vergingen sie Freude-zitternd dem Auge , und ihr Dasein wurde nur eine unsichtbare Melodie , und es sangen sich die Töne : Ich bin bei dir und bin bei Gott - Und andere sangen : Die Sonne war Gott ! Da schimmerte das goldne Gefilde von unzähligen Freudentränen , die unter der unsichtbaren Umarmung niedergefallen waren ; die Ewigkeit wurde still , und die Lüfte ruhten , und nur das fortwehende Rosenlicht der aufgelösten Sonne bewegte sanft die nassen Blumen . Ich war allein , blickte umher , und das einsame Herz sehnte sich sterbend nach einem Sterben . Da zog an der Milchstraße die weiße Welt mit dem Schleier langsam herauf - wie ein sanfter Mond schimmerte sie noch ein wenig , dann ließ sie sich vom Himmel nieder auf das heilige Land und zerrann am Boden hin ; nur der hohe Schleier blieb - Dann zog sich der Schleier in den Äther zurück , und eine erhabene , göttliche Jungfrau , groß wie die andern Göttinnen , stand auf der Erde und im Himmel ; aller Rosenglanz der wehenden Sonne sammelte sich an ihr , und sie brannte , in Abendrot gekleidet . Alle unsichtbaren Stimmen redeten sie an und fragten : Wer ist der Vater der Menschen und ihre Mutter und ihr Bruder und ihre Schwester und ihr Geliebter und ihre Geliebte und ihr Freund ? Die Jungfrau hob fest das blaue Auge auf und sagte : Gott ists ! - Und darauf blickte sie mich aus dem hohen Glanze zärtlich an und sagte : Du kennst mich nicht , Albano , denn du lebst noch . - Unbekannte Jungfrau , ( sagt ' ich ) ich schaue mit den Schmerzen einer Liebe ohne Maß in dein erhabenes Angesicht , ich habe dich gewiß gekannt - nenne deinen Namen . - Wenn ich ihn nenne , so erwachst du , sagte sie . Nenn ihn , rief ich . - Sie antwortete , und ich erwachte . « 100 . Zykel » Du kannst doch eine Nacht wachen und fahren ? « - mit dieser Frage führte ihn der Vater eilig an den reisefertigen Wagen , um ihn noch mitten im warmen Traume mit den eingewiegten Erinnerungen zu entführen und um besonders der bleichen Braut vorzufahren , die in dieser Nacht auf demselben Weg in die letzte Erbschaft des Menschen ziehen sollte . » Im Wagen sollst du alles hören « , versetzte Gaspard auf des Sohnes sanfte Frage nach dem Ziel . Noch lichttrunken vom glänzenden Lande der Träume , gehorchte Albano willig und blind . Er sah noch Lianen in hoher Göttergestalt auf dem abendroten , von Freuden übertaueten Sonnenboden stehen , und sein Auge voll Glanz reichte nicht herunter in den Erden-Keller auf die abgeworfne enge Puppenhülse der befreieten , fliegenden Psyche . Schoppe begleitete ihn an den Fackel-Wagen , aber verschwiegen , um nicht sein Herz durch eine Nachricht seines Zieles zu wecken ; er drückte dem geliebten schönen Jüngling feurig die wiederdrückende Hand und sagte nichts als : » Wir sehen uns wieder , Bruder ! « Darauf trat er , keines abschiednehmenden Blickes vom herrischen Vater gewürdigt , bewegt von seinem warm nachgrüßenden Freunde zurück ; und fliegend rollte der Wagen mit zurückwehenden Fackeln in die helle , hohe Sternennacht hinaus . Neu und ernst breitete sich vor dem Genesenen die dämmernde Schöpfung aus . Der Saturn ging eben auf , und der Gott der Zeit reihte sich als ein sanfter blitzender Juwel in den schimmernden Zaubergürtel des Himmels . Mit zugebundnen Augen wurde der unwissende Jüngling von der Senne seiner Jugend herabgeführt und aus dem Hirtentale seiner ersten Liebe hinweg und den großen , ewigen Sternbildern der Kunst entgegen und in das göttliche Land , wo der dunkle Äther des Himmels golden und die hohen Ruinen der Erde anmutig und die Nächte Tage sind . Kein Auge schauete auf die Blumenbühler Höhe hinüber , von der eben jetzt ein schwarzes Wagengefolge langsam mit aufrecht-brennenden Trauerfackeln wie ein ziehendes Schattenreich herunterging , um das stille gute Herz , worin Albano und Gott gelebt , mit seinen toten Wunden an den sanften Ort der Ruhe zu führen . Flammend rollte der Fackel-Wagen die Bergstraße nach Italien hinan . Tränenlos und weit ruhte Albanos Auge am schimmernden , unaufhörlich gehenden Schöpfrad der Zeit , das ewig Sternbilder in Morgen einschöpfte und in Westen ausgoß ; und seine kindliche Hand faßte leise die väterliche . Ende des dritten Bandes Vierter Band Sechsundzwanzigste Jobelperiode Die Reise - die Quelle - Rom - das Forum 101 . Zykel Solange die Nacht dauerte , schimmerten Albanos Traumbilder mit den Sternbildern fort , und erst vor dem hellen Morgen erloschen sie alle . Gaspard sagte ihm lächelnd , er sei auf dem Wege nach Italien . Unerwartet gefasset empfing er die Nachricht seiner Auswanderung ; er fragte bloß , wo sein Schoppe sei . Als er hörte , er habe nicht mitgewollt : rückte ihm die Lindenstadt plötzlich über die Berge und Täler nach , und sein letzter Freund stand mitten auf dem Markte , ganz allein , mit sich selber im Mokierspiele begriffen , um ein treues starkes Herz zu stillen , das verschmerzen will und lieben . An diesem Freunde , den Albano nicht aus seiner Seele ließ , zog er sich wie an einer Jupiters-Kette die ganze Bühne und Welt seiner Vergangenheit nach , und jeder traurige Ort kam dicht an ihn . Ungesehen rollten die Städte , die Länder vor ihm vorbei . Die Wellen , die der Schmerz um uns auftreibt , stehen hoch zwischen uns und der Welt und machen unser Schiff einsam mitten im Hafen voll Schiffe . Schaudernd kehrt ' er sich von jeder schönen Jungfrau weg ; sie erinnerte ihn wie eine Klage an die erblaßte ; ewig aufgedeckt zog Lianens bleiches Angesicht wie eine Leiche in Italien170 - auf dem unendlichen Weg zum Grabe , und nur unkenntliche Gestalten mit Larven gingen hinter ihr lebendig . So ist