mußte . Die untern Fenster waren mit eisernen Gittern geschützt . Die obern waren hoch und mit Stukkaturen geziert .. An dem Thorweg hing eine große blankgeputzte messingne Klingel und auf dem daneben befindlichen Messingschilde las er ganz einfach die kräftig eingravirten Züge des unmelodischen häßlichen Namens : » Schlurck « . Ihm klang dieser Name wie Musik und wie der Name Melanie selbst , der ganz das Selige und Wonnige seiner Stimmung ausdrückte ... An den Fenstern des zweiten Stocks entdeckte er Licht . Vor wenigen Stunden erst konnte die Reisegesellschaft , die er nicht mehr hatte einholen können und auch nicht mögen , angekommen sein .. Daß ihm Melanie nicht zürnte , über nichts zürnen konnte , bewies sein erobertes Bild . Die Art freilich , wie sie es ihm gegeben hatte oder hatte geben lassen oder wie sie es ihn hatte finden lassen , war und blieb räthselhaft genug .. Er grübelte aber nicht darüber nach . Morgen , dachte er , klärt sich das Alles auf . Ich werde sie sehen und wenn sie zürnt , bedeck ' ich ihre schönen Hände mit meinen Küssen und flehe um ihre Vergebung ... Von Empfindungen so süßer Art war er durchschauert , als er mitten auf der Straße stand und zu den Fenstern hinaufsah . Er mußte den prächtigen Kutschen ausweichen , die an ihm vorüberrollten , und doch hätte er gern gelauscht , ob die Schatten , die ihm an den Vorhängen vorüberzuhuschen schienen , wol von Melanie kämen ? Sie verschwanden zu rasch ! .. Vielleicht löscht sie das Licht aus , dachte er , um sich auf ' s Lager zu werfen - und an mich zu denken ? setzte er wonnetrunken hinzu . Wie er noch so stand , bald hier einem Wagen , dort einem Fußgänger auswich , entdeckte er über der Hausthür einen aus Sandstein gehauenen Schild mit einem Wappen , das ihn wahrhaft überraschen mußte . Er traute seinen Augen nicht , als er dasselbe Kreuz , das auf dem Schrein aus Angerode stand , auch auf diesem Schilde wiederfand , mit denselben vier Rundungen an den Enden , wie auf jenem Deckel ... Wie , dachte er , ist das vielleicht eins jener alten Häuser , die entweder selbst noch aus jenen Zeiten herstammen , oder auf dem Grund und Boden gebaut wurden , der dem protestantisch gewordenen geistlichen Ritterorden gehörte , und ist es wol gar eins von denen , auf die ich nun selbst glaube Ansprüche machen zu können ? Fast ein leiser Schreck , ein dunkel ahnender leiser Schauer überlief ihn , wenn er dachte , daß Schlurck vielleicht dochwol zu dem Schrein , den er verloren , in einem andern Verhältnisse stehen konnte , als dem eines .. » ehrlichen Finders « .. Doch dachte er dieser trüben Vorstellung nicht weiter nach , sondern entfernte sich von dem Hause , das ihm nun erst recht bedeutungsvoll erschien , in dem guten Glauben , am folgenden Tage aller seiner Zweifel und Sorgen los und ledig zu werden . Seine Schritte wandten sich jetzt beschleunigter jener Gegend zu , wo die Wohnungen der Vornehmen an stolzen einsamen Plätzen lagen . Hier war es menschenleer und still . Dann und wann eine Schildwache , die ihm der unruhigen Zeiten und noch oft sich wiederholenden Tumulte wegen ein Werda ? zurief ... Die Laternen warfen ihre Lichter über kleine mit Rasen besetzte Beete . Springbrunnen plätscherten da und dort und bewässerten das Gras , das sonst in diesen freien Räumen , immer schattenlos der Sonne ausgesetzt , bald würde verdorrt gewesen sein . Hier lag auch das Palais des Fürsten von Hohenberg , einsam , still , dunkel , wie in Trauer gehüllt . Hier hätte er nun anhalten , klingeln , die Stille aufwecken , fragen mögen .. aber kein Licht im ganzen Gebäude .. Alles wie ausgestorben .. Wie er sein in ein Tuch gehülltes Bild an sich drückte und die Geschichte desselben mit dem großen , stolzen , stummen Palaste da vor sich verglich , kam er sich erst fast überfeierlich , dann aber doch plötzlich wie ein Thor , ja kindisch vor , schlug sich an die Stirn und rief : Bist du wahnsinnig ? Was ist mit dir ? War das Alles in Hohenberg nicht ein Traum , in dem dich tolle Geister geneckt haben ? Diese Abendstille , - dieser ruhig blinkende Sternenhorizont - fern die rollenden Wagen - die plätschernden kleinen Quellen - es war ihm , als sollt ' er das Bild nehmen und es wie einen zwecklosen Ballast in den Kanal werfen , der einige Schritte weiter sich durch dieses einsame Viertel zog . Dann weckte ihn aber von dieser verzagten Stimmung ein Wagen , der langsam um die Ecke des Palais von der Gegend herbog , wo dies mit einer hohen Gartenmauer begrenzt war .. Der Wagen stand eine Weile still .. fuhr dann langsam an ihm vorüber und hielt vor den Ketten , welche das Palais von der Straße absperrten . Sollte hier Jemand noch so spät am Abend aussteigen wollen ? Sollte es Egon sein ? Dankmar trat näher . Aus dem niedrigen Wagen blickte ein weiblicher Kopf , der zu den Fenstern hinauf sah ... Vorn saß neben dem Kutscher der Bediente , der keine Miene machte herabzuspringen und den Schlag zu öffnen . Dankmar sah nur , daß die Dame einen Strohhut mit dunklem Schleier trug . Er näherte sich . Die Dame zog sich zurück ... Wie er auf dem Trottoir an dem Wagen vorüberging , sah er , wie sie sich in die Ecke ihres Coupé ' s drückte und den Schleier übergeworfen hatte . Er ging vorüber und wandte sich doch , als der Wagen immer noch still stand . Du störst hier ein Stelldichein ? dachte er endlich und wollte nun gehen . Die Dame aber , die sich beobachtet fühlte , gab ohne Zweifel ihren Leuten rasch ein Zeichen und im