, unbelaubten alten Kastanienbäume des Schloßgartens , und er bemerkte , daß wie ihn auch viele Andere die warme Mittagssonne herbeigezogen hatte . Der Blick des Grafen schweifte über die verschiedenen lustwandelnden oder im Gespräch verweilenden Gruppen , und es machte einen betrübenden Eindruck auf ihn , daß er beinah Niemanden bemerkte , der nicht Trauer trug , wie sein Herz ihm sagte , um einen in den Schlachten des letzten Krieges gefallenen Verwandten . Die Wenigen , die nicht in Trauer gehüllt waren , machten keinen heiteren Eindruck , denn es waren verstümmelte , zum Theil noch schwer an ihren Wunden leidende Krieger , die hier in der warmen Herbstsonne Erquickung nach grausamen Leiden suchten . So haben nun wieder Deutsche gegen Deutsche gewüthet , dachte der Graf seufzend ; so vertilgen sie sich gegenseitig von der heimathlichen Erde und bringen Trauer über verwandte Geschlechter . Sein Schritt war , ohne daß er es bemerkte , langsam geworden und sein Blick senkte sich kummervoll zu Boden , als er plötzlich aufschrak , weil eine Hand von hinten sanft seine Schulter berührte . Er wendete sich und blickte in das ihm freundlich entgegen lächelnde Gesicht des General Clairmont . Der Graf war freudig überrascht , und nach den ersten herzlichen Begrüßungen fragte sein Freund lächelnd : Was hat Dich so philosophisch gestimmt , daß Du , in tiefe , ernste Gedanken versenkt , Deine Freunde nicht bemerkst ? Ich ging bei Dir vorüber , ohne von Dir beachtet zu werden , und ich redete Dich nicht gleich an , weil ich einen Augenblick zweifelte , ob dieser sinnende Philosoph wohl mein Freund Hohenthal sein könne , den ich hier nicht erwartete . Es ist wohl natürlich , sagte der Graf , daß mich die Folgen Eurer Siege ernsthaft stimmen . Bemerke alle diese Trauerkleider um uns her , die ohne Zweifel um Verwandte getragen werden , die von deutschen Händen für Eure Sache fielen . So ist nun einmal der Krieg , erwiederte der General nachläßig . Doch was führt Dich aus Deinen anmuthigen Bergen hieher ? Etwa nur das Verlangen diese Betrachtungen anzustellen ? Ein nahe mit ihnen zusammenhängender Grund , sagte der Graf . In Euern Schlachten ist ein Verwandter von mir geblieben , der hier einheimisch war und dessen Erbe ich geworden bin . So führt das Ueble immer das Gute herbei , sagte der General leichtsinnig . Sein Freund wendete sich verletzt ab . Nun , sei mir nur nicht böse , fuhr der General lächelnd fort ; Du weißt , ich habe mich niemals zu Deiner sublimen Moral erheben können , und ich denke in meinem mir so oft von Dir vorgeworfenen Leichtsinn , daß es doch keine so gräßliche Sache sein kann , der Erbe eines Verwandten zu werden , den man vielleicht gar nicht oder doch nur wenig gekannt hat . Der Graf ließ das Gespräch über diesen Gegenstand fallen , denn er wußte , daß sein Freund seine Art zu denken in manchen Fällen , und so auch hier , nicht verstand . Es konnte nicht fehlen , daß die Unterhaltung bald eine Wendung nahm , wodurch sie die Begebenheiten der Zeit berührte und der General bemerkte bei dieser Gelegenheit : Jetzt hoffe ich , wird Dein Herz in sofern wenigstens sich kummerfreier fühlen , als nun nicht mehr Deutsche gegen Deutsche fechten werden , dieser Frieden stellt uns hierüber vollkommen sicher . Alle kleineren Staaten Deines Dir so theuern Vaterlandes sind mit Napoleon auf ' s Engste verbunden ; Preußen wird durch die Umstände dazu gezwungen , und Oesterreich wird sich jetzt aufrichtig mit uns vereinigen . Die Verbindungen der Staaten unter einander , erwiederte der Graf , können nie wie Privatfreundschaften betrachtet werden . Sie sind so lange aufrichtig , bis ein höheres Interesse andere Forderungen macht . Was willst Du damit sagen ? fragte der General . Weißt Du nicht , daß die Tochter des österreichischen Monarchen Kaiserin von Frankreich wird ? Auch Familienbande , antwortete der Graf , sichern dem Bunde der Staaten keine ewige Dauer . Erinnere Dich , als es Euer Ludwig der Vierzehnte durchsetzte , seinen Enkel auf Spaniens Thron zu erheben , da rief er auch in der Trunkenheit der Freude über das gelungene Werk : Jetzt giebt es keine Pyrenäen für Frankreich mehr . Nun , Du weißt , die Pyrenäen sind dessenungeachtet geblieben . Jetzt aber , sagte der General mit Stolz , jetzt ist diese Scheidewand für Frankreich gesunken . Spanien ist unser . Ihr kämpft aber doch in diesem Euern Spanien noch mit abwechselndem Glück , versetzte der Graf . Was folgt daraus ? rief sein Freund unmuthig . Daß sich die Pyrenäen dennoch wieder für Euch erheben können , sagte der Graf . Einen Augenblick flammte der Zorn in den Augen des Generals , indem er den Grafen anblickte , doch der scharf geklemmte Mund , der eben etwas Heftiges aussprechen wollte , schwieg . Die Spannung des Gesichts löste sich , die eben noch zornigen Augen begegneten freundlich dem edeln Blicke des Grafen , der Mund , der eben beleidigen wollte , lächelte anmuthig , und nachdem der General seinen Freund in dieser wohlwollenden Stimmung noch einen Augenblick betrachtet hatte , brach er in ein lautes Gelächter aus . Habe ich jemals einen Menschen unerschütterlich standhaft in seinen Ansichten gefunden , sagte er endlich , so bist Du es . Du wirst noch ein Märtyrer Deines Glaubens werden , fügte er ernsthaft hinzu . Ich weiß nicht , wie es geschieht , sagte der Graf ebenfalls lächelnd , ich habe mir sonst nie über diese Gegenstände Unbesonnenheiten vorzuwerfen , ich weiß meine Ansichten zurückzuhalten und zu verbergen ; so wie ich Dich aber erblicke , zolle ich der Thorheit diesen Tribut und bekämpfe Deine Ansichten unnützer Weise , indem ich die meinigen eben so zwecklos zu vertheidigen suche . Ich kann mir keinen Grund für diese Schwachheit angeben , fuhr er fort , wenn er nicht darin zu