der äußeren Welt . - Wer hat je mein Herz gefragt ? - Wer hat sich geneigt zur Blume , um ihre Farbe zu erkennen und ihren Duft zu atmen ? - Wem hätte der Klang meiner Stimme ( von der Du sagtest : Du fühlest , was Echo fühlen müsse , wenn die Stimme eines Liebenden an ihrer Brust widerhalle ) eine Ahnung gegeben , welche Geheimnisse kraft Deiner dichterischen Segnungen sie auszusprechen vermöge ? O Goethe ! Du allein hast den Schemel Deiner Füße mir hingerückt und mir erlaubt , in Deiner Nähe meine Begeistrung auszuströmen . - Was jammere ich denn ? - Daß es so still ist um mich ? - Daß ich so einsam bin ? - Nun wohl ! - In dieser einsamen Weite , wenn es einen Widerhall meiner Gefühle gibt , kannst nur Du es sein ; wenn eine Tröstung mir zuweht aus freier Luft , so ist es der Atem Deines Geistes . Wer würde auch verstehen , was wir hier miteinander sprechen , wer würde sich feierlich fügen dem Gespräch Deines Geistes mit mir . - Goethe ! - Es ist nicht mehr süß , unser Zusammensein ! Es ist kein Kosen , kein Scherzen ; die Grazien räumen nicht mehr um Dich her auf und ordnen jede Liebeslaune , jede Spielerei des Witzes zu heiteren Gedichten . - Die Küsse , die Seufzer , Tränen und Lächeln jagen und necken einander nicht mehr , es ist feierliche Stille , es ist feierliche Wehmut , die mich ganz durchgreift . In meiner Brust ordnen sich die Harmonien , die Tonarten lösen sich voneinander , jede fühlt die Organe ihrer Verwandtschaften in sich mächtig , und was sie vermag . So ist es in meiner Brust , weil ich ' s wage , mich vor Dich zu stellen , mitten in Deinen Weg , den Du eilend durchjagst , und Dich zu fragen : Kennst Du mich noch ? - die außer Dir niemand kennt ? - Siehe , inmitten dieser Brust steht der reine Kelch der Liebe , gefüllt bis zum Rand mit herbem Trank , mit bitteren Tränen schmerzlichen Entbehrens . Wenn die Harmonien übergehen ineinander , dann wird der Kelch erschüttert , dann strömen die Tränen ; sie fließen Dir , der Du die Totenopfer liebst , der Du sagtest : » Unsterblich sein , um nach dem Tode tausendfach in jedem Busen zu erwachen . « Ja ! Damals wollte ich : allein in meinem Busen solltest Du erwachen ; und es ist wahr geworden , und dicht hinter mir und Dir ist das Leben abgeschlossen . Ach , ich bin Deiner heiligen Gegenwart nicht gewachsen , ich wage zu viel und stürze zusammen und sehne mich nach einer Brust , die lebt unter den Lebenden , die meine Geheimnisse aufnimmt und mich wärmt ; denn : vor Dir stehen gibt schauerliche Kälte ; und die Hände muß ich ringen , daß ich Deiner so verinnigt zu denken wage . Nein ! - Nicht Dich rufen ! - Nicht die Hände nach Dir ausstrecken , in dieser seltsamen schauerlichen Stunde nach Dir forschen über den Sternen , hinaufsehen , Deinen Namen rufen ? - Ich wage es nicht ! - O ich fürchte mich ! - Besser bescheiden den Blick senken auf das Grab , was Dich deckt ; Blumen sammeln , sie Dir hinstreuen ; ja , die süßen Blumen der Erinnerung , alle wollen wir sammeln , sie duften so geistig , mag sie einer bewahren zu Deinem und meinem Gedenken , oder mag sie der Zufall verwehen , einmal will ich die süßen Geschichten der Vergangenheit noch durchgehen . Heute erzähle ich Dir , wie Du mich in dunkler Nacht unbekannte Wege führtest , das war in Weimar auf dem Markt , als wir an eine Treppe kamen und Du zuerst niederstiegst und als ich unsicher zu folgen versuchte , mich in Deinen Mantel gehüllt dahin trugst ; Herr ! Ist es wahr ? - Hast mich in beiden Armen schwebend getragen ? Wie schön warst Du da , wie groß und edel , wie leuchtete Dein durchdringender Blick dunkel im Glanz der Sterne mich an . Da oben mit beiden Armen Dich umschlingend , wie war ich selig ! Wie lächeltest Du , daß ich so selig war , wie freute es Dich , daß Du mich hattest , über Dir schwebend mich trugst , wie freute ich mich , und dann schwang ich mich hinüber auf die rechte Schulter , um die linke nicht zu ermüden . Du ließt mich durch die erleuchteten Fenster sehen , eine Reihe friedlicher Abende von alt und jung , bei Lampenschein oder bei hellem Küchenfeuer , auch der kleine Hund und das Kätzchen waren dabei . Du sagtest : » Ist das nicht eine allerliebste Bildergalerie ? « - So kamen wir von einer Wohnung zur andern aus den finstern Straßen hervor unter die hohen Bäume , ich reichte an die Äste , da rauschten die Vögel auf , da freuten wir uns , wir beide , - Kinder , ich und Du . Und nun ? - Du ein Geist , aufgefahren zu den Himmeln , und ich ? - Unerleuchtet , unerfüllt , unerwartet , unverstanden , ungeliebt , ja sie könnten mich fragen : » Wer bist du und was willst du ? « Und wenn ich Antwort gäbe , würden sie sagen : » Wir verstehen dich nicht . « Du aber erkanntest mich und öffnetest mir die Arme und das Herz , und jede Frage war gelöst und jeder Schmerz beschwichtigt . - Dort im Park zu Weimar gingen wir Hand in Hand unter den dichtbelaubten Bäumen , das Mondlicht fiel ein , Du gabst mir viele süße Namen , es klingt noch in meinen Ohren : » Lieb Herz ! Mein artig Kind ! « Wie war ich erfreut zu wissen , wie ich Dir heiße ; dann führtest Du