Streichen nachzuhelfen und auszubessern , wie ein guter Handwerksmeister , und man sah ihn dann dergestalt hantieren , daß er mit jedem Schlage einen Mann niederschlug und dazu hauchte wie ein Holzhacker . Ein Bergschütz aus seinem Stammland Tirol , mit Armbrust , Köcher , Panzerhemd und Schwert , trug seinen Wappenschild . Ihm folgte ein hoher gewaltiger Ritter , Herzog Erich von Braunschweig ; seinen Stahlhelm zierte die Herzogskrone , aus welcher ein schillernder Busch von Pfauenfedern emporschwankte , und über diesem schwebte hoch ein goldener Stern . Voraus ging ein Edelknabe mit einer böhmischen Fahne , auf welcher geschrieben stand Regensburg 1504 . Die wilde Böhmenschlacht , in welcher er dem Kaiser das Leben gerettet , trat hiemit vor das geistige Auge . Schwer an Erinnerung und Bedeutsamkeit folgte Franz von Sickingen , in Eisen gehüllt , mit seinem langen , gerechten und freiheitliebenden Schwert , seinem langen Arm . Ein Edelknabe trug die Fahne der Picardie voran mit der Inschrift : Bouillon 1518 . Zwei geharnischte Reiterknechte gingen hinter ihm mit Waffen und Schild , der seinen Wahlspruch glänzen ließ : Gottes Freund , aller Welt Feind . Er selbst aber sah wohl aus wie der , welcher in der Not eines blutigen wilden Belagerungstodes im Harnischkasten begraben wurde . Wilhelm von Roggendorf und Graf Niklas Salm , jener von maurischen Siegeszeichen und der Inschrift : Berg Spadan 1522 , dieser mit türkischen und der Inschrift : Wien 1529 begleitet , gaben das Bild einer schönen Heldenfreundschaft . Denn der eine , welcher als Jüngling in die Waffenlehre des andern gegeben ward , wurde in seltsam leidenschaftlicher Umkehrung des Weltlaufes der jugendliche Schwiegervater des Heldengreises , der seine Tochter liebte und auch vor ihm in heißer Türkenschlacht in seinen Armen starb . Beide aber ruhen in derselben Gruft . Dem Grafen Andreas von Sonnenburg ward die französische Fahne mit der Inschrift : Guinegaste 1479 vorgetragen . Ein Bergschütz aus seiner tirolischen Grafschaft , in Panzerhemd und Jägerhut , mit breitem Gürtel , langem Bogen und Köcher folgte und trug den Schild mit dem alten schwäbischen Wappen , zu Ehren seines Ahnherrn , der dem letzten Hohenstaufen im Tode beistand . Dem Fürsten Rudolf von Anhalt ging eine Fahne mit der Inschrift : Stuhlweißenburg 1490 voran , und seine Knappen trugen Lanze und Schild mit den Worten : Anhalt das treue Blut . Und endlich trug dem in blauer Rüstung und schwarzem Helmbusch schreitenden Marx Sittich von Hohenems ein Edelknabe die venezianische Fahne mit der Inschrift : Verona 1516 voran . Jetzt erschienen die gelehrten Räte des Kaisers ; allein gleich der erste derselben , der berühmte Willibald Pirckheimer war wieder ein Stück Krieg , und nicht nur Schriftsteller , Altertumskenner und Beschützer aller Gelehrten und Künstler , sondern auch zuweilen Feldherr ; der edle und treue Freund Dürers führte eine Kriegsschar seiner Vaterstadt Nürnberg , ein zweiter Xenophon , gegen die Schweizer im Schwabenkriege ; und der gelehrte Mann mußte sich freilich mit noch bewährteren Kriegsfürsten trösten , wenn er in dieser schlimmen Gegend nicht die Lorbeeren holte wie auf den ruhigen Gefilden der Wissenschaft . Melchior Pfinzing , Verfasser des Teuerdank , und Marx Treitzsauerwein , der Geheimschreiber des Kaisers und Ordner des Weißkuniges , erschienen als die Zeugen der sinnreichen und fabelweisen Gemütsrichtung des römischen Königs . Ein reicher Hof von Rittern und Edelfrauen und endlich ein einsamer fahrender Ritter , geharnischt und die Zither über der Schulter , schlossen das Gefolge des Kaisers , welches ein zweiter Haufen Landsknechte von dem folgenden Zuge trennte . Auch diese Ritter- und Kriegswelt , von friedlichen Künstlern dargestellt , zeigte sich dessenungeachtet wahr und wesentlich , getragen von stattlich körperlicher Befähigung . Hier waren vorzugsweise die in männlicher Reife , Kunst und bürgerlicher Stellung vorgerückten Mitglieder vertreten , deren durch rüstiges und gelungenes Schaffen erreichter Wohlstand die kostbaren Gewänder möglich machte . Sie trugen mit kriegerischem Anstand die reichgeschmiedeten Rüstungen aus dem Zeughause , und die kecken , mannigfach geschnittenen Bärte schienen weniger die Zeichen malerischen Behabens als die Zierden wirklich tatenreicher Kämpen zu sein . Da nun aber jeder einzelne Mann nicht etwa ein schöngewachsenes Schema , ein bloßer Statist , sondern eine bedeutende Persönlichkeit , ein rechter Schmied seines Glückes war , der aus diesem , der aus jenem Winkel deutschen Volkstumes hervorgekommen , so mußte man beim Anblick so vieler unwillkürlich die Hoffnung fassen , daß ein solches Volk doch noch zu was anderm fähig sei als zur Darstellung der Vergangenheit und daß diese körperliche Wohlgestalt , welche so ähnliche Bilder toter Helden und Kaiser zeigte , unausbleiblich einst die wahren Kaiser , die rechten Schmiede und Herrscher des eigenen Geschickes , die selbständigen Männer der Zukunft hervorbringen werde . Während die Scharen aller bisher Vorübergeschrittenen weithin dem Blicke entschwanden und im weiten Rundgange sich kreuzten , rauschte und tanzte jetzt die Mummerei heran , in welcher alles , was die Künstlerschaft an übermütigen Sonderlingen , Witzbolden , seltsamen Lückenbüßern und Kometennaturen in sich hegte , Platz gewählt hatte . Der Mummereimeister Peter von Altenhaus eröffnete auf einem launischen Esel den träumerischen Zug , und hinter ihm kollerten die altdeutschen Narrengestalten , die zierlichen bunten Narren Gylyme , Pöck und Guggerillis und die verwachsenen Schälke Metterschi und Duweindel daher nebst vielen anderen Narren , welche aber nie beisammenblieben , sondern unaufhörlich zwischen den Gruppen des Zuges herumfuhren . Dann kam der bekränzte Thyrsusträger , welcher die behaarte , gehörnte und geschwänzte Musikbande führte . In ihren Bockshäuten nach der eigenen Musik hüpfend und hopsend , brachten diese Gesellen eine uralte , seltsam schreiende und brummende Musik hervor , bald in der Oktave , bald in lauter Quinten pfeifend und schnarrend , jetzt in schwindelnder Höhe , dann in der tiefsten Tiefe . Mit goldenem umlaubtem Thyrsusstabe schritt der Anführer des Bacchuszuges vor . Ein Kranz blauer Trauben umschattete tief seine glühende Stirn ; von den Schultern flatterte und wallte eine festliche Last buntgestreifter Seidenbänder bis auf die Füße und verhüllte wehend den unbekleideten Körper