. « Die Koffer wurden gebracht und die Zimmer verteilt . Als der Graf in den Salon zurückkam , sagte er : » Es ist aber ein Zimmer zu wenig , Hyazinth ! Du hast wohl nicht auf Lili und ihre Bonne gerechnet . Wo Orest sein Unterkommen finden soll , weiß ich nicht . « Orest saß am Kamin und Felicitas auf seinen Knien . Mit einem Anflug von Verlegenheit sagte er : » Da diese Wohnung sehr hübsch ist und bequem liegt , so riet ich Hyazinth zu ihrer Wahl . Eine Stallung für meine Pferde hat sie aber nicht , und da ich diese nicht einzig und allein der Obhut eines englischen Jockeys überlassen kann , der zwar exzellent ist , doch kein anderes Wort spricht , als Yorkshire-Englisch : so hause ich mit ihnen im Hotel Meloni - ganz in der Nähe . « » Unbequeme Einrichtung ! « brummte der Graf ; » da muß immer ein Diener auf den Beinen sein , um mit Aufträgen , Anfragen etc. etc. hin und her zu laufen ! « Sein Mißmut würde zugenommen haben , wenn er gewußt hätte , daß das Hotel Meloni mit nichten in der Nähe lag , sondern an der Piazza del popolo und durch die ganze lange Straße del Condotti vom spanischen Platz getrennt . So hatte Orest es sich ausgedacht , um freier in seinen Bewegungen zu sein . Corona ahnte nichts Gutes aus dieser Einrichtung ; Orest aber sagte : » Du wirst für Dich und Lili gewiß mit dieser Wohnung zufrieden sein , Corona , denn davon abgesehen , daß sie eine angenehme und gesunde Lage hat , brauchst Du nur die sogenannte spanische Treppe hinaufzusteigen , so bist Du auf der herrlichen Promenade des Monte Pincio und stehst zugleich vor der Kirche Trinità dei Monti , welche den Damen vom Sacre Coeur gehört . « » Das ist gut ! « sagte sie , » das werden wir benutzen , das brauchen wir . « Es war etwas so Eisiges in Orest ' s Ton und Benehmen , daß sich ihr Herz erschauernd zusammenzog und daß sie , als ob ihre Seele prophetisch gewesen wäre , zu sich selbst sprach : Hier werd ' ich recht den Kreuzweg zu gehen haben ! Geheimnisvolles Vermögen des inneren Menschen , daß er zuweilen am Vorabend schwerer Geschicke oder auf dem Wendepunkt seines Schicksals Andeutungen vernimmt , die vielleicht sein Schutzengel zur Warnung oder zur Vorbereitung ihm gibt ! Hyazinth fragte viel nach Uriel und nach Onkel Levin und mußte viel von Rom erzählen und von allem , was man hier zu tun und zu sehen habe . Orest war einsilbig und fragte wenig . Noch weniger fragte man ihn , was er getrieben , wie und mit wem er am Genfersee und in Genua gelebt habe . Die Leidenschaft ist eine Mauer , welche den Menschen umgibt , vereinzelt , und allem unzugänglich macht , was nicht sie ist . Er fühlte sich elend zwischen denen , welche seinem Herzen die Nächsten - und dessen Glück und Freude hätten sein sollen ; ein Fremdling am häuslichen Herd , ohne Sympathie für das reine , friedliche und doch so reichhaltige Leben , welches ihn umblühte . Er langweilte sich bei diesen Gesprächen , bei diesen Fragen nach Personen und Dingen , die ihm , durch die fürchterliche Kälte , welche die Leidenschaft für alles äußert , was ihren Gegenstand nicht betrifft , tief gleichgiltig waren . Die Leidenschaft ist etwas Entsetzliches und doch verwechselt die Welt sie häufig mit der Liebe ! Leidenschaft ist der von Gott ab- und der Kreatur zugewendete Hunger des Herzens , ein unstillbarer , nagender , wütender Hunger , der , ähnlich dem physischen , den Menschen so entmenscht , daß er ihn fähig macht , wenn er den höchsten Grad erreicht hat , den Nächsten zu schlachten , den Bruder zu morden und von dessen Fleisch und Blut das Leben zu fristen . Dasselbe tut in der sittlichen Welt die Leidenschaft ; sie verlangt ihre Befriedigung , ohne zu achten auf die Tränen , auf das Herzeleid , auf den Jammer , welche sie denen bereitet , die ihr im Wege stehen und die sie gleichgiltig beseitigt ; ohne zu achten der Schmach , der Entwürdigung , der Entmenschung , welche ein solches Verfahren nach sich zieht . Sie ist eine Feuersbrunst : auf einem Punkt wilde , zügellose , gierige Flammen und rings umher Verwüstung und Elend , Klage und Trauer und zerstörtes Glück . Sie ist die vollkommenste Blüte des Egoismus ; sie isoliert den Menschen in seinem Ich - gegenüber der wundervollen Gemeinschaft der Liebe , die Gott gewollt und angeordnet hat , indem er den Seelen sein Ebenbild gab . Gott ist die Liebe : darum liebt die Seele ; darum ist Liebe - ihr Leben , ihr Wesen , ihr Zusammenhang mit Gott und durch ihn mit aller Kreatur , folglich ist sie der Leidenschaft geradezu entgegengesetzt . Die göttliche Liebe befriedigt in übernatürlicher Weise den Hunger des Herzens , das ein übernatürliches Ideal von Glück in sich trägt . Die göttliche Liebe entzündet in übernatürlicher Weise die Flamme des Herzens , das sich sehnt zu verlodern im heiligen Feuer des Opfers . Die göttliche Liebe entfaltet in übernatürlicher Weise die Kräfte und Neigungen des Herzens zu einer solchen Blüte , daß ein Paradies von Tugenden darin aufgeht . Und das ist nun das wunderbare Geheimnis , daß der von der Erbsünde angehauchte und von der eigenen Sünde befleckte Mensch dennoch aus freier Wahl der übernatürlichen Liebe sich zuwenden kann . Das Urgeheimnis von der Freiheit der Liebe , die im Paradiese an egoistische Leidenschaft sich gefangen gab , wird jedem Menschen zur Lösung vorgelegt . Um es richtig zu lösen - dazu hat der Mensch seinen Willen , der , wenn ' s ein guter Wille ist , von der göttlichen Gnade unterstützt wird . Nicht jeder löst es