scheinst . Das schneidet mir freilich fast das Herz ab und spricht allen meinen Wünschen ein Todesurteil , aber wenn sich die Welt dahin geändert hat , daß die Söhne eigenmächtig über ihr Schicksal entscheiden dürfen , nun , dann muß ich mich eben wohl oder übel fügen . Ein Rabenvater bin ich doch nicht , - das soll mir die Mutter noch abbitten . « Robert lachte zum erstenmal wieder . Er hatte es ja schon längst geahnt , daß die liebe alte Mutter dem starrköpfigen Mann solange zugesetzt hatte , bis er endlich mürbe geworden , in den langen Rock gefahren und davongeeilt war , dem zum zweitenmal flüchtigen Sohn nach . Nun hatte sich ja alles zum besten gewendet , und während der ganzen Fahrt berichtete Robert vom Vergangenen und Zukünftigen , erkundigte sich Meister Kroll nach allen Einzelheiten so genau und wurde so lebhaft gesprochen , daß den beiden die Fahrt wie im Flug verging . Die Mutter wachte noch , sie hatte heißen Kaffee gekocht und frische Semmeln herbeigeholt , auf dem Tisch stand Roberts Teller von früher her , seine Tasse , sein Besteck , - viele Worte wurden nicht gesprochen , aber es war wie Weihnachten bei den drei Menschen in dem kleinen Häuschen . Und dann mußte sich Robert in das Bett legen , in dem er als Kind geschlafen hatte , die beiden alten Leute aber schlichen leise auf den Zehenspitzen umher . Die Mutter hantierte geräuschlos in der Küche , als ob eine ganze hungrige Kompanie Soldaten bewirtet werden sollte , und Meister Kroll saß mit gekreuzten Beinen auf dem uralten Thron seiner Väter und nähte emsig . Das Maß zu dem neuen Anzug aber hatte er an den Kleidern seines Sohnes genommen . Und Robert selbst ? - - Er schlief , und im Traum erblickte er ein liebes , bekanntes Gesicht . Der Geisterseher von der Antje Marie beugte sich über ihn herab , aber jetzt nicht mehr ernst und trübsinnig wie früher , sondern lächelnd , heiter lächelnd . Nach wenigen Stunden wußte ganz Pinneberg , daß Robert Kroll wieder da sei . Man umdrängte ihn , er wurde der Held des Tages , man staunte und hörte zu mit allen Ohren , wenn er von seinen wunderbaren Erlebnissen sprach . Jetzt hatten alle diese guten Leute vorausgesehen , daß das so kommen mußte , niemand hatte je an dem Wiedererscheinen des Ausreißers und an seiner Tüchtigkeit gezweifelt , sondern jeder erinnerte sich , gerade dieses glückliche Ende mit Sicherheit vorausgesehen zu haben . Robert erhielt Einladungen über Einladungen , die er aber fast alle ablehnte , bis auf einen Besuch , den er wirklich gern machte . Als die Hamburger Polizeibehörde das für Robert bestimmte Päckchen des gestorbenen französischen Gefangenen nach Pinneberg weitergeleitet hatte , fand sich nicht allein das ganze Geld , sondern auch ein umfassendes , reumütiges Geständnis des ersten und zweiten Diebstahls , so daß Robert in den Augen seiner Eltern vollständig gerechtfertigt war . Es blieb nur die eigentliche Flucht und die Zwangsanleihe von sechzig Talern , die Robert niemals zu Gesicht bekommen hatte , - beides aber wurde ihm und war ihm längst von Herzen vergeben . Meister Kroll wickelte die Banknoten wieder in das Papier . » Da , mein Junge « , sagte er , » geh hin und bring das Geld den Eltern deines Freundes . Die alten Leute haben im Armenhause eine böse Zeit verlebt , so daß ihnen die Erlösung aus solchen Verhältnissen wohl zu gönnen ist . Wir können ' s ja tun , und nebenbei - - ich mag auch das einmal Gestohlene gar nicht besitzen . Der Georg war ein Spion , weiter nichts , er hatte sich mit Absicht zum Gefangenen machen lassen , um hier die Lage und Stärke der Armee auszukundschaften und dem Feinde zu hinterbringen . Mit solchen Dingen wollen wir nichts zu schaffen haben . « Robert nahm dankbar das Geld und ging hinaus vor den Ort , um es im Armenhause Gottliebs alten Eltern zu überreichen . Er sagte aber , daß es von ihrem Sohn komme , und sparte auf diese Weise den armen Leuten das schwere Wort des Dankes . Als er nach Hause zurückkam , fand er dort den Schein des Landwehrbezirkskommandos , der ihn sofort nach Kiel rief , um von dort aus mit einem für den Schutz der Handelsschiffe nach dem Mittelmeer bestimmten Dampfer an Bord des Kanonenbootes » Meteor « gebracht zu werden . Das Schiff lag im Hafen von Havanna , und sein Kommandant , Kapitänleutnant Knorr , hatte kürzlich telegraphisch um etwa zehn Mann Verstärkung gebeten , zu denen auch Robert gehören sollte . Der Abschied von den Eltern war zwar schwer , aber er war das , was man einen gesunden Schmerz nennt , und wurde deshalb leichter ertragen . Acht Tage später war Robert , von den Segenswünschen seiner Eltern begleitet , schon wieder auf hoher See . Auf dem » Meteor « An Deck des Kanonenbootes Meteor im Hafen von Havanna standen zehn Marinesoldaten und vor ihnen der Kommandant des kleinen Fahrzeuges , Kapitänleutnant Knorr . Er hatte besonders einen der Ankömmlinge ständig im Auge , und erst als die anderen neun nach ihren persönlichen Verhältnissen gefragt waren , wandte er sich an diesen letzten . » Sie wollen also als Freiwilliger eintreten ? « Robert - denn er war es - bemühte sich , eine möglichst militärische Haltung einzunehmen . » Nur kurze Zeit zu früh , Herr - « » Keine lange Rede ! « unterbrach ihn der Offizier etwas barsch . » Ja oder nein ? « Robert errötete bis unter die Haarwurzeln . Dieser Ton war keineswegs nach seinem Geschmack . » Ja ! « antwortete er mit erzwungener Ruhe . Über das wetterbraune Gesicht des Offiziers flog ein Lächeln . » Die Antwort heißt in diesem Fall künftig Zu Befehl ! « belehrte er und fuhr dann fort : » Welchen