überlegen ? da standet Ihr auf einmal vor mir , ja ich sah Euch leibhaftig und es rief ordentlich : du hast ja die Wundel , die alte treue Seele ! - Die Wundel , die immer offen und brav gegen dich war und die du schon als Kind gekannt . - Wißt Ihr noch , wie wir damals zusammen getanzt ? - Ach Gott ! wenn ich an die Zeit denke , so wird es mir ganz traurig zu Muth . - Und darauf kamen wir so weit auseinander , Ihr heirathetet den seligen Wundel und ich meinen seligen Becker , und Ihr wißt wohl , daß die Beiden sich nie leiden konnten . - Du lieber Gott ! ich will es euch nur gestehen , der Wundel machte mir einmal ein wenig die Cour und da wurde der gute Becker eifersüchtig . - Nun , so sind einmal die Mannsbilder ! Aber es waren Beide ein paar brave Narren , und Gott weiß , wie es mich immer noch betrübt , daß sie dahin sind . « Auch Madame Wundel schien dies nachträglich noch sehr zu betrüben , denn als sie sah , daß die Becker sich ihre Wangen wischte , bemühte auch sie sich unter Beihilfe des starken Punsches ein paar Thränen ihren trockenen Augen zu entpressen . » Also an Euch dachte ich , « fuhr die Andere fort , nachdem sich die Rührung gelegt , » und sagte zu mir : noch heute gehst du dahin und fragst bei der rechtschaffenen Wundel an , ob sie auch noch was von der früheren Freundschaft gegen dich im Busen fühlt . « » Gewiß , Beckere , « entgegnete die Wundel mit einem unverkennbaren Schluchzen . » Wirklich , Wundel , nun das freut mich . « » Ich habe so oft an Euch gedacht . « » Und ich erst ! « » In alter Freundschaft . « Dabei erhoben die Weiber ihre frisch aufgefüllten Gläser , stießen auf ein gegenseitiges Wohl an und tranken darauf den warmen Punsch mit solcher Standhaftigkeit , daß ihre Köpfe ganz roth davon wurden . » Ja , ja , « sagte die Becker nach einigem Stillschweigen , » es kommen mir oft Sachen vor , bei denen ich den Rath einer verständigen und gescheidten Frau brauchen könnte . « » So laßt mich zum Beispiel hören , « sprach Madame Wundel mit vieler Bescheidenheit . » Ich habe da gerade eine Sache im Kopfe , die Euch aber nicht interessiren kann , da Ihr die Personen nicht kennt ; aber die Verhältnisse könnte ich Euch mittheilen . « » So laßt hören . « » Da ist ein gewisser Staiger , - ich glaube so eine Art von Literat . - Aber was macht Ihr für ein sonderbares Gesicht ? « » Ah ! den kenne ich ja ! « » Den kennt Ihr ? « rief Madame Becker mit einem erkünstelten , aber gut gemachten Erstaunen . - » Ihr kennt den Staiger ? - Nun , dann hat die Sache doppeltes Interesse für Euch . - Na , seht , das freut mich ! « » Er wohnt ja mir gerade gegenüber auf demselben Boden . « » Das trifft sich prächtig ! - Ist die Möglichkeit ! - Da kennt Ihr auch wohl seine Tochter ? « » Die Tänzerin ? - Puh ! « » Wie so puh ? « » Ein Fratz , ein hochmüthiger Aff ! « » Was der Tausend ! - Das müßt Ihr mir später näher erzählen . - Hat sie Liebschaften ? « » Bis vor Kurzem gar nichts dergleichen . « » Und jetzt - ? « fragte die Becker besorgt . » Seit einiger Zeit , « erwiderte Madame Wundel , » zeigt sich hie und da so was im Haus , ein junger Mensch , recht gut aussehend , - er hat freilich mit dem Alten Geschäfte , aber uns macht man nichts weiß ; wir kennen das . « » Ja , wir kennen das , « sagte die Andere nachdenkend . - » Und wer ist der junge Mensch ? « » Seinen Namen weiß ich nicht , aber auf alle Fälle was Reiches oder Vornehmes . « » Wohl ein Offizier ? « » Das glaube ich nicht ; nein , nein ! auf alle Fälle Civilist . Oft fährt er in einer Droschke an . « » Und das Mädel ? « » Ich weiß nicht , wie weit sie was mit ihm hat . Wißt Ihr , ich komme mit den Leuten selten in Berührung ; die Clara kommt wohl zuweilen herüber - « » So , sie kommt zuweilen ? « fragte die Becker aufmerksam . » Freilich ; aber ich spreche natürlicherweise nie mit ihr etwas dergleichen , bekümmere mich auch um die ganze Wirthschaft nicht , meine Emilie aber - für die Mädchen ist so was interessant - hat ein paarmal scharf aufgepaßt und sie an der Treppe gesehen , wie sie Abschied nahmen . « » Nun ? « » Und dabei bemerkt , daß etwas im Spiele ist . « » Und ging das Abschiednehmen recht innig vor sich ? « » Das nun gerade nicht ; ein einziges Mal habe er sie auf die Stirne geküßt , und da habe sie sich losgerissen und sei hastig in ' s Zimmer zurückgeeilt . Gewöhnlich blieb es beim Küssen der Hände . « » Ei , sie sind noch am Händeküssen , « sagte bedenklich Madame Becker . » Das ist mir nicht lieb , da hält sie ihn gewaltig in Respekt und hat tiefe Absichten . « » Ja , die hat freilich Absichten . - Wie ich Euch schon sagte , ein hochmüthiger Fratz . Ich glaube , wenn der ein Prinz die Cour machte , so bildete sie sich ein , er würde sie heirathen . « » Das thun die meisten , «