teilte , ungeschwächt bei ihr durch heimliche Liebe , hatte sich zwar eifrig erboten , ihren Weg zu Cethegus zu finden . Aber Mataswintha wollte das Mädchen nicht den Gefahren einer Wanderung durch Italien , mitten durch den Krieg , aussetzen . Und schon gewöhnte sie sich an den Gedanken , ihre Rache bis zu dem Zug auf Rom zu verschieben , ohne inzwischen in ihrem Eifer in Erforschung der gotischen Pläne und Rüstungen zu erkalten . So wandelte sie eines Tages nach der Stadt zurück von dem Kriegsrat , der draußen im Lager , im Zelt des Königs , war gehalten worden . Denn seit die Rüstungen ihrer Vollendung nah und die Goten jeden Tag des Aufbruchs gewärtig waren , hatte Witichis , wohl auch um Mataswintha aus dem Wege zu sein , seine Gemächer im Palatium verlassen und seine schlichte Wohnung mitten unter seinen Kriegern aufgeschlagen . Langsam , das Vernommene ihrem Gedächtnis einprägend und über die Verwertung nachsinnend , wandelte die Königin , nur von Aspa begleitet , durch die äußersten Reihen der Zelte , einen sumpfigen Arm des Padus zur Linken , die weißen Zelte zur Rechten . Sie mied das Gedränge und den Lärm der innern Gassen des Lagers . Während sie bedächtig und ihrer Umgebung nicht achtend dahinschritt , musterten Aspas scharfe Augen die Gruppe von Goten und Italiern , die sich hier um den Tisch eines Gauklers geschart hatte , der unerhörte und nie gesehene Künste zum besten zu geben schien , nach dem Staunen und Lachen der Zuschauer zu schließen . Aspa zögerte etwas in ihrem Gang , diese Wunder mit anzusehen . Es war ein junger , schlanker Bursch : nach der blendend weißen Haut des Gesichts und der bloßen Arme wie nach dem langen gelben Haar gallischen Zuschnitts ein Kelte , wozu die kohlschwarzen Augen nicht stimmen wollten . Er verrichtete wirklich Wunderdinge auf seiner einfachen Bühne . Bald sprang er in die Höhe , überschlug sich in der Luft und kam doch senkrecht , bald wieder auf die Füße , bald auf die Hände , zu stehen . Dann schien er brennende Kohlen mit sichtlichem Behagen zu verspeisen und dafür Münzen auszuspeien : dann verschluckte er einen fußlangen Dolch und zog ihn später wieder aus seinen Haaren hervor , um ihn mit drei , vier andern scharfgeschliffenen Messern in die Luft zu werfen und eins nach dem andern mit nie fehlender Behendigkeit am Griff aufzufangen , wofür ihn Gelächter und Rufe der Bewunderung von Seiten seiner Zuschauer belohnten . Aber schon zu lange hatte sich die Sklavin verweilt . Sie sah nach der Herrin und bemerkte , daß ihr Weg gesperrt war von einer Schar italischer Lastträger und Troßknechte , welche die Gotenkönigin offenbar nicht kannten und gerade an ihr vorbei , über den Weg hin , nach dem Wasser zu , lärmende Kurzweil trieben . Sie schienen sich einen Gegenstand , den Aspa nicht wahrnahm , zu zeigen und ihn mit Steinen zu werfen . Eben wollte sie ihrer Herrin nacheilen , als der Gaukler neben ihr auf dem Tisch einen gellenden Schrei ausstieß ; Aspa wandte sich erschrocken und sah den Gallier in ungeheurem Satz über die Köpfe der Zuschauer weg wie einen Pfeil durch die Luft auf die Italier losschießen . Schon stand er mitten in dem Haufen und schien , sich bückend , einen Augenblick unter ihnen verschwunden . Aber plötzlich ward er sichtbar . Denn einer und gleich darauf ein zweiter der Italier stürzte von seinen Faustschlägen nieder . Im Augenblick war Aspa an der Königin Seite , die sich schnell aus der Nähe der Schlägerei entfernt hatte , aber , zu der Sklavin Befremden , stehen blieb , mit dem Finger auf die Gruppe weisend . Und seltsam in der Tat war das Schauspiel . Mit unglaublicher Kraft und noch größerer Gewandtheit wußte der Gaukler das Dutzend der Angreifer sich vom Leibe zu halten . Die Gegner anspringend , sich wendend und duckend , weichend , dann wieder plötzlich vorspringend und den nächsten am Fuß niederreißend oder mit kräftigem Faustschlag vor Brust oder Gesicht niederstreckend , wehrte er sich . Und das alles ohne Waffe : und nur mit der rechten Hand : denn die linke hielt er , wie etwas bergend und schützend , dicht an die Brust . So währte der ungleiche Kampf minutenlang . Der Gaukler ward näher und näher von der wütenden , lärmenden Menge dem Wasser zugedrängt . Da blitzte eine Klinge . Einer der Troßknechte , zornig über einen schweren Schlag , zuckte ein Messer und sprang den Gaukler von hinten an . Mit einem Schrei stürzte dieser zusammen : die Feinde über ihn her . » Auf ! reißt sie auseinander ! helft dem Armen , « rief Mataswintha den Kriegern zu , die jetzt von dem verlassenen Tisch der Goten herankamen , » ich befehle es ! die Königin ! « Die Goten eilten nach dem Knäuel der Streitenden : aber noch ehe sie herankamen , sprang der Gaukler , der sich für einen Moment von allen Feinden losgemacht , hoch aus dem Gewirr und eilte mit letzter Kraft davon , gerade auf die beiden Frauen zu - verfolgt von den Italiern , welche die wenigen Goten nicht aufzuhalten vermochten . Welch ein Anblick ! Seine gallische Tunika hing ihm in Fetzen vom Leibe : ein Stück seiner gelben Haare schleifte am Rücken , und siehe , unter der gelben Perücke kam schwarzes glänzendes Haar zum Vorschein und der weiße Hals verlief in eine bronzebraune Brust . Mit letzter Kraft erreichte er die Frauen . Da erkannte er Mataswintha . » Schütze mich , rette mich , weiße Göttin ! « schrie er und brach zusammen vor Mataswinthas Füßen . Schon waren die Italier heran , und der vorderste schwang sein Messer . - Aber Mataswintha breitete ihren blauen Mantel über den Gefallenen : » Zurück ! « sprach sie mit Hoheit , » laßt ab von ihm . Er steht im Schutz der Gotenkönigin