möchte mir daher vergeben , was ich vielleicht im Leichtsinn der Jugend an ihm gefrevelt . Böses habe mein Herz dabei nie im Schilde geführt . Er möge mir auch verzeihen , was ich Schwereres begangen , und mir nicht als Sünde zurechnen , was ein irre geleitetes Gefühl verbrach . Er möge endlich meiner in Frieden gedenken , und von dem kleinen Hans seine Hand nicht abziehen , wie auch die Dinge kommen sollten . Verstehst Du mich , gute Crescenz ? « Die Alte hatte zugehört , und immer aufmerksamer Auge wie Ohr geöffnet . Nun aber , da Margarethe zu reden aufgehört , starrte sie dieselbe unbeweglich an . » Ich werde ausrichten , was Ihr befehlt , ehrsame Frau , « sagte sie , in ihrer Bestürzung verharrend , - » aber ich will nicht getauft seyn , wenn ich begreife , was das Alles heißen soll ? Hat Euch denn der liebe Herrgott Euer Sterbestündlein offenbart ? oder welche Ursache habt Ihr dann , daß Ihr solche bedenkliche Reden führt ? Oder hätte Euer häuslich Kreuz Euren Verstand beschädigt ? Ich sollte Euch wahrlich nicht fortlassen in der dunklen Nacht . « - » Keine Widerrede : « befahl Margarethe herrisch , und Crescenz zog sich alsobald in die Schranke der Demuth zurück : » Höre noch das letzte : « setzte die Altbürgerin hinzu : » Athme ich morgen noch , so werde ich am Abend hier mit meinem Stiefsohne ein Wort des Abschieds reden , - in Gegenwart Deiner beiden Augen , unter der Obhut Deiner verschwiegenen Zunge . Hat jedoch der Herr des Lebens über mich geboten , so sage dem jungen , unglücklichen , durch mich unglücklich gewordnen jungen Manne : Bis zu meinem letzten Athemzuge sey er mir der theuerste Mensch auf Erden gewesen . Die Zeit , da ich ihn verstohlen liebte , wie ein unerreichbar höchstes Gut , sey meine glücklichste ; die Zeit in der ich ihn haßte in verirrter Leidenschaft , meine elendeste gewesen . Seine vergebende Freundschaft war Paradieseshauch in meinem häuslichen Jammer , sein Bild der Heilige zu dem ich betete . Bekenne ihm in meinem Namen , daß ich , die Unwürdige , glücklich war , in der Erinnerung an ihn , und daß , wenn es möglich ist , mein Geist sich von oben herabneigen wird , um über seine Schritte zu wachen , daß ich ihn aber bitte mit der verzweifelnden Liebe einer Mutter , sich selbst zu erhalten , und die Stätte zu meiden , wo öffentlich und heimlich die höchste Gefahr ihm droht , wo selbst der eigne Vater von schnöder Rachlust entbrannt ist gegen den Unschuldigen . Beschwöre ihn , « ... - hier hemmten Thränen die Worte Margarethens , und mit einem schmerzlichen : » Ich kann nicht mehr ; lebe wohl ! « stürzte sie aus dem Gemach . Die angstvolle Crescentia folgte ihr ermahnend , bittend und klagend . - Die Altbürgerin war unerbittlich gegen ihr Flehen ; - noch unter der Hausthüre mußte ihr die Alte in dem ungewissen Dunkel die Richtung bezeichnen , die sie gen Bergen zu nehmen hätte , und unter dem Gebell der wachbaren Hunde , entwich die kühne , auf ' s Äußerste gefaßte Frau den Augen der alten Dienerin . - Kopfschüttelnd sah ihr die Letztere nach , schob alsdann den Riegel vor , und sendete das Gesinde , das durch das Hundegebell aufgeschreckt worden war , wieder zum Lager zurück . Sie setzte sich hierauf in den Sorgenstuhl , und dachte im unruhigen Geist nach über die Begebenheiten des Abends . Nach allem Überlegen schien ihr endlich nichts klarer und gewisser zu seyn , als daß der angehäufte Gram und Unmuth Margarethens Verstand in Unordnung gebracht habe , und sie begann , sich die bittersten Vorwürfe zu machen , daß sie die Sinnverwirrte hinausgelassen in die einsame Finsterniß , wo ihr unstäter Fuß gar leicht in des Wassers Fluth gerathen , oder ein Blitz ihr Haupt zerschmettern konnte . Sie schalt sich einfältig , daß sie gar nicht bedacht , wie ungnädig Herr Diether ihr Betragen , - kam ' s zu Tage - aufnehmen würde , und bedauerte abwechselnd die arme Frau , sich selbst , und den guten Junker Dagobert , den die Botschaft , die Margarethe seinem Knechte aufgegeben , unbedingt zum Tode erschrecken müsse . - » Der biedre Junker ! « sagte sie vor sich hin , während sie ihr Nachtkleid überwarf : » Wie er Alles liebt , das ihm vertraut . Wie dankbar , gedenkt nicht sein die Stiefmutter , die ihn haßte ? Wie zart denkt er nicht Aller , deren er sich angenommen ! Wie werde ich das gute Judendirnlein morgen mit der Nachricht erquicken , daß er gesund und wohl ist . Der lange Knecht ließ sich ' s gewiß nicht träumen , daß der Gruß an die alte Crescenz auch noch jemand Anderm galt ! Wie aber in aller Welt , kommt es , daß der biedre junge Herr vor die Vehme gerathen ist , von der ihm nur der Kaiser loshelfen mag ? « - » Ei ! « unterbrach sie sich , gegen das Fenster lauschend : » war mir ' s doch , als ob die Hunde sich wieder bewegten , und leise knurrten . ' sist aber wieder Alles stille . - Und dennoch , « setzte sie nach einer Pause hinzu : » dennoch regt sich draußen etwas , und ich höre die Hunde schnaufen und schmatzen , als ob sie etwas köstliches zu fressen erhalten , hätten . « - Schon griff die herzhafte Frau nach der Lampe , als eine behutsame Faust einigemal leise an den Laden klopfte . - » Da haben mir ' s ! « flüsterte die Alte vor sich : » Das ist ein frecher Dieb , der meinen Hunden mit Gift das Maul gestopft hat , und nun herein möchte . « - Sie