Gottes , sah den Geistlichen während seines Vortrags mit unverwandten Augen an und zerfloß in Tränen ; auch gestand er , daß ihn diese Langmut Gottes während seines ruchlosen Lebens oft zu Tränen gerührt habe . Von dieser Zeit an schlug der Geistliche bloß diesen Weg ein und führte seine Aufgabe siegreich durch . Der stolze Wildling wollte auch von seinem Gott und dessen Dienern um die schwere Arbeit , die er auf sich nehmen sollte , manierlich angesprochen sein . Es läßt sich jedoch denken , und wird auch ausdrücklich erzählt , daß dieselbe nicht ohne Unterbrechung vonstatten ging , wobei besonders sein Stolz immer wieder den schwer zu brechenden Kopf erhob . Einst besuchten ihn , nach der Art der Zeit , welche äußerst neugierig auf Verbrecher war , zwei Fremde in seinem Gefängnis . Der eine betrachtete die berüchtigte Gestalt und fragte , ob er der Unglückliche sei , der so viele unglücklich gemacht habe ? » Meine Herren « , antwortete er , den mächtigen Kopf in den breiten Nacken werfend , » wer ist unglücklicher , Sie oder ich ? Sie , die vielleicht mitten in Ihren Sünden durch einen einzigen Schlag dahingerissen werden , oder ich , der ich durch das Blut Jesu mit Gott versöhnet bin ? « Indessen tat er gleich wieder Buße und sagte zu seinem Beichtvater : » Mein Gott , was bin ich für ein elender Mensch , daß ich nicht einmal diese einzige Rede habe erdulden können ! « Aber auch die lustigen Farben des Lebens störten ihm das ernste Gewebe , an dem er wirkte . Die unanständigen Witze und die Religionsspöttereien , die so oft den Beifall seiner Gesellen erregt hatten , kehrten manchmal wieder zu ihm zurück und verdarben ihm durch irgendeine unwillkürliche Gedankenverbindung das Gebet oder das Bibelwort , durch welches er den glimmenden Docht seiner Leuchte anzufachen , das zerstoßene Rohr seines Lebens aufzurichten suchte . » Ebensowenig « , sagt sein Geschichtschreiber , » verließ ihn seine rohe Lustigkeit . Ein Glas Wein und ein gutes Essen machte ihn auch in den letzten Tagen seines Lebens so lustig , daß er die ganze Gesellschaft , die bei ihm war , mit Scherzen unterhielt und Henker , Tod , Bekehrung , alles vergaß . « Desto größer aber war nachher immer wieder seine Zerknirschung , » so daß er einst , als er bei ziemlichem Durste mehr Verlangen nach einem Glase Wein als nach geistlichen Gesängen empfunden , aus Reue hierüber und aus Zorn über sich selbst das Gesangbuch auf den Boden warf , was ihm dann einen neuen ebenso großen Kummer verursachte . « Da im Menschenleben zwischen dem Kleinsten und Größten Gleichungspunkte sind , so drängt sich bei diesem Zuge von selbst die Erinnerung an die Kämpfe des großen Reformators auf , in dessen Geistesbande dieser schwierige Zögling sich gegeben hatte und dessen riesige Gestalt die Nachwelt oft mit lächelndem Munde bewundert . Gleichwie seine Kirchenänderung die leichtfertige Welt seiner Tage mit Umsturz und Zerstörung bedrohte , so geht auch der Lehrbegriff , den er von einem verwandten Geiste erbte , dem natürlichen Menschen revolutionär und terroristisch zu Leib . Die Lehre eines alten Kirchenvaters , der nach einem weltlich durchstürmten Leben durchgreifende Buße und Selbstentäußerung predigte , muß den Menschen erst an allen Gliedern brechen , um ihn neu aufbauen zu können . Hieraus ergibt sich von selbst , daß sie bei der Jugend und bei allen jenen weichen , freundlichen Gemütern , die in Übereinstimmung mit sich durch das Leben gehen , seine Widersprüche nicht empfinden oder beiseite zu schieben wissen , nur oberflächlich wirken kann . Wer aber durch Schuld und Not hindurchgegangen ist , wer sich in den Netzen des Lebens verstrickt und sich selbst darin verloren hat , bei wem jener Entäußerung die grenzenlose Selbstverachtung vorgearbeitet hat , die sich nicht mehr mit dem Splitter im Auge des Nebenmenschen zu entschuldigen vermag , und wer auf allen seinen Irrwegen zugleich , wenn auch nicht ein geistesstolzes Denken , doch ein geistiges Leben sich bewahrt hat , der ist reif , um jene Lehre mit ihrer ganzen übermenschlichen Gewalt in sich aufzunehmen . Auf diesem Wege sind vornehme und gemeine Sünder , deren Lebensgeschichten unentbehrliche Blätter in den Jahrbüchern des menschlichen Geistes bilden , zu einer Umwälzung gekommen , welche die Welt , die nach menschlichem Maße leben will , ja oft selbst die Kirchenwelt , mit Staunen , wie ein verzehrendes Feuer aufflammen sah . Sie haben Heil gestiftet , wo sie auf verwandten Boden säeten ; viele haben ihnen mit zerstörtem Lebensglück geflucht : denn ihr Werk war , sich selbst und alles , was sie vorher liebten , zu zerschmettern . An den Genossen eines verbundenen Lebens , wie es auch zugebracht worden sein mag , zum Verräter zu werden , ist ein Malzeichen , vor welchem selbst der Leichtfertigste ein wenig stutzt . Die Rechtfertigung dieser Tat wäre in dem Falle , der uns vorliegt , selbst für die natürliche Betrachtung gar nicht schwer ; denn einer Bande , die arglosen Menschen nachts in die Häuser bricht , die Bewohner aus den Betten reißt , mit glühenden Nadeln peinigt oder den Schlaf mordet , ist niemand die Treue schuldig , die sie der Menschheit und sich selbst nicht hält . Aber es handelt sich ja hier nicht darum , eine Art Vorbild in so günstiger Beleuchtung aufzustellen , daß der geschmeichelte Leser darin seine eigene Menschenvortrefflichkeit erkennt . Vielmehr soll dieses Menschenleben mit seinen Lichtern und Schatten , mit seinen Ehrenzeichen und Schandmalen ein Gleichnis sein , in welchem jeder sich als gut und bös erkennen mag . Denn fremd kann dem Menschen nichts bleiben , was menschlich ist . Die wilden Tiere , welche seine Mitwelt in diesem Menschen sah , sie hausen alle in unserer Brust , und alle haben wir am Bache des Ebers getrunken . Wir verabscheuen das Stehlen , Rauben und Morden , aber auch er hat es