Pfarre zurückkehren lassen , denn allerdings , der Amtmann wußte , was es heißt , die Schwelle eines heimathlichen Hauses zu betreten , das man bald für immer meiden soll . Man ließ den Knecht , welcher den Pastor gefahren , zu Fuße gehen , man rückte zusammen , und Alle fuhren sie , so spät es war , mit dem Pastor : der Amtmann , die Eva und der Architekt . Die Pfarrerin hatte , die Minuten zählend , am Fenster gestanden , seit ihr Mann durch die Botschaft des Freiherrn abgerufen worden war . Sie wußte nicht , was sie denken sollte , als der Wagen voll Gäste vor ihrer Thüre hielt ; sie konnte nicht fassen , was geschehen war , als man es ihr meldete . Sie weinte , sie klagte , sie schalt den Sohn , sie tadelte ihren Gatten , daß sie sich nicht fügsamer gezeigt , und nannte doch gleich darauf den abwesenden Sohn ihres Lebens Stolz und Freude , und dankte Gott , daß er ihrem Manne Kraft verliehen , als sein Streiter auszuharren bis zum Ende . Der Pfarrer setzte sich nieder , seine Gedanken zu sammeln . Er wollte dem Sohne schreiben , seine Meldung an das Consistorium machen , aber ihm fehlte noch die Ruhe für solch ein Thun , und Adam hielt ihn auch davon zurück . Warten Sie , Herr Pfarrer , warten Sie bis morgen , bat er . Es war ein Anderes zwischen dem Freiherrn und zwischen mir ; ich stand für mich allein , Sie stehen für Ihr Amt ; ich konnte gehen , Sie müssen zu bleiben trachten , oder wollen Sie sich freiwillig einen Nachfolger hieher setzen lassen , der sich dem Willen der Herrschaft besser fügt , der Herrendienst dem Gottesdienst voranstellt ? Die Pfarrerin trat schnell auf Adam ' s Seite . Sie hoffte , der Freiherr werde in sich gehen , die gütige Baronin werde wiederkehren und vermitteln ; sie meinte , Gotthard könne , auch ohne seinem Gewissen etwas zu vergeben , sich einlenkend an den Freiherrn wenden . Sie wollte von dem Amtmanne , von Herbert , von Eva und von ihrem Manne Zuspruch haben ; aber sie hatten sich alle über den Freiherrn zu beschweren , und wie vermochte man ihm beizukommen , was hatte man noch weiter mit ihm zu befahren ? Man konnte zu keinem befriedigenden Abschlusse gelangen , und es war schon spät , als man sich trennte . Das Gewitter war vorüber , die Wolken hatten sich zertheilt , der Mond stand hell am Himmel und goß sein volles Licht über die blühenden und duftenden Lindenbäume vor des Pfarrers Thüre , von denen unter dem leisen Windhauche die Regentropfen niederfielen . Die Nachtigall , welche in den Büschen rechts vom Hause nistete , lockte und flötete in langen Tönen durch die stille Nacht , man sah die Falter langsam schweben , die Mondesstrahlen glänzten und zitterten in dem leicht bewegten Teiche , von dem der Nebel silbern in die Höhe stieg . Der Pfarrer und seine Frau begleiteten ihre Gäste vor das Haus hinaus . Nach dem Unwetter und neben ihrer Aufregung wirkte die friedensvolle Schönheit der Natur doppelt stark auf sie . Der Greis sah mit stillem Blicke um sich her . Dann nahm er sein Käppchen von dem weißen Haar , und seiner Frau Hand in seine gefalteten Hände schließend , sprach er , an die Dichtung seines Vorbildes Paul Gerhard denkend , fromm und gläubig , während es feucht in seinen Augen schimmerte : Der Sonne , Mond und Winden Weist ihre eig ' ne Bahn , Der wird auch Wege finden , Da mein Fuß wandeln kann ! Eilftes Capitel Wie es herumgekommen , das wäre nicht leicht zu sagen gewesen , aber am folgenden Morgen um die Frühstückszeit wußten sie es in allen drei Dörfern , was geschehen war , und wer es etwa noch nicht erfahren hatte , der konnte doch an den finstern und sorgenvollen Mienen der Leute sehen , daß sich etwas Schlimmes ereignet hatte und Schlimmes zu befürchten war . Es hatte den Freiherrn nicht schlafen lassen in der Nacht , und wider seine Gewohnheit war er früh am Morgen nicht zur Herzogin gegangen , sondern hatte sich gleich an die Geschäfte gemacht . Der Justitiarius war lange bei ihm gewesen und dann in das Amt gegangen . Er wollte dem Adam erzählen , daß der Freiherr selbst der Gerichtsverhandlung beizuwohnen denke , was er sonst nie gethan , und daß er die Sitzung schon auf morgen anberaumt habe . Sie schüttelten beide die Köpfe dazu , aber sie sprachen wenig ; es ging ihnen zu nahe . Während dessen war der Freiherr nach Rothenfeld gefahren , um jetzt , bei ruhigem Wetter , den dort angerichteten Schaden in Augenschein zu nehmen . Er wollte die Statue hergestellt haben , ehe die Berka ' s kämen , und wünschte diesen Besuch auch nicht allzu weit hinausgeschoben zu sehen , eben weil er ihm lästig war . Es drängte sich so Vieles zusammen , was geordnet und abgethan werden mußte , und wie er sich auch vorsetzte , sich davon nicht beunruhigen zu lassen , gab es ihm doch etwas Hastiges , das seinen Leuten auffiel und das mit seiner schönen , würdigen Gestalt gar nicht zusammenstimmte . Als er in Rothenfeld vor der Kirche seinen Wagen verließ , sah er Herbert mit dessen jungem Gehülfen aus dem Portale derselben heraustreten . Dieses zufällige Zusammentreffen war grade , wie er es sich wünschte , und leicht den Hut lüftend , während die beiden ihm entgegen kamen , sagte er : Sehen Sie diesen Vandalismus ! Ich erwarte in Nächstem die Baronin zurück , habe auf den Besuch ihrer Familie zu rechnen und mag der Heimkehrenden und den Gästen den Anblick dieser wüsten Zerstörung nicht bereiten . Wie ist da Rath zu schaffen ? Herbert , welcher wie der Freiherr auch erst am vorigen Tage