darf und nicht in Müdigkeit versinke , so wird es mir vielleicht gelingen , trotzdem verstanden zu werden . « Man war so rücksichtsvoll , den Kranken nicht zu belästigen ; es war , als ob er nicht vorhanden sei . Er hatte ganz richtig vermutet : Pfarrer Heartman erzählte als Einleitungsrede die Sage aus dem Lande Ti - ich bitte , sie nochmals durchzulesen - und gab sodann das Bild der einen Seite frei , die Darstellung des Sündenfalles , der Vertreibung des Menschengeistes und aller seiner Untertanen aus dem Paradiese . Es war still , man sagt » kirchenstill « , im ganzen , großen Raume . Niemand sprach ein Wort , kein Einziger ; aber man sah diesen buddhistischen Priestern allen an , wie tief , wie außerordentlich tief sie von der gewaltigen Predigt ergriffen wurden , die sie hier nicht hörten , sondern sahen . Und ebenso groß war die Wirkung auf die übrigen Chinesen . Einen der Untergebenen des Ho-Schang hatte die unwiderstehliche Kraft dieser Kunst derart gepackt , daß er am ganzen Körper zitterte und es aber doch nicht vermochte , die Augen von dem Bilde abzuwenden . Während ich den aus dem Paradiese stürzenden Figuren mit meinem Blicke folgte , bis sie ganz draußen in der scheinbaren Ferne im schmutzig dichten Violett verschwanden , gewahrte ich , daß sich da hinten , zwischen den Bäumen der Orangerie , Etwas bewegte . Es gab jedenfalls einen Menschen dort , der aber so hinter den Zweigen stand , daß sein Körper nicht zu sehen war . Vielleicht waren es auch zwei . Ich dachte sogleich an Dilke , wies aber diesen Gedanken gleich wieder zurück . Warum sollte es grad dieser Mensch sein und nicht , was doch im höchsten Grade wahrscheinlich war , Jemand aus der Dienerschaft ! Jetzt ging der Reverend nach der Leitung , um auch das zweite Bild von dem Vorhange zu befreien . Waller bemerkte das . Er richtete sich schnell gerader auf und begann zu sprechen . Natürlich schauten alle Anwesenden sofort zu ihm her . Die Worte kamen ihm langsam , laut und vernehmlich , doch mit hörbarer Anstrengung von den Lippen . Man bemerkte deutlich , daß er zuweilen nach dem richtigen Ausdruck suchte : » Und in demselben Lande Ti , doch unten in der Hölle , wo alle Menschen Teufel sind , konnte man noch eine andere Sage hören . Auch sie war viele tausend Jahre alt und lautete folgendermaßen : Als der Menschengeist aus dem Paradies gestoßen worden war , begann er , zu erkennen , wie töricht er gehandelt hatte . Er klagte sich an und jammerte , doch immer so , daß es kein Teufel hörte . Da trat die Shen im Traume zu ihm hin und sprach : Die Reue ist der Engel der Gestürzten ; er führt mich her zu dir . Einst kommt der Herr , mich wieder aufzuwecken und Euch ins Paradies zurückzuführen . Dann seid Ihr wieder Menschen , doch nicht schon Selige . Das Paradies der Erde ist nicht das Himmelreich des Welterlösers , doch hat das Letztere zum Ersteren zu kommen . Wann wird das sein ? Sie schwieg für einen Augenblick , erhob das Auge wie in weite Ferne und fuhr dann fort : Wenn einst die Macht der » Menschlichkeit « im Herzen aller Welt so groß , so stark geworden ist , daß ein Christenpriester einen Heidenpriester segnen darf , ohne darob selbst verflucht zu werden , dann ist die Stunde da , in der das Paradies zum Himmelreiche wird , zum Reiche Gottes hier auf dieser Erde ! So sprach die Shen . Nun nehmt den Vorhang weg ! Ihr sollt nicht nur das Paradies , nein , auch den Himmel sehen ; denn jene ferne Stunde , von welcher meine Sage sprach , ist keine andere als die jetzige ! « Welch eine Lautlosigkeit im Saale jetzt ! Nur von hinten her klang es wie ein Räuspern . Ich schaute hin . Da stand der Sejjid , hinter Pflanzen , und zwar so , als ob er von irgend Jemand nicht gesehen sein wolle . Er hatte sich aber dennoch geräuspert , um meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken . Er bemerkte , daß ich zu ihm herschaute . Da deutete er nach der Seite und hob den Finger , um mich zu bitten , aufmerksam zu sein . Natürlich wußte ich sogleich , woran ich war ; Dilke hatte sich viel eher in das Castle geschlichen , als wir vermutet hatten , und der Sejjid war ihm so heimlich gefolgt , daß weder der Eine noch der Andere von irgend Jemand gesehen worden war . Dem Ersteren kam es darauf an , seinen Oheim zu entdecken . Er kam an der offenstehenden , hintern Tür des Gemäldesaales vorüber , schaute herein und sah ihn da sitzen , sogar mit seiner Tochter , der Cousine . Da schlich er sich im Schutze der Orangerie herein , um zu erfahren , was es hier gebe . Hinter ihm war der Sejjid hereingekommen , sehr leise , von ihm unbeachtet . Sie beide waren es , die ich schon vorhin bemerkt hatte , ohne zu wissen , wer sie seien . Während ich diese Bemerkungen machte , ließ der Reverend den Vorhang sich von dem zweiten Gemälde entfernen , und Waller rief , sich an die Gruppe der Budhisten wendend , dem Oberpriester zu : » Komm her zu mir , Ho-Schang ! Ich sage dir , daß ich ein Priester bin . Heut soll das Zeichen in Erfüllung gehen , das unsere Shen dem Menschengeiste sagte : Ich will dich segnen , ich , der Christ , den Heiden ! Auf diesem Bilde hier ist nur der Weg zum Paradies zu sehen ; ich aber zeige Euch das Himmelreich , das höher steht , als alle Erdenparadiese . Ich wiederhole es : Komm her zu mir , Ho-Schang , daß ich