waren , und ihre Wuth versuchte einen allgemeinen heftigen Angriff . Der junge Offizier war an das Fenster zur Rechten gesprungen . Durch die zerbrochenen Scheiben langte eben ein Arm nach dem Riegel , um ihn aus den Haspen zu heben . » Sparen Sie den . Schuß . Den Säbel , den Säbel ! « Der Offizier hatte bereits die Pistole fallen lassen und die eindringende Faust gefaßt . Aber die Kraft derselben , die ihn zugleich packte , war stärker als die seine , sie zog seinen linken Arm aus dem Fenster fast bis an die Schulter hinaus und zwei , drei Hände faßten draußen an den Arm . Er war in einer völlig wehrlosen Lage . In dem Augenblick entriß eine Hand der seinen den blanken Säbel und die Klinge fuhr dicht an seinem Kopf vorbei durch das Fenster auf die Gegner . Der Stoß , den der alte Graf geführt hatte , mußte getroffen haben , denn ein wilder Aufschrei erscholl , der Arm des Offiziers wurde losgelassen und schnell zog er ihn zurück . Zugleich knallte aus dem andern Fenster ein zweiter Pistolenschuß und die Vorsicht und Ruhe des Jägers war Bürge , daß er ihn nicht ohne sicheres Ziel abgefeuert hatte . Die wilden Verwünschungen , das Schmerzensgestöhn draußen bewiesen , daß der Angriff blutig empfangen worden , - die Tobenden zogen sich eilig zurück aus dem Bereich der Schußwaffen . Jetzt erst gewann der Diener Bogislaw Zeit , seinen Herrn näher von den Vorgängen zu unterrichten . Die Männer fühlten , daß sie eilig ihre weiteren Vorbereitungen zu treffen hatten , da offenbar der Angriff wiederholt werden würde . Bogislaw sprang nach der Kammer , um aus dem Gepäck seines Herrn die Pulverflasche zu holen und neu zu laden . » Przeklecie ! ich kann sie nirgends finden , die Weiber müssen sie gestohlen haben , als sie in der Kammer handthierten . Doch haben wir noch Ihre Flinte und Pistolen , Herr Graf , sie sind geladen . Wer nimmt den Posten in der Kammer ein , um zu verhindern , daß die Schurken hier durch das Fenster brechen ? « Es war die wenigst gefährdete Stelle ; Aller Augen wandten sich auf die Gräfin , die in stillem Gebet noch immer an der vorigen Stelle knieete . Das Gebet galt einem Todten . Der kräftige , jugendliche Körper des Verwundeten hatte wild gegen den Tod gekämpft , den die innerliche Verblutung rasch herbeiführte , denn die Kugel hatte quer durch die obere Brust geschlagen , und während des Kampfes an den Fenstern streckte sich zuckend der Leib und lag dann still und starr . Der Oheim hob das Mädchen empor und führte sie halb tragend zu der Kammer . Es war keine Zeit zu Erörterungen und zur Schonung der Gefühle . Er konnte sie nur kurz bedeuten , daß sie auf das geschlossene Fenster achten und , wenn es erbrochen würde , um Hilfe rufen solle . Dann trugen Bogislaw und der Offizier den von dem Kampf aus seinem Fieberschlaf erwachten Soldaten an die Wand gegenüber der Bodenluke und befahlen ihm , fest diese im Auge zu behalten . Der Jäger stand schon wieder auf seinem Posten und recognoscirte durch eines der zerbrochenen Fenster . Die Räuber hatten sich zurückgezogen und waren unsichtbar . Die Nacht lag noch immer finster um das Haus , nur durch die weiße Fläche des Schnees gemildert . Auf ihr nahe dein zweiten Fenster erkannte man eine dunkle Gestalt regungslos ausgestreckt : die Vertheidigung hatte bereits ein zweites Menschenleben gekostet . So verging eine längere Zeit , während der nur wenige Worte gewechselt wurden . Es schien fast , als ob die Banditen das Grauen des Morgens abwarten wollten , um ihre Gegner besser zu sehen . Die Weiber in der Kammer , die mehrfach versucht hatten , die Thür zu öffnen , waren seit einiger Zeit ganz still geworden . Dagegen vernahm das scharfe Ohr des Jägers ein Geräusch , gleich dem eines vorsichtigen Arbeitens an einer Wand , und traf danach seine Vorbereitungen . Plötzlich donnerten wüthende Artschläge an die Eingangspforte und zugleich suchten ähnliche aus dem Innern der Kammer die Thür derselben zu sprengen ; in wenigen Augenblicken flog sie in Stücke . Aber Bogislaw hatte Aehnliches erwartet , die Thür splitterte , aber öffnete sich nicht , denn vor ihr bis zu Manneshöhe lagen jetzt eine Masse schwerer Gegenstände aufgehäuft , die aller Anstrengung des Fortdrängens spotteten . Durch die Zwischenräume der Verschanzung streckte mit der ganzen Kaltblütigkeit eines alten Soldaten der Graf sein Jagdgewehr und zielte auf die beiden dunklen Gestalten , die hier den Eingang zu erzwingen suchten , aber der Hahn fuhr nieder auf das Piston , ohne daß ein Schuß erfolgte . Er warf die Flinte zu Boden und drückte eine der Pistolen durch die Oeffnung ab , - der Erfolg war derselbe . Dem Stoß eines durch die Oeffnung funkelnden langen Messers entging er nur durch eine rasche Seitenbewegung . Ein Schrei der Dame verkündete auch auf ihrem Posten Gefahr - der Offizier war mit einem Sprunge an ihrer Seite und sah die Gestalt eines Mannes , bemüht , durch die enge Fensteröffnung einzubrechen . Einige Stöße des Säbels trieben ihn zurück , - fast gleichzeitig knallte der Schuß des Jägers durch ein Fenster und wiederum brach einer der Banditen zusammen und schleppte sich stöhnend zur Seite . Zum zweiten Male wichen die Räuber , doch dies Mal nur aus dem Bereich der Fenster und eine kurze heftige Berathung wurde gepflogen . » Wir müssen zu Ende kommen , « sagte der Krugwirth unter gräulichen Verwünschungen , » der Tag graut und es darf Keiner leben von ihnen , sonst sind wir verloren . Mein Michael ist erschossen , Stephanowitsch todt , Boris verwundet , wir müssen Rache haben , und sollte es unser letztes Blut kosten . D ' rauf , Kameraden ! « Er wollte auf ' s Neue an die Thür , doch Boris