem weitesten Kreise seiner Erwartungen zufriedenstellen . Wenn ich mit ihm gehe — wenn ich das Opfer bringe , welches er fordert , so soll es vollkommen geschehen : ich will Alles auf den Altar werfen — Herz und Eingeweide , das ganze Opfer . Er wird mich nimmer lieben ; aber er wird mich billigen ; ich will ihm Kräfte zeigen , die er noch nie gesehen , Hülfsquellen . die er nie vermuthet hat . Ja , ich kann so schwer arbeiten , wie er , und dabei eben so wenig murren . Ich sollte also , wenn möglich , in seine Forderung willigen — wäre nur Eins nicht — ein schrecklicher Umstand . Er will , daß ich sein Weib werden soll und hat nicht mehr das Herz eines Gatten für mich , als jener drohende Riesenfels , von welchem der Bach sich schäumend in jene Schlucht hinunter ergießt . Er schätzt mich , wie ein Soldat eine gute Waffe schätzt , und das ist Alles . Unverheirathet mit ihm würde mich dies Alles nicht kümmern ; aber kann ich denn seine Berechnungen vollenden , kalt seine Pläne in Ausführung bringen lassen , die Hochzeitsceremonie durchmachen ? Kann ich von ihm den Brautring empfangen , alle die Förmlichkeiten der Liebe ertragen , die er ohne Zweifel gewissenhaft beobachten würde , und doch wissen , daß der Geist gänzlich abwesend ist ? Kann ich das Bewußtsein ertragen , daß jede Liebkosung , die