Feinde gegenüber standen und noch die Dame und den armen Kranken zu schützen hatten . Der Augenblicke der Ueberlegung waren nur wenige gewährt , aber jetzt bei hellem Tageslicht übersah der Ablerblick des jungen Soldaten die Gefahr und erkannte rasch den einzigen Ausweg , der Hoffnung ließ . Gerade über dem Hause , nahe am Eingange des Gehöfts , lag ein halb offenes Schuppengebäude , in dem auch der Schlitten der Reisenden untergebracht war . Konnte man dieses erreichen , so vermochte man wenigstens , sich mit größerer Sicherheit weiter zu vertheidigen . Der Plan war bald gemacht , wenige Worte genügten zur Verständigung . Der Offizier und das junge Mädchen erklärten mit Festigkeit , daß sie den armen Soldaten den Flammen nicht zur Beute lassen wollten . So wurde dieser denn aufgerichtet und die junge zarte Gräfin schlang selbst seinen Arm um ihren Nacken und stützte ihn , daß er auf dem gesunden Fuß und einem improvisirten Stock sich langsam fortbewegen konnte . Zur Linken des Paars trat der alte Graf , mit dem Säbel des Soldaten bewaffnet , zur Rechten der Dame der Offizier , - sein ernster , entschlossener Blick sagte , daß nur der Tod die Bahn zu ihr öffnen werde . Der Jäger Bogislaw stand an der Thür , die Hand am schirmenden Holzriegel , die Büchse des Grafen zur Seite , das Messer , das die Kehle des Wolfes durchschnitten , im Gürtel . Ein donnerndes Krachen beschleunigte ihren Entschluß , - hinter ihnen brach bereits ein Theil des Daches zusammen und die Trümmer begruben die Leiche des jungen Räubers . Wilder Jubel der Männer und Weiber erscholl draußen , sie glaubten die Reisenden verloren - - Bogislaw riß den Riegel hinweg , die Thür flog auf , über die Schwelle sprangen der alte und der junge Soldat , von gleicher Energie beseelt , - hinter ihnen d ' rein schwankte das Mädchen mit dem Kranken und der Jäger mit hochgeschwungener Büchse deckte ihnen den Rücken . Das offene Gebäude , das sie zu ihrer Zuflucht ersehen , war kaum vierzig Schritt von dem brennenden Hause entfernt , - dennoch aber war der kurze Weg ein wilder Kampf für das Leben . Einen Augenblick lang blieben die Räuber bestürzt über den kühnen Streich , dann , auf Slenko ' s , des Wirthes , gellenden Ruf stürzten sie von allen Seiten herbei und machten einen wüthenden Angriff auf die kleine Schaar . Der Wirth selbst sprang auf den Offizier los und führte einen furchtbaren Schlag mit der Axt nach ihm , der den Säbel , mit dem dieser parirte , mitten durchbrach , während ein Anderer sich zwischen den Offfzier und seine Schutzbefohlene stürzte und diese von ihrem Begleiter riß , der vergebens einen Schlag mit dem Stock nach ihm führte und zu Boden geworfen wurde . Der Mann , den seine Genossen Boris genannt hatten und der an der linken Schulter verwundet war , hatte bereits mit einem Gefährten den Grafen angegriffen und Bogislaw , der Jäger , wehrte sich tapfer mit dem Kolben gegen die beiden letzten Feinde . Von allen Dreien vertheidigte sich der Graf mit dem besten Glück , denn ein scharfer Hieb seiner alten einst kampfgewohnten Faust hatte im ersten Augenblick schon den rechten Arm seines zweiten Bedrängers gelähmt und seine scharfen Hiebe und Stöße hielten den riesigen Räuber Boris in Entfernung . » Zum Teufel , « rief der Graf , » das Gesicht kenn ' ich ! - Will ein Pole seinen Obersten morden , unter dem er bei Grochow und Ostrolenka gekämpft hat ? « » Niech cie djabli wezma5 « fluchte der Bandit , einen kräftigen Streich führend . » Ich habe Dich längst erkannt , aber Verderben über Euch Edelleute , die Ihr uns zu unserm Unglück verlockt habt ! Nieder mit Dir , alter Rebell ! « Er unterlief den Greis und umschlang ihn , Beide rangen wüthend gegen einander , der Eine geschwächt durch die Zahl seiner Jahre , der Andere durch die Wunde . Weiter hin schlug sich noch immer Bogislaw mit den beiden Männern . Der Offizier , als seine Waffe zersplitterte , hatte sie von sich geworfen und sich auf seinen Angreifer gestürzt und ihn umfaßt . Auch dieser ließ das Beil fallen und rang mit ihm . Ein Todesschrei hielt die fliehende Gräfin auf - sie sah , wie das Beil des jungen Räubers , welcher sie von dem Soldaten gerissen , den Kopf des Gefallenen spaltete , und sank , die Augen vor dem grauenhaften Anblick mit den Händen verhüllend , in die Knie . Im nächsten Augenblick war der blutige Mensch an ihrer Seite und schwang die noch triefende Axt . Ein Blick zur Seite hatte dem jungen Offizier die Gefahr gezeigt , in der die Dame schwebte . Mit einer wüthenden Anspannung jeder Muskelfaser schleuderte er in gewaltiger Kraft den starken Wirth von sich und war mit einem Sprunge , gleich dem Tiger , der sein Junges vertheidigt , in der Gräfin Nähe . Seine Linke fing den Stiel der Mordaxt auf und hielt sie fest im gewaltigen Griff , indeß die Rechte in die im Kampf aufgerissene Uniform faßte und mit Gewalt einen Gegenstand losriß , der darunter um den Hals geschlungen zu hängen schien . Im nächsten Augenblick flog eine kleine stählerne Scheide auf den Schnee und eine kaum handlange blaugraue Klinge tauchte sich im kräftigen Stoß bis an die haltende Faust in das Herzblut des Räubers , daß dieser lang den Boden maaß . Wie ein Sturmwind hatte der junge Mann die Gräfin erfaßt und sie halb schleifend zu dem Schuppen getragen , vor dessen Eingang er jetzt wie ein Cherub mit seiner kurzen unzureichenden Waffe stand . Es war der zweite Sohn des Wirths gewesen , den sein Dolchmesser von gewundener alterthümlicher Form zu Tode getroffen ; - heulend , wie der grimmige Wolf seiner Wälder , stürzte der Vater auf ihn zu , rücksichtslos gegen das eigene Leben . »