denn diese wort- und geräuschlosen Geschöpfe änderten jeden Augenblick mit Blitzesschnelle ihre Plätze , und die abenteuerlichsten , längst vergessenen Kostüme , die , schwerfällig und beladen , jede Bewegung zu hindern drohten , wurden hier mit einer Leichtigkeit getragen , als wären es Gewänder , von Staub und Luft gewoben . Die Jünglinge wurden von Niemandem bemerkt , von Niemandem berührt ; obwol sie von der großen Anzahl immer umkreist waren und ihren kalten Lufthauch fühlten . Alle waren beschäftigt , eine Tafel zuzurichten ; von den alten Geschirren in den kostbarsten Metallen , die sie herbeischleppten und ordneten , waren einige kaum in ihrer Bestimmung zu erkennen , so fern mußte die Zeit ihres Gebrauches liegen ; dazwischen kamen neuere Gegenstände ; die köstlichsten Geschirre und Becher , zu deren vervielfältigten Modellen Benvenuto Cellini als Erfinder genannt wird . Dann das leichte , florartige Glas der Venetianer mit Wappen , Farben und Vergoldungen ; - jedes Jahrhundert , schien es , hatte seine Geschirre und seine ihm zugehörende Bedienung . Vergeblich rang Reginald mit der wahnsinnigen Verwirrung , in die er sich gestürzt fühlte ; die Dinge behielten ihre Gestalt und zogen ihn endlich in einem Maaße an , daß die Ueberlegung in ihm erstarb ; - nur Ludwig ' s Arm , sein antwortendes Auge , das er zuweilen suchte , gab ihm ein Gefühl von Haltung und Ruhe . Jetzt winkte ihnen der rothe Mann , ihm zu folgen , und Beide traten mit ihm in den nächsten Saal , welcher glänzend erhellt und von großer Ausdehnung , aber mit einer Masse von Gestalten beinah ' überfüllt war . - Doch waren sie früher den Dienern begegnet , standen sie hier unverkennbar den Gebietern gegenüber . Wohin in dieser glänzenden Versammlung zuerst das Auge richten - wie den Reichthum fassen , der hier den Glanz aller erdenklichen Kleiderpracht mit dem Zauber von Schönheit und Jugend vereinigt zeigte ? - Die Jünglinge waren geblendet - ihre Phantasie war überboten ; sie fühlten eine schüchterne Hingebung und schienen sich kaum berechtigt , zu einer so anspruchsvollen Versammlung gehören zu wollen . Doch auch hier fiel Reginald bald die chronologische Folge auf , auch hier zeigten sich aus der Gesellschaft verschwundene Kostüme , oder solche , die nur noch in alten Bildwerken bewahrt wurden ; und bei ruhigerer Betrachtung sah er zwei Frauen , die wie schroff bezeichnete Zeitabschnitte sich gegenüber standen und einen ganzen Kreis ähnlicher Gestalten um sich versammelten . Es ist ein Maskenscherz , wollte Reginald denken ; aber er glaubte an dem Gedanken zu ersticken . Der Athem blieb ihm stehen , er wollte laut aufschreien , sich die Qual zu erleichtern ; - aber der Laut erstarb - die Lippen blieben tonlos . - Da trat der rothe Mann , der Alle wie seine Gäste zu leiten schien , zu ihnen ; er führte sie umher . Sie wurden vorgestellt - er hörte viele Namen - und sich und Ludwig immer gleich als Grafen Crecy bezeichnen ; doch schien es ihm , der rothe Mann spreche kein Wort , und hier , wie bei den Dienern , herrsche lautlose Stille . Dennoch wußte er , die blasse hagere Frau mit den tiefgesenkten Augenliedern , mit der ruhigen Stirn und dem Ernst einer Heiligen , sei Claudia von Bretagne . Sie trug den thurmhohen Bau eines steifleinenen Kopfputzes , jener Mode , woran radförmig Halskrause und Brustlatz liefen , die keine Ahnung einer menschlich weiblichen Gestalt zuließ . Von grobem aschfarbenen Wollenzeuge hingen die Gewänder in festgenähten Falten ohne Gürtel bis zum Boden ; nur die Hände sahen mit den Fingerspitzen aus den aufgeschlagenen Aermeln hervor ; sie waren schön und fein , doch gelblich weiß , und umschlossen ein schwarzes Kruzifix . Aus den Falten des Rockes hing ein Spindel nieder , und nur auf der höchsten Spitze des widrig steifen Kopfputzes saß die kleine Königskrone ; sie hatte aber einen Schein wie Sternenlicht , und so auch leuchtete ein Kreuz von Edelsteinen , was auf dem Brustlatze ruhte . Um sie standen junge , bleiche Frauenbilder in der entstellenden Tracht der Zeit , mit Angesichtern , so still , so mienenlos und kalt , als sei das Buch des Lebens mit seinem ganzen Inhalte vor ihnen verschlossen geblieben . Sie standen um die stille , unbewegliche Herrin , die ihrer nicht zu achten schien ; dazwischen sah man Ritter mit unbedecktem Haupte , Pagen in Wappenfarben , gleich Gerüsten dieser Abzeichen , geschmacklos überladen mit bunten Farben und ungefälligem Schnitte der Kleider . Klein jedoch nur war die die Zahl , die um die Königin kenntlich zu erblicken war ; denn nur die Bezeichneten traten deutlicher hervor . Hinter ihrem Stuhle schwirrte noch ein ganzer Knäuel verbundener Gestalten , die lebendig um einander glitten und bei dem unsicheren Lichte der wehenden Kerzen immer zu wechseln schienen . An einen großen , weitläufigen Kamin gelehnt , in dessen Heerd die jähe Flamme , in Regenbogenfarben spielend , nach allen Seiten züngelte - so nah , daß der Rand der reichen Gewänder in jedem Augenblicke von den hervor schlüpfenden Flammen besäumt ward , stand ein Weib von mächtiger Schönheit ! Sie hatte wohl die starre , kalte Weise der übrigen Frauen ; doch ihr , wie allen um sie versammelten Schönen glühte ein fremdartig , schimmerndes Roth auf den Wangen . Der Kopf war unbedeckt ; in vollen Ringeln floß das dunkle Haar bis auf die marmorbleichen Schultern ; auf der Mitte ihres Hauptes aber ruhte eine große , mächtige Krone von Brillanten ; - es war Katharina von Medicis ! - Sie schaute mit den glühenden Augen in die Ferne . Ihr Gewand war purpurrother Sammet ; es deckte um die volle Taille kaum die preisgegebene Schönheit ihrer Formen . So waren alle Frauen ihres Kreises schön und zum Erschrecken fast enthüllt . Dazwischen bewegten sich zahllose Männergestalten in den prachtvollen Kostümen der Valois zur Zeit der Medicäerin . - Die Namen der Geschichte