, die ich von dem letzten größeren Orte in das Kargrat mitgenommen hatte , bei mir behalten , und fuhr jetzt mit ihnen wieder fort . Auf dem ersten Postamte verlangte ich eigene Postpferde , und schlug die Richtung zu meinen Eltern ein . Als ich dort angekommen war , machte mein unvermutetes Erscheinen beinahe den Eindruck des Erstaunens . Alle Ereignisse waren so schnell gekommen , daß , da einmal meine Abreise zu meinen Eltern festgesetzt war , ein Brief , der sie von meiner Ankunft benachrichtigt hätte , wahrscheinlich nicht früher zu ihnen gekommen wäre als ich selbst . Sie konnten sich daher nicht erklären , warum ich ohne vorhergegangene Benachrichtigung nun im Sommer statt im Herbste komme . Ich sagte ihnen auf ihre Frage , daß allerdings ein Grund zu meiner jetzigen Heimreise vorhanden sei , aber keineswegs ein unangenehmer , daß ich in Ungeduld so schnell abgereist sei , und daß ich ihnen eine frühere Nachricht von meiner Ankunft nicht habe zugehen lassen können . Hierauf waren sie beruhigt , und wie es ihre Art war , fragten sie mich nun nicht nach meinem Grunde . Am anderen Morgen , ehe der Vater in die Stadt ging , begab ich mich zu ihm m das Bücherzimmer und sagte ihm , daß ich zu Natalien , der Tochter der Freundin meines Gastfreundes , schon seit langer Zeit her eine Zuneigung gefaßt habe , daß diese Neigung in mir verborgen geblieben , und daß es mein Vorsatz gewesen sei , sie , wenn sie ohne Aussicht wäre , zu unterdrücken , ohne daß ich je zu irgend jemanden ein Wort darüber sagte . Nun habe aber Natalie auch mich ihres Anteils nicht für unwert gehalten , ich habe davon nichts gewußt , bis ein Zufall , da wir von anderen , weit entlegenen Dingen sprachen , die gegenseitig unbekannte Stimmung zu Tage brachte . Da haben wir nun einen Bund geschlossen , daß wir uns unsere Neigung bewahren wollen , so lange wir leben , und daß wir sie in dieser Art nie einem anderen Wesen schenken würden . Natalie habe verlangt , und mein Sinn stimmte diesem Verlangen vollkommen bei , daß wir unseren Angehörigen diese Tatsache mitteilen sollten , damit wir uns unseres Gutes durch ihre Zustimmung erfreuen , oder , wenn von einem Teile die Billigung versagt würde , die Neigung zwar unverändert erhalten , aber den persönlichen Umgang aufheben . Da nun Nataliens Angehörige nichts eingewendet haben , so sei ich hier , um die Sache meinen Eltern zu sagen , und ihm sage ich sie zuerst , der Mutter würde ich sie später mitteilen . » Mein Sohn , « antwortete er , » du bist mündig , du hast das Recht , Verträge abzuschließen , und hast einen sehr wichtigen abgeschlossen . Da ich dich genau kenne , da ich dich seit einiger Zeit noch viel genauer kennen zu lernen Gelegenheit hatte , als ich dich früher kannte , so weiß ich , daß deine Wahl einen Gegenstand getroffen hat , der , wenn ihm auch gewiß wie allen Menschen Fehler eigen sind , an Wert und Güte entsprechen wird . Wahrscheinlich hat er beide Dinge in einem höheren Maße als die Menschen , wie sie in größerer Menge jetzt überall sind . In dieser Meinung bestärken mich noch mehrere Umstände . Euere Neigung ist nicht schnell entstanden , sondern hat sich vorbereitet , du hast sie überwinden wollen , du hast nichts gesagt , du hast uns von Natalien wenig erzählt , also ist es kein hastiges , fortreißendes Verlangen , welches dich erfaßt hat , sondern eine auf dem Grunde der Hochachtung beruhende Zuneigung . Bei Natalien ist es wahrscheinlich auch so , weil , wie du gesagt hast , ihre Gegenneigung vorhanden war , ehe du sie erkennen konntest . Ferner hat bei deinem Gastfreunde die Gesamtheit deines Wesens eine so entschiedene Förderung erhalten , du hast nach manchem Besuche bei ihm auch so hervorragende Einzelheiten zurückgebracht , daß ihm eine große Güte und Bildung eigen sein muß , die auf seine Umgebung übergeht . Ich habe nichts einzuwenden . « Obgleich ich mir vorgestellt hatte , daß mein Vater dem geschlossenen Bunde kein Hindernis entgegenstellen werde , so war ich doch bei dieser Unterredung beklommen und ernst gewesen , so wie in der Haltung meines Vaters eine tiefe Ergriffenheit nicht zu verkennen gewesen war . Jetzt , da er geredet hatte , kam in mein Herz eine Freudigkeit , die sich auch in meinen Augen und in meinen Mienen ausgedrückt haben mußte . Mein Vater blickte mich gütig und freundlich an und sagte : » Du wirst mit der Mutter von diesem Gegenstande nicht so leicht sprechen , ich werde deine Stelle vertreten und ihr von dem geschlossenen Bunde erzählen , daß du schneller über die Mitteilung hinwegkömmst . Lasse den Vormittag vergehen , nach dem Mittagessen werde ich die Mutter in dieses Zimmer bitten . Klotilde wird dann gelegentlich auch Kenntnis von deinem Schritte erhalten . « Wir verließen nun das Bücherzimmer . Mein Vater rüstete sich , in seine Geschäftsstube in die Stadt zu gehen , wie er sich jeden Morgen gerüstet hatte . Als er fertig war , nahm er von der Mutter Abschied und ging fort . Der Vormittag verfloß , wie gewöhnlich die Zeit nach meiner Ankunft verflossen war . Die Mutter und Klotilde fragten nicht nach dem Grunde meines ungewöhnlichen Zurückkommens , und gingen ihren Geschäften nach . Als das Mittagmahl vorüber war , nahm der Vater die Mutter in das Bücherzimmer , und blieb eine Weile mit ihr dort . Als sie wieder zu mir und Klotilden herauskamen , blickte sie mich freundlich an , sagte aber nichts . Sie setzten sich wieder zu uns , und wir blieben noch eine Zeit an dem Tische sitzen . Als wir aufgestanden waren , gingen wir in den Garten , welchen ich jetzt durch eine Reihe von Jahren nicht im Sommer gesehen hatte