ein treuer Freund nicht bloß gewesen , sondern zur vollsten Befriedigung seines Selbstgefühls , als solcher auch stets von ihnen anerkannt worden : und nun sollte er diesen einzigen , letzten Ruhm , an dem er sich im Eisgange der Selbstverachtung noch aufrecht gehalten , von sich werfen , sollte auch noch den Seinen verächtlich werden , wie er der übrigen Welt verächtlich war . Aber er war dem Buß- und Besserungsplan , welchen das weltliche und geistliche Amt zusammen entwarfen , schon in seinem ersten Verhör vorausgeeilt , in welchem er erklärt hatte , er wolle seiner Mitschuldigen so wenig wie seiner selbst verschonen , und hatte damals schon auf die Gefangenen in Stein , unter welchen seine zweite Christine war , hingewiesen . Nur fand er bald , daß die Ausführung eines Entschlusses nicht so leicht ist wie der Entschluß selbst , und in den nächsten Verhören begann er zugunsten seiner beiden Weiber zu lügen , so sehr , daß er in der Erzählung von der Zusammenkunft im Walde bei Wäschenbeuren eine Katharina statt der schwarzen Christine nannte . Er hatte beide mit der ganzen Kraft seines Herzens geliebt . Wenn er sie aber liebte , so mußte er ihnen ja die gleiche bittersüße Arznei reichen , der er seine Genesung zu verdanken bekannte . Er entschloß sich dazu , und daß dieser Entschluß der äußersten Selbstüberwindung aus redlicher Überzeugung floß , das haben ihm nicht bloß seine weltlichen Richter und geistlichen Tröster bezeugt , das bezeugt ihm nicht bloß sein Geschichtschreiber , welcher versichert , daß er mit der unabänderlich gleichen Gesinnung auf der Lippe gestorben sei , sondern die menschliche Natur selbst bezeugt es ihm , welche weiß , daß ein Mensch wie dieser nicht mit einer Lüge aus dem Leben gehen kann . Die Folge seiner Geständnisse war , daß beide Christinen an den Sitz des Gerichts geholt wurden , die eine aus ihrer Gefangenschaft , die andere aus der Dunkelheit ihres Dienstes , in welchem sie sich , wie ihr Geschichtschreiber sagt , ordentlich aufgeführt hatte . Die schwarze Christine , die ihn durch und durch kannte und sich ohne Zweifel sagte , daß sie verloren sei , wenn es der Oberamtmann verstanden habe , ihn an seiner schwachen Seite zu fassen , leugnete hartnäckig , schalt über Ungerechtigkeit und drohte - aber der Oberamtmann hatte sein gezähmtes Wild bei der Hand und wußte es zum Fang des ungezähmten zu gebrauchen . Er hatte seinen Gefangenen hinter einer spanischen Wand verborgen und ließ ihn , da sie einen Sonnenwirtle jemals gesehen zu haben leugnete , plötzlich auf ein gegebenes Zeichen hervortreten . » Seine ganze Seele « , erzählt der Geschichtschreiber , » ward bei ihrem Anblick bewegt , er zerfloß in Tränen der Liebe und des Schmerzes . Auch sie war bei seinem unerwarteten Anblick erschüttert , doch faßte sie sich plötzlich wieder und nahm die gleichgültigste Miene , wie gegen einen unbekannten oder kaum einmal gesehenen Menschen an . Schwan ließ sich nicht abschrecken . Er näherte sich ihr mit den zärtlichsten Liebkosungen , die um so rührender waren , da sie sich zum erstenmal in einer so traurigen Lage und unter noch traurigeren Aussichten wiedersahen . Aber sie verschmähte mit Unwillen seine Zärtlichkeit und beschwerte sich über die Vertraulichkeiten eines Unbekannten , da er noch überdies allem Anschein nach ein großer Bösewicht sei und sie selbst in diesen Verdacht bringen wolle . Noch ließ er nicht nach . Er erklärte ihr , daß das Leugnen ihrer Verbrechen nun zu spät sei , daß er längst alles gestanden und daß sie selbst auch durch viele Umstände sich schon verraten habe . Er versicherte sie , daß nun das Ende ihrer Freveltaten gewiß gekommen , daß er aber seinen gegenwärtigen Zustand , wo er in Ketten und Banden schmachte und keine weitere Aussicht als den Tod habe , dennoch für viel glücklicher halte als jenen , da er in der höchsten Freiheit Gottes und der Menschen gespottet . Nichts rührte das boshafte und verhärtete Weib ; sie antwortete ihm nur mit Unwillen und Verachtung . Nun konnte sich Schwan nimmer halten . Seine beiden großen Leidenschaften , Zorn und Rachsucht , brachen plötzlich hervor , er tobte , raste , fluchte und wünschte nichts mehr als die Verruchte mit eigener Hand ermorden zu können . Doch auf diesen Ausbruch erfolgte sogleich wieder Ergießung sanfter Liebe und Zärtlichkeit ; er bat , flehte , weinte ; aber auch seiner Bitten und seiner Tränen spottete sie , bis er aufs neue in Wut ausbrach und so wechselweise jetzt der Wut , jetzt der Zärtlichkeit sich überließ . « So erzählt der Sohn des Oberamtmanns , der jenen Vorgängen nahestand . Der spätere Sammler der Vaihinger Überlieferungen fügt aus unbekannter Quelle hinzu , die württembergische Behörde habe es für zweckdienlich gefunden , ihr den neunwöchigen Säugling wegzunehmen , den sie im badischen Gefängnisse geboren und gestillt , worüber sie in eine solche Raserei geraten sei , daß sie sich das Gesicht zerfleischt , das Holz des Fußbodens mit den Nägeln aufgerissen und tage- und nächtelang mit gräßlichem Geheul nach ihrem Kinde verlangt habe , bis ihre Stimme in einem heisern Stöhnen untergegangen sei ; hierauf sei sie in eine bedenkliche Krankheit verfallen , von der sie sich erst nach fünf Wochen wieder erholt habe . Freilich hatte ihr Mitschuldiger seinem Richter vorausgesagt , daß er einen schweren Stand mit ihrem verstockten Herzen haben werde , da sie oft erklärt habe , daß sie sich lieber auf den Tod foltern , als zum Spektakel der Welt durch den Henker hinrichten lassen wolle . Auch ließ er sie durch die Wächter bitten , zu gestehen und nicht sich und ihm nutzlos die Leiden der Gefangenschaft zu verlängern . Sie ließ sich endlich zum Geständnis der leichteren Fälle herbei , die sie ihrer Jugend und der Verführung ihres Mannes zuschrieb ; aber als sie zu gestehen begann , war sie bereits längst überwiesen , und die Waagschale ihrer Verbrechen