Ceylons Hain , Kreuzt Schwert mit Schwert sich hoch im Dämmerschein . Die Morgensonne lebenswarm umloht Des Helden Schläfe , aber der ist todt . Gleich denen , die der Zauberbann umflicht Von Ischmonie , so starr und leblos schauen Die Mörder , wie aus Marmor zugehauen . Zu streuen scheint der Fackel rothes Licht Auch Wundenmale auf ihr Angesicht . Wer war es , der mit schnöder Hand zerriß Dem Sieger hier von Heliopolis Den Lebensfaden ? Dieser Botschaft harrte Schon lange in Paris Herr Bonaparte . Das nennt sich Kampf ums Dasein ! Wenn der Dolch Den Helden traf , zum Drachen wächst der Molch . Caesar Borgia ermordet seinen Bruder . Des Mondes Strahl sich mischt dem ersten Morgenglimmern . In seinem Silberlicht wie eisgepanzert flimmern Die Felsen . Sickernd rauscht hier durch den Felsentrichter Das Wasser , wirbelnd sich im Kreis , ein Selbstvernichter . Doch wie gereinigt und geklärt vom Felsensieb , In welchem Schaum und Tang unlauter hängen blieb , Die Fluth dann klar und rein zum Tiber niederlief . Sie zimmert sich ein Bett im Passe hohl und tief . Hier würde jedes Boot , wo so vernichtungstoll Der Schaum in wildem Satz zum Abgrund niederschwoll , Wie vom Gebiß und Schlund des Nilpferds jäh zermalmt . Dort zog im Mondenschein , vom Wasserstaub umqualmt , Ein Reiter , schwarz vermummt , sein Haupt gesenkt , verdeckt . Und vorn am Sattel hing ein Mantel , drin versteckt Ein Etwas , das er schnell nun in den Strudel warf , Auflesend Steine noch am Strand und zielend scharf Nach jener Bürde , die noch manchmal aus dem Fluß Auftauchte - - jetzt der Leib wohl meerwärts rollen muß . Doch glaubet nicht , daß ich die Borgias verdamme ! In den Retorten , wo ihr Höllengift gebraut , Hat sichtbarlich geglüht der Weltenseele Flamme . Wer Darwins Lehre je mit festem Blick durchschaut , Der ehrt im Geier , der herabstößt auf die Beute , In dem unschuldigen Reh wie in der rohen Meute Denselben Kampfinstinkt rastloser Lebenstriebe . Gleichwerth sind durchaus dem Menschen Haß und Liebe . Zwischen zwei Polen liegt die wahre Weltbetrachtung : Willensverneinung und entschlossene Weltverachtung , Leben in der Idee , - oder die ungezähmte Willensentfesselung , die brünstig nie beschämte Weltlustanbetung . Ach , den Durst sie nimmer stillt , Wie nur mit wüstem Rausch Salzwassertrunk erfüllt Die dürstenden Matrosen , beim Sturm im Boot verschlagen , Bis cannibalisch sie sich hungernd selbst benagen . » Nein , das geht nun und nimmer an ! « brach Feichseler los . » Ist denn das noch Poesie ? Das ist gereimte Prosa . Wer das drucken lassen kann , ist kein Lyriker und auch kein Vollblutdichter . Das ist ein Mensch , der rastlos mit dem Verstande arbeitet ! « Unter allgemeinem Beifallsgemurmel ließ sich da wiederum Krastiniks Stimme vernehmen : » Ich bin andrer Ansicht , Herr Doktor . Mir ist diese gereimte Prosa lieber , als ganze Fuder Gelbveigelein-Lyrik . Auch glaube ich gar nicht , daß Leonhart ein Lyriker sein will . Solche historische Hieroglyphen wie diese kritzelt er so nebenbei tagebuchartig aufs Papier , wie ein Andrer seine Einnahmen und Ausgaben bucht . Er will damit gar nicht künstlerisch wirken , sondern schleudert nur so wie die Natur überflüssige Schlacken von sich ab , wie die Lawine aufs Schneefeld stürzt , um im Abgrund zu verdonnern . « » Er blendet Sie , mein lieber Herr Graf , « trumpfte Wurmb mit sauersüßer Miene ab . Der naseweise Lämmerschreyer aber meinte gewichtig : » Ein Sänger der Freiheit und der Noth des vierten Standes wie Anno Buchsbaum steht mir viel höher . « » Ach , dieser Brave ! « lachte Krastinik auf . » Dieser undankbare Streber ! Da hab ' ich nun zufällig bei Leonhart allerlei Dinge Schwarz auf Weiß gesehn . Schreibt dieser Mensch ein vernichtendes Schmähgedicht auf den Ghaselendichter X. und richtet nachher an diesen einflußreichen Würdegreis einen demüthigen Abbittebrief , worin er in ergreifenden Worten um Entschuldigung bat und schmerzlich beklagte , daß Herr Leonhart sich erfrecht habe , das Gedicht später bei einem Ausfall auf X. zu citiren , um seiner eigenen Gehässigkeit eine Würde dadurch zu geben ! ! Diese bodenlose Unverschämtheit , verbunden mit Feigheit und Perfidie , richtet sich selbst und möchte ich überhaupt meine Hände über diese jugendliche Clique in Unschuld waschen . « » Zu welcher Clique doch Leonhart selbst gehört , « fiel Feichseler ein . » Ach , Holbach , haben Sie endlich eingesehn , was eigentlich an diesen Kerls daran ist , sammt Ihrem Freund Leonhart ? « » Leider ja ! Ich überzeuge mich mehr und mehr ! « gestand Holbach mit einem tiefgefühlten Seufzer . Die Adern auf Krastiniks breiter Stirn schwollen bedenklich . » Wovon überzeugen Sie sich ? « fragte er scharf . » Wenn Sie sich einen Duz- und Busenfreund Leonharts nennen und denselben , wie Sie mir schon mehrmals sagten , so oft gegen seine Feinde vertheidigen , so sollten Sie doch am besten wissen , daß Leonhart jede nähere Gemeinschaft mit dieser Rotte ablehnt . « » Hm , Sie gehn denn doch etwas stark für meinen Freund Federigo ins Zeug . Er ist ja ein bedeutender Mensch - hm ! « Er machte eine Pause in der Hoffnung , daß Jemand widerspreche , um dann eiligst gehörige Einschränkungen zuzufügen . Es meldete sich aber Niemand . » Allein , er hat doch auch viel von einem Streber . « » Möglich . Ein Genie ohne eine gewisse Streberhaftigkeit ( ich erinnere an Richard Wagner ) ist ebenso undenkbar , wie ein großer Mann der That ohne Opportunismus und despotische Gesinnung . Dieser Naturtrieb wird zu einer Tugend . Denn das Genie fühlt instinktiv , daß es sich ja nicht zu dem , was es werden soll , entwickeln könne ohne äußeren Erfolg . Und seine Entwickelung scheint ihm identisch mit der Entwickelung