auch das Geheimnis bei mir « , sagte Karl Buttervogel . Der alte Baron rief entrüstet : » Also aus Liebe zu mir will Er mir nichts sagen , aber für Geld würde Er Seinen Herrn verraten ! « » Ja « , rief der Bediente , » für Geld kann man alles kriegen , denn die Zeiten sind teuer und ohne Nebenverdienst geht es einmal nicht in der Welt , und weil es in der Freundschaft bliebe , so wäre es auch kein Verrat , und die Liebe zu Ihnen ist zu groß , und Sie könnten es mir gewissermaßen befehlen von wegen der kindlichen Ehrfurcht , die ich gegen Sie haben tun muß , und warum fängt mein Herr solche Sachen an und ich würde es auch nicht für ein paar Groschen tun , denn das wäre schimpflich , aber fünf Taler machen einen Unterschied , und das Hemde ist mir näher als der Rock , und Bestechung ist nur ein Vorurteil , aber ohne Geld und Gaben bin ich meinem Herrn so treu wie Gold , und keine Menschenmacht soll mich von meiner Schuldigkeit abwendig machen , und das können Sie mir auch gar nicht verdenken , denn Sie würden sich auch so einen ehrlichen Kerl zum Bedienten wünschen , der alles mit sich in die Sterbegrube nähme , wenn Sie sich chemisch schmieren müßten , weil nämlich - « » Schweige Er ! « rief der alte Baron , welcher befürchtete , daß Karl Buttervogel sich in ein neues Meer von Gründen stürzen würde . Verdrießlich riß er Blätter von den Stauden , zwischen denen er saß , und zerpflückte sie . Karl Buttervogel entfernte sich gleichfalls verstimmt über die unverletzte Treue , die er seinen Grundsätzen gemäß dem Herrn bewahrt hatte , von dem Vogelherde . Fünftes Kapitel Wofür Semilasso von dem Ehinger Spitzenkrämer angesehen wird . - Der alte Baron rennt nach einem Bürgermeister und a public character im braunen Oberrock tritt auf , dessen Erscheinung die wenigsten Leser vermuten mögen Das türkische Fahrzeug war langsam bis an den Fuß des Schloßberges oder -hügels gediehen , konnte jedoch dort nicht weiter auf der holprichten Straße vordringen . Semilasso sah sich daher genötigt , abzusteigen und zu Fuß bergan zu gehen . Der Ehinger Spitzenkrämer holte ihn ein und gab sich mit ihm in ein vertrauliches Gespräch , weil er ihn wegen der fremdartigen Kleidung , worin der berühmte Reisende sich zeigte , für seinesgleichen oder vielmehr für etwas noch Geringeres , als er selbst war , hielt , nämlich für einen Kunstreiter oder für den Inhaber einer Tierbude . Denn zwischen diesen beiden Vermutungen schwankte der Ehinger in seinen Gedanken . Semilasso hielt es bei seinem freien Weltblicke nicht unter sich , mit den verschiedenartigsten Leuten ohne Zwang zu verkehren . Er gab daher der Ansprache des Ehingers leichte und natürliche Erwiderung , redete mit ihm über die Spitzenklöppeleien in dem Distrikte , woher der Ehinger gebürtig war und die er auf seinen Reisen besucht hatte . Den Standesunterschied bewahrte er nur insofern , daß er nicht auf der Seite des Weges gehen mochte , den die Füße des Spitzenkrämers traten . Vielmehr wollte er gern die ganze Breite der Straße zwischen sich und dem Ehinger sehen . Kam daher dieser zu ihm hinüber , so kreuzte Semilasso die Straße nach der anderen Seite zu . Da aber der Ehinger die geheime Absicht dieser ausweichenden Bewegungen nicht kannte und am liebsten dicht neben seinen Reisebegleitern gehen mochte , so folgte er dem vornehmen Türken überallhin und beide waren daher die Schloßstraße hinauf in einer beständigen Zickzack- und Schlängelwanderung begriffen . Oben stand Semilasso still und wischte sich mit einem Taschentuche von feinem Batist den Schweiß von der Stirn . Der Ehinger zog eine Branntweinflasche aus dem Ränzel , nahm einen derben Schluck und bot seinem Genossen , dessen Eigenschaften ihm so unbekannt waren , die Flasche gleichfalls dar . Semilasso wies aber mit einem Zuge des innigsten Widerwillens in dem feinen blassen Gesichte den Schnaps zurück und schien überhaupt nachgerade den Ehinger lästig zu finden . Seine Neigung zu dem Manne stieg nicht , als dieser mit der Frage sich an ihn wandte : » Sagt mir , Landsmann , wo Ihr Eure Bude stehen habt ? « und als er durch verwunderungsvolle Erkundigung von ihm herausbrachte , wofür er angesehen wurde . » Voilà ce qui est bien drôle ! « sagte er mit einer süßsäuerlichen Mischung im Tone der Stimme und suchte dem Ehinger zu entkommen , der ihn aber mit wiederholentlichen Fragen nach der Bude bis vor die Türe des Schlosses verfolgte . Denn er hatte viel Geld gelöst und wollte sich nun auch in der Tier- oder Bereiterbude ein Vergnügen machen . An der Schloßtüre nahm jedoch die Verrammelung derselben die Aufmerksamkeit beider Wanderer statt alles anderen in Anspruch . Sie riefen , sie pochten , sie rüttelten , aber im Innern des vereinsamten Schlosses antwortete niemand , niemand kam von innen an die Türe , sondern es schnarchte da drinnen nur taub und gefühllos weiter . Zuletzt mußten sie sich wie die übrigen an der Türe Gewesenen auch von der Notwendigkeit des Wartens überzeugen . Zufällig hatten sie einander von dem Zwecke ihrer Wanderung nichts mitgeteilt , sie gingen auch jetzt ohne nähere Erklärung nach verschiedenen Seiten ab . Semilasso schlug , da der Ehinger mit ihm wieder die Schloßstraße hinunterwandern wollte , einen Nebenweg in das Gebüsch ein , um nur von diesem Plebejer sich loszumachen . Er brauchte dabei einen wahrscheinlichen Vorwand ; die Geschichte hat ihn aber vergessen oder Scheu getragen , ihn aufzuzeichnen . Der Ehinger stellte sich dagegen unten am Fuße des Hügels zu dem türkischen Fahrzeuge und suchte sich die Zeit , so gut es gehen wollte , mit den Affen und Papageien zu vertreiben . Auch mit dem jungen Neger sprach er . Dieser redete gebrochen Deutsch und antwortete auf die Frage , wo sein Herr die Bude stehen habe ? nachdem