, und zwar wie dieser kurz vor dem Ausbruche des Unwetters in Rothenfeld eingetroffen war , hatte gleich am Morgen , noch ehe er die Arbeit in der Kirche in Augenschein genommen , die Gruppe besichtigt und die Stücke , welche man abgeschlagen , hereinbringen lassen , um zu untersuchen , ob man sie anzupassen und so die Gruppe herzustellen hoffen dürfe . Glücklicher Weise hatte Adam gleich nach geschehener That die abgeschlagenen Stücke bis auf die Splitter zusammensuchen lassen , und da Herbert sich aus Neigung viel mit plastischen Entwürfen beschäftigt hatte und obenein der Modelleur noch anwesend war , welcher die Stuckverzierungen über dem Altare angebracht , so waren , noch ehe der Freiherr gekommen , schon die nöthigen Verabredungen getroffen worden , und dieser durfte sich also der Aussicht hingeben , wenigstens diesen Schaden so gut als möglich ausgeglichen zu sehen . Das heiterte ihn auf ; er nahm selbst die Fragmente zur Hand , paßte sie an einander , ertheilte Rathschläge wegen der Politur der Stellen , an denen die Restaurationen gemacht werden mußten , trat dann in die Kirche ein , und ihr Anblick befriedigte ihn , ja er übertraf seine Erwartungen . Man hatte innen wie außen die letzten Gerüste fortgenommen , der weite , hohe Raum zeigte sich frei und schön . Die Pfeiler strebten kräftig und doch leicht in die Höhe und trugen das Dach , dessen fein gegliederte Wölbung dem Auge , ohne es zu drücken , eine wohlthätige Schranke setzte . Ueberall waren die Verhältnisse so richtig eingehalten , das gebotene Material so geschickt benutzt , daß des Freiherrn Kennerblick sich mit sichtlichem Vergnügen in dem bis auf unbedeutende Ausschmückungen nun fast vollendeten Baue erging . Schön , sehr schön ! rief er mehrmals aus ; ich muß Sie loben , Herbert ! Sie verstehen Ihr Fach ; ich bin zufrieden ! - Nun nur schnell die letzte Hand ans Werk gelegt ! Wann meinen Sie , daß wir die Kirche weihen können ? Wenn der Holzschnitzer uns den Beichtstuhl liefert , wie er versprochen hat , und die übrigen Arbeiter ihre Zeit einhalten , so denke ich Ihnen heute in drei Wochen die Schlüssel des Baues überliefern zu können , sagte Herbert nach kurzem Besinnen . Gut , gut ! rief der Freiherr abermals , und plötzlich nachdenkend , fügte er hinzu : Wir haben heute den zehnten des Monats . In drei Wochen wollen Sie fertig sein . Lassen Sie uns , den störenden Zufälligkeiten ihren Raum gewährend , die Uebergabe des Baues , der Sicherheit wegen , erst am Schlusse der vierten Woche erwarten , so sind wir dem dreizehnten des Juli nicht allzu fern und mögen , die Weihung der Kirche auf diesen Tag verlegend - welcher der Namenstag der Herzogin , der Margaretha-Tag ist - , unserem Gäste eine Ehre damit erweisen und ihr Andenken dauernd mit unserem Baue verknüpfen . Er sah sich danach noch einmal in allen Theilen der Kirche um , betrachtete den Taufstein in der Sacristei , ließ sich das Gewölbe öffnen , welches man zur Familiengruft bestimmt , stieg die Treppe zum Thurme hinauf und oben um sich schauend , sagte er , als er den auf der Birkenhöhe errichteten Freundschaftstempel ebenfalls vollendet sah : Sehr brav ! In der That , Herbert , Sie haben sich wacker daran gehalten ! Die Freude , ein großes Unternehmen so wohlgelungen seinem Ende nahe zu sehen , ließ ihn vergessen , mit welchen Opfern dies erkauft war , und gab ihm plötzlich seine freie , vornehme Sorglosigkeit zurück . Er hatte sonst nichts so sehr geliebt , als heitere Gesichter um sich zu haben und Zufriedenheit um sich her zu verbreiten . Diese alte , schöne Neigung wallte auch jetzt wieder in ihm auf . Es fiel ihm ein , daß er ein Mittel habe , Herbert , wie er es wünschte , zu vergelten , ja , daß er ein Unrecht , eine Uebereilung und , was ihm schlimmer als dies Alles dünkte , einen Verstoß gegen die Klugheit ungeschehen machen könne , wenn er sich dieses Mittels richtig zu bedienen wisse . Er ging von einer Seite des Thurmes nach der anderen , bis er abermals der Birkenhöhe gegenüber stand , und dorthin schauend , wiederholte er : Sehr gut , sehr gut ! Sie haben mich in der That durchaus befriedigt und , fügte er mit leichtem Lächeln hinzu , es wird mir lieb sein , Sie gleichfalls zufrieden zu stellen . Herbert verneigte sich und sagte ablehnend : Herr Baron , ich habe nur gethan , was meine Pflicht war , was jeder Andere an meiner Stelle auch gethan hätte ! Wie bescheiden ! scherzte der Freiherr ; aber wir sprechen mehr davon . Sie können mich heute um fünf Uhr dort drüben erwarten , wo ich Sie hoffentlich wie hier zu loben haben werde . Herbert , der nicht gewillt war , sich von dem Manne , welcher ihm so schwer zu nahe getreten , als Gunst gewähren zu lassen , was Eva ' s freier Wille ihm in wenig Monaten zugestehen konnte , bedauerte , daß er auf die Ehre verzichten müsse , den Freiherrn auf die Höhe zu begleiten , und erst jetzt schien dieser es zu bemerken , wie kühl der Baumeister seine Lobsprüche aufgenommen , wie gemessen und wortkarg er ihm geantwortet hatte . Er sah ihn mit schnellem und prüfendem Blicke an und fragte dann : Was hindert Sie , mich drüben im Tempel zu erwarten ? Ich reise noch vor Mittag ab , gnädiger Herr ! Sie gehen nach der Stadt ? Nein , Herr Baron ! Der Freiherr zauderte , dann sagte er mit schlecht verhehltem Argwohn : Sie haben doch von der Krankheit der Baronin und von ihrem Aufenthalte im Flies ' schen Hause Nachricht ? Ja , Herr Baron , und eben deßhalb habe ich meine Zimmer dem Herrn Caplan zur Verfügung gestellt , da ich , so