den Kuchen auf , reichte ihn herum und alle Drei aßen , tranken und waren fröhlich und guter Dinge . Nach einiger Zeit lehnte sich Madame Becker behaglich in ihren Stuhl zurück und spielte , anscheinend absichtslos , mit dem Paketchen , das sie neben sich hingelegt hatte . Es war dies ländlich , mit weißem Papier umwickelt und mit einer rothen Schnur zusammen geknüpft . Auf demselben stand eine Adresse mit einer festen , regelmäßigen Handschrift . » Einkäufe ? « fragte die Wittwe , deren Neugierde erregt war . » O nein , « entgegnete die Andere , » es ist ein Geschenk für meine Nichte Marie , die Tänzerin . Die bekommen so was immer anonym zugeschickt . Auf der Straße brachte es mir ein Bedienter , und da er mich erkannte , nahm ich es ihm gleich ab . « » Also die Marie hat ' s noch nicht gesehen ? « meinte Emilie . Madame Becker schüttelte gleichgiltig mit dem Kopfe . » Die sieht ' s morgen Früh noch bald genug , « sagte sie , » wenn sie es überhaupt zu sehen bekommt ; und das hängt ganz von ihrer Aufführung ab . « » Und was ist wohl darin ? « fragte Madame Wundel . Die Frau bog das Päckchen hin und her , und als sein Inhalt sich weich anfühlte und biegen ließ , antwortete sie : » Es werden Handschuhe sein . Doch können wir das ganz genau erfahren : wir machen es einfach auf und sehen nach . « Damit löste sie die rothe Schnur , machte das Papier aus einander , und Emilie erblickte mit leuchtenden Augen wenigstens zwei Dutzend seine Pariser Handschuhe von den verschiedensten Farben . » Ah ! die sind schon ! « sagte sie . » Die Marie ist doch ein glückliches Mädchen , daß sie solche Sachen bekommt . - Ja , so eine Tänzerin ! « » Sie sind wirklich hübsch , « meinte die Becker . » Gefallen sie Ihnen , Mamsell Emilie ? « » Wem sollen die nicht gefallen ! - Und das ist gerade meine Größe ; siehst du , Mutter , nicht ein Tüpfelchen länger und breiter könnte ich sie brauchen . « » So will ich Ihnen was sagen , thun Sie mir den Gefallen und nehmen ein halbes Dutzend von diesen Handschuhen von mir zum Weihnachtsgeschenke an . « » Ah ! das wäre zu viel , Madame Becker ! « rief Emilie . » Hast du gehört , Mutter , ich soll ein halbes Dutzend von diesen prächtigen Handschuhen haben . Wie mich das glücklich macht ! - Aber nein , ich kann ' s nicht annehmen , gewiß ich kann ' s nicht annehmen ; ich müßte mich schämen . « Madame Wundel , welche befürchtete , es könnte der noch nie da gewesene Fall wirklich eintreten , daß ihre Tochter Emilie sich einmal schämen würde , etwas anzunehmen , trat nun mit ihrer Autorität dazwischen und sprach mit Ruhe : » Wenn die gute Frau Becker dir ein halbes Dutzend Handschuhe zum Geschenk machen will , so wäre es von dir unschicklich , sie nicht dankbarlichst anzunehmen . « » Aber das ist zu viel , Mutter , - ein ganzes halbes Dutzend ! « » Possen ! « versetzte Madame Becker , die , wie der geneigte Leser wohl weiß , ihre guten Gründe hatte , sich die Familie verbindlich zu machen . - » Possen ! nicht der Rede werth ! - Hier sind sechs von allen Farben , und hier ist auch die Emballage und die Schnur . - Mädchen bleiben immer kleine Kinder ; man muß sie zu Allem zwingen . « Damit wickelte sie lachend die sechs Handschuhe in das weiße Papier , band noch zum Ueberfluß die rothe Schnur darum und überreichte sie mit einer graziös sein sollenden Handbewegung , wobei sie sagte : » Der Fräulein Emilie zum Weihnachtsabend . « » Prächtig ! prächtig ! « lachte Madame Wundel . » Wie das die Frau Becker alles zu machen versteht ! - Ja , ja ! man sieht gleich , daß Ihr vornehme Bekanntschaften habt und viel mit guter Gesellschaft umgeht . « Die Andere schloß affektirt ihre Augen , zuckte gewaltig die Achseln und erwiderte mit einem tiefen Seufzer : » Ach ja , es ist wahr , ich sehe viel vornehme Herren und es thut Einem wohl , wenn man so von den respektablen reichen Leuten geachtet wird wie ich . Aber man hat viel mit ihnen durchzumachen , o erschrecklich viel ! « Emilie hatte sich entfernt , um ihre Handschuhe aufzuheben , und da sie vorderhand Punsch und Kuchen genug erhalten , so blieb sie im Nebenzimmer , vielleicht auch blos aus Taktgefühl , indem sie sich wohl denken mochte , daß die beiden Frauen etwas zusammen zu sprechen haben könnten , wobei ihre Gegenwart überflüssig sei . Madame Becker hatte auch diesen Augenblick benutzt , um die eben gehörten Klagen loszulassen . - » Ja schrecklich viel ! « wiederholte sie jetzt . » S-o-o ? « fragte Madame Wundel . » Aber Ihr seid doch die Frau dazu , allen Anforderungen zu entsprechen . « » O nicht immer , nicht immer . Ich stehe so allein in der Welt und habe Niemand , dem ich mich so recht anvertrauen kann , was ich zuweilen thun würde . « » Seht Ihr , wie Unrecht es von Euch ist , « sagte die Wundel mit einem Anflug von Rührung , » daß Ihr so wenig zu mir kommt . Haben wir nicht immer vortrefflich zu einander gepaßt , und haben wir uns nicht manchen guten Rath gegenseitig gegeben ? « » Ja , das ist wahr , Wundel , « erwiderte die Andere , » und als ich heute so über Manches nachdachte , und zu mir selber sprach : mit wem könntest du wohl Dieses oder Jenes