gerichtlich hatte vorladen lassen , wegen der Gläubiger , die er ihr als Nachlaß vermacht hatte , er war nicht erschienen , sie war von ihm gerichtlich geschieden , der Hof war verkauft und sie hatte ihr weniges Eingebrachte bei sich , um nach Dünkelspiel zu ihrem Bruder , dem Schleifer zu gehen . Nachdem Anton vernommen , daß sie geschieden , da schalt er heftig , was sie sich noch für eheliche Erziehungsrechte gegen ihren Mann anmaße , oder ob sie ihn etwa dadurch bewegen wolle , sich ihr wieder anzutrauen . Frau Grete verschwor sich hoch und teuer , das Schlagen sei nur eine alte Angewohnheit , sie hätte in der ersten Hitze vergessen , daß der nicht mehr ihr Mann sei , Gott sei ihr Zeuge , daß sie ihn nimmermehr wieder verlange . Ein evangelischer Geistlicher aus Pforzheim , der sich auch in der Gesellschaft befand , die Anton begleitete , ein stiller Mann , der bloß um zu heiraten die neue Lehre angenommen hatte , sprach sehr erbaulich zu ihr aus den Worten der Bibel : » Besser heiraten als Brunst leiden . « Er geriet darüber in so augenscheinliche Begeisterung , daß der alte Rautenstrauch heute an der funfzigjährigen Jubelfeier seines Einsiedlerlebens zugleich den neuen Glauben und Grete zur Frau annehmen wollte . Konrad saß ganz bestürzt unter einem Bilde des heiligen Hubertus , von welchem die Geweihe und das Kreuz ihm über den Kopf sahen , Anton sah mitleidig zu ihm , er wußte nicht , was er unter den Umständen raten solle , zwar war er der neuen Lehre nicht mehr wie sonst abgeneigt , aber sie war doch nicht die seine ; dem verruchten Leben des Einsiedlers machte sie freilich ein Ende und das mußte er loben . Der Geistliche , wie es denn überhaupt damals während der Bauernkriege in ganz Schwaben etwas ungleich zuging , examinierte den Einsiedler in größter Kürze über die Hauptlehren des neuen Glaubens und nahm ihn mit einem Handschlage darin auf , Frau Grete sprach dem Einsiedler alles nach und so wurden mit ihr auch weiter keine Umstände gemacht . Jetzt hatten sich allmählich alle versammelt , der Einsiedler stellte sich in die Mitte der kleinen Kapelle und beichtete seinen ganzen sträflichen Lebenslauf ; der sei ihm , von dem vorigen Einsiedler in aller Frömmigkeit auferzogen , so in den funfzig Jahren , die er nach dessen Tode die Einsiedelei verwaltet , zu einer unschuldigen Angewohnheit geworden , mit Rührung sähe er die große Ähnlichkeit und Anhänglichkeit aller Kinder zu ihm , doch habe er keine lieber gehabt , wie Konrads Kinder , die er auch künftig ganz als die seinen anerkennen wolle , er schloß mit einem Fluche , wer da meine , daß er nicht die Wahrheit gesprochen . Alle waren verwundert über seine Rede , nur Niklas konnte sich nicht enthalten , über sein Schicksal zu weinen , das ihn aus der Gewalt eines Teufels in die Gewalt eines viel ärgern übergeben habe ; » seht da meine verhexte Frau « , rief er , » es ist das Weib , Gretens Schwester , die sich hinter dem Beichtstuhle verbirgt , wie kann ich hier meinem Seelenheile leben ? « Die Frau Niklassen kam ganz schmeichelnd hervor und gab zuckersüße Worte , sie sagte ihrem Manne , daß sie mit ihm weiter nichts zu schaffen haben wollte , denn wenn der Rautenstrauch sich vereheliche mit ihrer Schwester , so könne er es auch mit ihr tun . Der evangelische Geistliche entsetzte sich über diese Schlangenbrut und verweigerte seinerseits alle Einsegnung diesem höllischen Bunde , der Einsiedler verlachte ihn und sprach in großer Freude die Trauungsworte über sich und seine beiden Weiber , keiner mochte ihnen Glück wünschen , als aber ein kleiner gelber hinkender Hirte in rotem Mantel erschien , man wußte nicht , zu welcher Türe er eingegangen , und auf seinem Dudelsack ein sehr schrecklich Gerumpel begann , da zogen sich alle aus dieser Teufelsgrube von Einsiedelei zurück . Da kam der Einsiedler mit beiden Frauen auf den geräumigen Platz vor der Kapelle , der Rotmantel spielte in der Kapelle so schnell , so schnell , und sie tanzten so wild , so wild , daß ihnen die Kleider stückweise vom Leibe fielen , dabei fluchten sie auf alle , die den Ehrentanz nicht mit ihnen machen wollten , aber jedermann hütete sich wohl bei dieser teuflischen Musik . Lange sahen ihnen die Reisenden zu , was das werden solle , sie hatten sich schon drei Schuhe tief in die Erde getanzt , waren ganz nackt und zermagert , ein schändlicher Anblick , sie mochten es nicht mehr sehen , wendeten sich weg gegen den Wiesenplan , der im Mondschein schimmerte und wo ein Fest begangen wurde von lauter zarten Gestalten , die schwebten auf Schmetterlingsflügeln , in ewigem Wechsel vor einem Kinde , das da im Grünen ruhete , bald näherten sie den Mund es zu küssen , bald wiegten sie es in den Händen , als ob es schlafend fliege , bald hoben sie es , als regierte es ein ritterlich Roß , bald machte sich eine ganz klein , wie das Kind , kreuzte die Hände auf der Brust , indem sie ein Veilchen im Munde ihm bot ; es gab kein seligeres Kind , keiner mochte es stören , keiner kannte es , bis am Morgen der Wilhelm , Katharinens Schäfer und seine Eltern gelaufen kamen , als aber die Gestalten in Tau zerrannen und das Kind nach ihnen schrie , es mit tausend Tränen begrüßten weil sie es von einem Wolfe fortgetragen glaubten . Das Kind erzählte , wie es so neugierig gewesen , ob im Walde keine Pflaumen wüchsen , und da wäre es hierher gerannt , wo es von lauter schönen Fräulein geliebkost und eingeschläfert sei . Diese zierlichen Bilder , diese rührenden Ereignisse hatten allen die Teufelsgrube fast aus dem Gedächtnisse verschlagen , als sie die Musik wieder leise vernahmen , sie blickten