gegen den Liebhaber zu einer in den Augen der Götter selbst höchst verdienstlichen Sache zu machen . Der auf Phädrus folgende Pausanias scheint durch Unterscheidung eines zwiefachen Amors etwas Vernünftigeres auf die Bahn bringen zu wollen als sein Vorgänger ; aber seine Rede dreht sich größtentheils um schwankende Begriffe . Auch ihm ist die Päderastie so sehr die einzig rechtmäßige Art von Liebe , daß er es seinem gemeinen Amor ( Eros Pandemos ) sogar zum Vorwurf macht , daß die Verehrer desselben Weiber nicht weniger als Männer liebten ; und wenn er gleich - zu Hebung des anscheinenden Widerspruchs zwischen dem Gesetz und Herkommen , welche bei den Athenern den Knabenliebhaber auf alle Weise begünstigen , und der Sitte , die es dem Geliebten zur Schande macht dem Liebhaber zu willfahren - mit gutem Fug behauptet , die Liebe sey an sich weder gut und ehrsam , noch bös ' und schändlich , sondern werde jenes bloß durch eine edle , dieses durch eine schändliche Art zu lieben : so verderbt er doch alles wieder , indem er will , daß die geliebten Jünglinge zwar nur tugendhaften Liebhabern willfahren sollen , aber ihnen dafür dieses Willfahren zu einer ordentlichen Pflicht macht , und also einen an sich selbst verwerflichen Mißbrauch zu veredeln , und sogar zu einer Belohnung der Tugend oder des Verdienstes zu machen sucht . Die hierauf folgende Rede , worin der Arzt Eryximachus die Theorie des Pausanias von dem zwiefachen Eros mit vieler Spitzfindigkeit generalisirt , und überall , sowohl in der Natur als in den Künsten , sogar in der Arzneikunst , den Kampf und Sieg des himmlischen Amors oder der Liebe der Muse Urania über den gemeinen , oder die Liebe der Muse Polymnia , zur wirkenden Ursache alles Schönen und Guten macht , diese ganze Rede ist von Anfang bis zu Ende ein gezwungenes Witzspiel mit doppelsinnigen Worten und Metaphern , wodurch nichts weder klar gemacht noch bewiesen wird . Man sieht nicht , womit die arme Muse Polymnia ( die er eigenmächtig mit der Aphrodite Pandemos verwechselt ) es verschuldet hat , daß er sie ich weiß nicht ob zur Mutter oder zur Buhlin seines Allerweltamors herabwürdigt ; und wiewohl der redselige Arzt eine Menge bunter Luftblasen zu Lob und Ehren seines Uranischen Eros platzen läßt , so trägt doch auch er kein Bedenken , die Lehre seines Vormanns von der schuldigen Willfährigkeit des Geliebten gegen einen artigen und wohlgesitteten Liebhaber zu einer moralischen Maxime zu erheben ; ja die geliebten Jünglinge haben , seiner Meinung nach , ihrer Pflicht schon genug gethan , wenn sie nur die Absicht hegen , die Liebhaber durch ihre Gefälligkeit tugendhafter zu machen . An dem possierlich läppischen und nicht sehr züchtigen Mährchen von den ursprünglichen Doppelmenschen einerlei und beiderlei Geschlechts , und ihrem Uebermuth gegen die Götter , und dem glücklichen Einfall Jupiters sie in der Mitte von einander zu spalten , mit der Bedrohung , wenn sie noch nicht gut thun wollten , sie noch einmal zu spalten , so daß sie alle nur auf Einem Beine herum hinken müßten u.s.w. , an dieser Posse , sage ich , ist schwerlich etwas anders zu rühmen , als daß sie ( nebst der daraus abgeleiteten witzelnden Erklärung der verschiedenen Phänomene der Liebe , in der niedrigsten Bedeutung dieses Wortes ) mit vieler Schicklichkeit dem Aristophanes in den Mund gelegt wird ; wiewohl wir nicht die mindeste Ursache haben , dem Plato die Ehre der Erfindung abzusprechen . Jedes ernsthafte Wort , das ich über diesen symposischen Spaß verlieren wollte , wäre zu viel ; als Spaß mag er indessen bei einem Trinkgelag und unter lauter Männern von Athen , d.i. ( nach der Behauptung des Aristophanischen Adikos Logos 133 ) unter lauter Euryprokten134 , an seinen Ort gestellt bleiben . Bei dem prosaischen Lobgesang , welchen der Dichter und Gastmahlgeber Agathon nunmehr dem Liebesgott zu Ehren anstimmt , kann Plato schwerlich eine andere Absicht gehabt haben , als den Sophisten Gorgias durch eine bis zur Carricatur ( wiewohl von der feinern Art ) getriebene Nachahmung seiner Manier lächerlich zu machen ; und daß er diese Absicht wirklich hatte , läßt das ironische Lob , welches Sokrates der so zierlich gedrechselten und prächtig herausgeputzten Puppe ertheilt , nicht bezweifeln . Dieser , nachdem er seine Bedingungen mit den übrigen Symposiasten gemacht hat , nimmt nun das Wort , und verwandelt den ganzen , mit so schwärmerischem Beifall aufgenommenen Agathonischen Päan auf einmal in Rauch und Dampf , indem er ihm beweist , daß an allen den Tugenden , die er seinem Eros , als dem schönsten , gerechtesten , tapfersten , weisesten und besten aller Götter , nachgerühmt habe , kein wahres Wort sey . Denn Eros sey weder schön , noch gut , noch tapfer , noch weise , noch ein Gott , sondern ein bloßer Dämon , den seine Mutter Penia ( eine von Plato erschaffene Göttin der Dürftigkeit ) im Drang des Bedürfnisses von dem nektartrunknen Gott der Betriebsamkeit Poros im Göttergarten aufgelesen ; der , vermöge dieser Abstammung , alle guten und schlimmen Eigenschaften seiner Erzeuger in sich vereinige , und an welchem noch das Beste sey , daß er , von einem unwiderstehlichen Trieb zum Schönen und Guten hingerissen , weder Rast noch Ruhe habe , bis er sich mit demselben vereinige , und dadurch hinwieder der Erzeuger von schönen und guten Kindern , nämlich edeln Gesinnungen , Thaten und Bestrebungen , werde . Plato scheint sehr gut gefühlt zu haben , daß es sich nicht wohl geziemt hätte , einen Mann wie Sokrates diese schönen Dinge , zu deren Kenntniß ein Sterblicher mit bloßer Hülfe seiner fünf Sinne und seiner Vernunft nicht gelangen kann , in seiner eigenen Person vorbringen zu lassen . Er machte also , mit eben dem feinen Sinn für das Schickliche , womit er die komische Hypothese von den Doppelmenschen dem Aristophanes beilegt , den Sokrates zum bloßen Erzähler einiger zwischen ihm und einer gewissen Seherin