, der mir so verhaßt , ist , trat ein , mein Geist schlug umsonst in den unmächtig werdenden Körper hinein - da beschämten mich die Wellen , sie warfen mir plötzlich Henrys Boot entgegen , ich sprang mit meinem Ruder hinein , und überließ meinen Kahn dem Meere . Lord Henry lag blutend am Boden ; ich band mein Taschentuch um die Wunde und legte ihn so , wie es am wenigsten schmerzhaft zu sein schien . Wir lachten beide auf - um ein Nichts , um eine Kaprice vernichtet der Mensch den anderen ! » Was soll mir aber das Leben , « rief Henry , » wenn ich nicht damit schalten kann , wie es mein wechselnder Wille eben heischt ; wer für das Leben sorgt , der lebt nicht , dem ists eine Bürde ; was ich bewachen muß , das ist nicht mein , und der eingeschränkte Besitz ist nur einer für die Knechte . « Wir waren nun aber weit ins Meer hinausgetrieben , und der Abend fiel dunkel herab , ich arbeitete , daß der Schweiß in Strömen über mich stürzte , die Sterne gingen auf , Henry ward totenstill , die Wunde mußte in der kalten Nachtluft heftig schmerzen , aber er verriet es nicht mit einem Laute . Ich brach zusammen , als ich das Boot endlich aus Ufer geworfen hatte , und es blieb mir doch noch die schwere Last Henrys , den ich bis ans Schloß zu tragen hatte . Er ließ es nicht geschehen , und schleppte sich , auf meine Schulter gestützt , mit eigener Kraft . Die Strenge der Umgangssitten in diesem Lande drückte schwer : Miß Anna verging vor Angst , den leidenden Henry nicht sehen , nicht pflegen zu können . Ich verließ sein Zimmer nicht , einem Machtlosen will ich nichts streitig machen , ich sah Miß Mary mit keinem Auge ; wir sprachen viel , sehr viel , besonders über die Schwäche der Menschen . Als er soweit wiederhergestellt war , um im Zimmer umherzugehen , ging ich zum ersten Male von ihm , um in freier , rascher Bewegung Luft zu schöpfen , ich ließ ein Pferd satteln und jagte umher bis tief in den Abend hinein . Das hatte die wildeste Eifersucht von neuem in ihm erweckt : sein Gedanke war , ich könnte bei Miß Mary sein , er ergreift eine Waffe und eilt nach den Zimmern der Meerseite , wo die Mädchen wohnen , er dringt unbemerkt bis an ihre Gemächer , er hört Anna und Mary sprechen ; sie sind allein ; beruhigt schleicht er zurück in den Saal , da hört er vom andern Eingange desselben die Lady kommen . Um keinen Preis der Welt will er gesehen sein ; die Tür nach den Zimmern der Mädchen hin ist noch offen , der Verdacht , die Indiskretion , dieser ganze Sittenbruch , ein Engländer empfindet ihn wie eine Todsünde . Aber es ist kein Ausweg übrig als durch die große Fenstertür nach dem Meere , sie ist einige Ellen hoch von bergendem Holze , hinter welchem man sich niederkauern kann auf der schmalen Steinplatte , die draußen über dem Meere hängt ; die Nacht ist dunkel . Er ergreift hastig diesen Ausweg und zieht die Türe leise an sich , ohne sie ins Schloß zu werfen , denn wenn dies letztere geschieht , so ist er ausgesperrt , sie ist nur vom Saale aus zu öffnen . In dem peinlichen Momente , wo die Lady mit einem leuchtenden Diener den Saal entlang kommt , bemerkt er kaum die entsetzliche Situation , auf schmalem Raume , ohne Anhalt dicht über dem tiefen Abgrunde zu sein . Die Lady kommt bis an die Tür , schilt den Diener , daß man das oft Gebotene nicht beachte , hat die Tür nicht geschlossen sei , und drückt sie fest ins Schloß - der Rückweg ist ihm abgeschnitten . Die Lady geht in das Nebenzimmer , von neuem scheltend , daß auch dorthin die Tür offen sei ; der Diener beteuert , es sei niemand dagewesen . Das Nebenzimmer ist der Lady Schlafgemach , die Kammerfrau kommt , um die Herrin zu entkleiden , also auch die Hoffnung schwindet , ein Fenster der Tür einzubrechen und dadurch den Rückzug zu gewinnen : das Geräusch würde die Lady wecken ; mit Entsetzen wird er inne , daß auch die Kammerfrau in der Nähe schläft . Die Lady dürfte im äußersten Falle das Mißliche erfahren , niemals aber eine Dienerin . Es wird still im Schlosse , die Lichter verlöschen , aber dem reichen , stolzen Lord ergeht es hart : Wind und Regen machen sich auf vom Meere , sie überfallen ihn , der sich vor Frost kaum noch erhält . Unbeweglich muß er stehen - denn jetzt hat er sich wenigstens aufgerichtet - ein fester Anhalt ist nirgends , wie immer zieht die Gefahr wie eine Sirene , der ganze Körper will im wüsten Schwindel nach dem Abgrunde zu , er kommt aus dem Krankenzimmer und ist mit Leichtigkeit von Nachtluft , Regen und unbequemer Stellung vernichtet . - Er entschließt sich , lieber selbst hinabzuspringen : der stolze freche Lord , der sonst die dicksten Taue des Menschenverkehrs ohne weiteres zerreißt , er ist von diesem Spinnwebfaden der Ehrensitte dergestalt umrankt , daß er eher sich , als einen Schatten Anstand seiner Wirtin opfern will . Dies sind Geheimnisse spezieller Zivilisation . Ich kam spät nach Hause , und weil ich kein Licht in Henrys Zimmer sah , so meinte ich , er sei zu Bett ; es war mir willkommen , nun einmal nach mancher gestörten Nacht fest schlafen zu können , ich verriegle die Tür meines Gemachs und liege bald im tiefsten Schlummer . Henrys Reitknecht sagte mir am andern Morgen , er habe umsonst gepocht und gelärmt an meiner Türe , da er seinen Herrn vermißt und bei mir Rat gewollt habe . Ich erinnere mich