eben so geschrieben : Ich bringe euch nicht den Frieden , sondern den Krieg ! Und wie ich für mein Theil danach getrachtet habe , den Frieden hier zu Lande nicht zu stören , so vermag ich vor meinem Gewissen den jüngeren Streiter nicht darob zu tadeln , daß er von heiliger Stätte die Gemeinde warnte , daß er ihr die Gefahren zeigte , welche ihr drohen , daß er verkündet hat , was ihm sein Herz geboten ! Es kommt für Jeden einmal der Tag , an dem er mit unserem Martin Luther rufen muß : Hier stehe ich ! Ich kann nicht anders ! Gott helfe mir ! Amen ! Der Pfarrer hatte die Hände gefaltet , er war sehr gerührt . Seit Jahren hatte er sich mit dem Gedanken getragen , daß es ihm einmal beschieden sein könne , nach dem Vorbilde des herrlichen Paul Gerhard von Heimath und Amt vertrieben zu werden ; jetzt fühlte er sich dem Augenblicke nahe , und seine Erschütterung würde zu jeder anderen Stunde auf seinen Patron ihre Wirkung nicht verfehlt haben , denn des Freiherrn Herz war leicht bewegt und die kirchlichen Streitigkeiten waren ihm bei seiner religiösen Gleichgültigkeit im Grunde sehr verhaßt . Aber er sah auch in dieser ganzen Angelegenheit nur eine Auflehnung gegen seine gutsherrliche Macht , und bitter , wie sein Ton es gegen den Pfarrer heute von Anfang an gewesen war , sagte er : Lassen Sie die Beispiele und die Bibel-Citate ! Was ich mit Ihnen abzumachen habe , dazu finde ich den Ausdruck in mir selbst , und wenn denn einmal durchaus die Bibel die Belege liefern soll , so mag das Wort Ihnen und der Gemeinde zur Richtschnur dienen , daß Jedermann der Obrigkeit unterthan sein soll , die Gewalt über ihn hat ! - Er machte eine kurze Pause und sprach danach : Ich bin Herr auf Richten , in Rothenfeld und in Neudorf ! Die Kirche in Neudorf ist mein ! Sie haben Ihr Amt von mir , Sie wohnen in meinem Hause , auf meinem Grund und Boden , unter meiner Jurisdiction ; die Leute , welche Ihre Gemeinde bilden , sind von mir abhängig , zum großen Theile mir hörig - bedenken Sie das wohl ! - Ich hindere Sie in Ihrem lutherischen Bekenntnisse nicht ; beten Sie , singen Sie , predigen Sie , wie Sie wollen - das ist Ihnen und meinen Leuten von den Staatsgesetzen gewährleistet ! Aber merken Sie es sich : wo Sie es sich beikommen lassen , etwa auch einmal als Glaubensstreiter , von Ihrem Gewissen getrieben , meine religiöse Freiheit auf meinem Grund und Boden anzutasten , da hört Ihre religiöse Freiheit auf , da beginnt meine gutsherrliche Machtvollkommenheit , und - der Freiherr wurde roth vor Zorn - daß der Gotthard sich nicht unterfängt , sich jemals wieder innerhalb meiner Grenzen blicken zu lassen .... Herr Baron ! fiel der Pastor ihm in die Rede , Herr Baron ! - Die Stimme versagte ihm , und wie der Zorn des Freiherrn Wange geröthet , hatte der Schrecken das Antlitz des Greises entfärbt . Aber er nahm sich zusammen , und mit ruhiger Würde an den Freiherrn herantretend , sagte er : Es ist ein Amt des Friedens , das der Herr in meine Hand gelegt hat . Ich habe es bis hieher verwaltet nach bestem Wissen und Gewissen , und ich hatte fest gehofft , in demselben fortarbeiten zu können bis an meinen Tod . Indeß Gott hat es anders beschlossen . - Er hielt aufs Neue inne , und mit bebender Stimme , aber dem Freiherrn ruhig in das Auge sehend , sprach er : Menschenfurcht soll die letzten Tage meines Lebens nicht entehren . Ich werde meinen Sohn nicht abweisen von der Thür seines Vaterhauses , auch wenn er irrte und sein heiliger Eifer ihn zu weit geführt hat ; ich werde ihm und mir nicht Schweigen auferlegen , wo der mir anvertrauten Heerde Gefahr zu drohen scheint , und - bin ich doch der Einzige nicht , dessen Bleiben hier fürder nicht mehr ist ! Er verneigte sich tief und wollte sich zum Gehen wenden . Der Freiherr hielt ihn nicht zurück . Thun Sie ganz nach Ihrer Ueberzeugung , sprach er , aber verlassen Sie sich darauf , daß ich mir hier Ordnung und Gehorsam schaffen werde ! Der Pfarrer ging still hinweg . Der Freiherr sah ihm mit kaltem Auge nach . Meine Läßlichkeit hat es verschuldet ; sie fühlen sich alle hier als Herren ! Es war Zeit , ein Ende damit zu machen und die Zügel in die eigene Hand zu nehmen , sagte er zu sich selber , während er nach der Uhr sah . Dann klingelte er und befahl , das Abendbrod herzurichten und die Frau Herzogin zu benachrichtigen , wenn es geschehen sein würde . Der Pfarrer aber fuhr , als er vom Schlosse kam , im Amthofe vor . Er wollte Fassung gewinnen , ehe er seine greise Lebensgefährtin wiedersah ; er mußte auch einen Menschen haben , zu dem er sprechen konnte , denn in sich zu verschließen , was ihn bestürmte und bedrängte , bis er nach Neudorf kam , das , fürchtete er , würde über seine Kräfte gehen . Und der Adam hatte es ja auch erlebt . Und offene Arme , offene Herzen , und ein volles Mitgefühl empfingen den schwer gekränkten Mann . Man hatte die Heimkehr des Freiherrn gescheut , man hatte es mit Besorgniß angesehen , daß er so plötzlich und unangemeldet eingetroffen , und doch kam Allen unerwartet , was geschehen war . Sie waren im Amte dem Gotthard eben nicht freund ; sie gönnten es ihm , daß sein Hochmuth eine gründliche Lection erhielt ; aber den Pfarrer , den Greis , den sie zu verehren gelernt von Kindesbeinen an , so herzzerrissen zu sehen , das betraf sie selber tief . Sie mochten ihn nicht allein in die