als er so unbeweglich blieb wie ein hölzerner Pfahl , griff sie nach seinem ergrauenden Bart , zupfte ein bißchen und fragte scherzend : » Du ? Bist du kein Mann ? « » Das bin ich mehr , als mir lieb ist . Ein Jahr lang hab ich hart gehungert . Jetzt ist alles in mir wie ein böses Feuer . Vom Hirn bis hinunter zu meinen Sohlen brennt ein siedender Durst nach Eurem Leib . « Sie fragte gleich einem verwunderten Kinde : » Warum nimmst du mich nicht ? « » Weil ein Mannsbild , das sein Blut nit in der Faust hat , minder ist als ein Vieh . « Seine Augen wurden ruhig . » Und weil ein deutscher Bauer seinen König nit verschimpft . « Erschrocken fuhr sie zurück und knirschte : » Wer hat dir verraten , wo du bist ? « Malimmes lachte leis . » Ui , mein , Frau Königin ! Ich bin doch kein heuriger Has nit . Ein Tüchl macht zwei gute Augen nit blind . Und Ohren hat man doch auch . Und man weiß , was echt und was falsch ist . Möget Ihr nit die fremden , wüsten Haar ein lützel heruntertun ? Bitt schön , Frau Königin , lasset einen armen Teufel anschaun , wie schön Ihr seid ! « Schweigend streifte sie den Schleierbund und die schwarze Perücke fort . Das kupferrote Geringel fiel ihr um das heiße Gesicht . Und als sie die Freude in seinen Augen sah , wurde sie verdrießlich und klagte in Zorn : » Du bist ein Narr ! Soll ich dir sagen , wo mein Gemahl sich belustigt ? In dieser Nacht ? « Gleich verstand er . » Das müßt Ihr ihm abgewöhnen , Frau Königin ! So was ist nit gesund . Und tut man ' s in der Nacht mit Lachen , so kommt am Morgen das Grausen . « Eine Weile standen die beiden stumm voreinander , bis Malimmes in Unbehagen sagte : » Jetzt darf ich wohl gehen ? Nit ? « Er schritt zur Türe . Rasch vertrat ihm Frau Barbara den Weg und sah ihn mit glänzenden Augen an . » Ich bin ein verdorbenes Geschöpf . Wären die Männer wie du , wir Frauen wären Heilige . « Sie hatte das so ernst gesagt , daß er lachen mußte . » Frau Königin , das glaub ich nit recht . « Heiß fragte sie : » Willst du mir dienen ? « Malimmes schüttelte den Kopf und sagte heiter : » Nit ums Leben ! Da könnt ' s noch schieche Sachen absetzen . « Er wurde ernst . » Ich bin schlechter dran als wie die andern . Jedweder Mensch hat einen doppelten Weg zur Wahl . Der eine geht zur Sonn und der ander zum Unrat . Ich hab bloß einen . Der Weg zur Sonn ist mir vermauert . Und im Unsauberen leidt ' s mich nit . Muß ich halt zwischendurch . « Nun hatte die Königin wieder ganz die Augen eines verwunderten Kindes , das ratlos ein unbegreifliches Ding betrachtet . Und schweigend und traurig stand sie , während Malimmes den Saum ihres seidenen Ärmels küßte und zur Türe ging . Bevor er die Klinke niederdrückte , sah er die kleine , zierliche Frau noch einmal an . Er hörte sie noch leise sagen : » Wir sehen uns wieder ! « Dann verließ er die reiche Stube . Draußen beugte er tief den Kopf herunter , um das Knüpfen der Tuchbinde zu erleichtern . » So ! Jetzt bin ich wieder ein blinder Ochs ! « Die Magd verließ mit ihm das Haus . Auf dem Haidplatz hörte Malimmes einem Arbeitslärm von vielen Menschen , das Hämmern , Sägen und Hobeln der Handwerksleute , die für das feierliche Friedensfest den Thronhimmel des Königs bauten , die Hochsitze für die Fürsten und die Schranken für das Volk . Man schanzte und schaffte da die ganze Nacht . Das Brettergerüst wurde beim Flackerschein der Fackeln mit rotem und gelbem Tuch beschlagen . Die Arbeitsleute , die ihren Bürgerschlaf für eine prunkvolle Bekundung des Friedens opferten , bekamen Freiwein und gerieten in schwatzlustige Stimmung . Sie machten unziemliche Scherze , als bei grauendem Morgen ein Häuflein lärmender Nachtschwärmer von Flötenbläsern und Lautenschlägern heimbegleitet wurde . Daß ein hochgewachsener Mann und eine taumelnde Zwergengestalt beim Gumbrechtischen Hause verschwanden , bemerkte niemand . Doch einen unfreundlichen Zusammenlauf der Arbeitsleute gab es beim hochtürmigen Hause der Weltenburger , wo man einen Mißgestalteten , der ein von Rotweinflecken verwüstetes Hofkleid trug und schwer betrunken war , gewaltsam zur Ruhe bringen mußte . Er hatte einen Anfall von Krämpfen , schlug mit den Fäusten um sich , und immer schrillte seine dünne Stimme : » Wenn ich Herzog bin - wenn ich Herzog bin - « Im ersten Weiß des Morgens bekamen die Gerüste , die man auf dem Haidplatz aufgeschlagen hatte , ein festliches Ansehen . Der Thron des Königs und die Hochsitze der Fürsten wurden mit Wappen behangen , mit Standarten und Laubgewinden geschmückt . Bei Aufgang der Sonne bezogen zwölf junge Ritter im Gumbrechtischen Hause die Ehrenwache vor den Zimmern des Königs und der Königin und vor der unruhigen Amtsstube des Kanzlers Schlick . Weil die zwölf aus dem Geleit aller Fürsten und Prälaten gewählt waren , die einander bekriegt hatten und sich heute versöhnen sollten , fanden sie für sich selbst den scherzhaften Namen : die zwölf Friedensengel . Für den heiligen Peter von Berchtesgaden war Lampert Someiner da . Er stand mit drei anderen bei der Türe des Königs , mit dem Ellbogen auf den Knauf des blanken Eisens gestützt . Für das leise Geplauder seiner Gesellen hatte er kein Ohr . Immer sah er in das flimmernde Sonnenband , das durch ein hohes Spitzbogenfenster in den gewölbten Treppengang hereinfiel . Draußen kam ein schöner und reiner Tag . Da funkelte wohl heut die gleiche milde