Schnitt der Gewänder entstellte nicht , wie sonst verjährte oder unkluge Moden , sondern es schmückte auf das höchste und berauschte den Blick durch Eigentümlichkeit und Phantasie . Diese Trachten waren allerdings den klassischen einfachen Gewandmassen griechischer Welt gerade entgegengesetzt ; aber nichtsdestominder verkündeten sie eine kecke Freude am Leben und am Leiblichen , nur daß der persönliche Sinn , der im Christentume liegt , sich in den wunderlich ausgedachten Umspannungen und Angehängseln des schönen Körpers zeigte . Überhaupt machte der ganze Festzug durch die bloße Tracht , welche auf das genaueste wiedergegeben war , einen ganz andern Eindruck , als unsere neuesten frömmelnden Romantiker in ihren unkundigen und siechen Schilderungen des Mittelalters beabsichtigen . Inmitten diesen glänzenden Reihen gingen einige venezianische Patrizier und Maler , als Gäste gedacht , poetisch in ihre welschen , purpurnen und schwarzen Mäntel gehüllt um Haupt und Schultern . Diese Gestalten lenkten trefflich die Vorstellungskraft auf die Lagunenstadt und von da ins ungemessene Weite an die Küsten der Alten und Neuen Welt , um von da wieder zurückzukehren zur spitzbogigen Wunderstadt mitten im Festlande . Trompeter und Pauker , gefolgt von drei Zugführern in Gold und Schwarz mit dem Reichsadler , eröffneten jetzt den Zug des Kaisers und Reiches , mit allem , was dieses an Tapferkeit und Glanz um jenen geschart hatte . Ein Haufen Landsknechte mit seinem robusten Hauptmann gab sogleich ein lebendiges Bild jener Kriegszeit und ihres unruhigen , auf Abenteuer gehenden , wilden und doch sanglustigen kindlichen Volkstumes . Diese frommen Landsknechte , einen Wald von achtzehn Schuh langen Spießen tragend , sahen sehr unfromm aus in ihrer bunten , aus aller Herren Ländern zusammengeraubten Tracht . Die rechte und linke Seite an demselben Mann war nicht nur ungleichfarbig , sondern auch ungleich geschnitten ; das rechte Bein , der linke Arm steckten in ungeheuer aufgebauschten , fabelhaft zerschlitzten und bebänderten Gewandstücken , während der rechte Arm und das linke Bein in knappester Umhüllung sich formten . Der eine trug Hals und Schultern nackt und sonnenverbrannt , der andere mit einem erbeuteten Panzerstück bedeckt ; diesem saß das leichtfertig gekerbte Barett schief auf dem Kopfe , indessen die langen angehäuften Federn ihm unten an die Kniekehle schlugen ; jener hatte es auf dem Rücken hängen und schleifte die gestohlenen Federn gar am Boden . Sonst nannten sie nichts ihr als den sichern Tod im Felde , und auf dies schlimme Gut , auf Wein und Weibsbilder und etwa noch auf ihren geliebten Führer Frundsberg dichteten sie die artigsten Liedchen . In diesen weithinziehenden Fußknechten sah der innere Blick Berg und Tal , Wälder , Burgen und Festen , deutsches und welsches Land sich ausbreiten , nachdem die schöngebaute , mauergeschützte und maßvolle Stadt sich vorhin kundgetan . Vier Edelknaben mit den Wappenschildern von Burgund , von Holland , von Flandern und von Österreich , dann vier Ritter mit den Bannern von Steier , Tirol , Habsburg und mit dem kaiserlichen Paniere folgten ; dann ein Schwertträger und zwei Herolde mit dem schwarzen Doppeladler auf dem goldenen Brust-und Rückenteil ihrer Röcke . Auf die Flamberge tragende Leibwache des Kaisers kam eine zarte Schar Edelknaben in kurzen goldstoffenen Wämsern , goldene Pokale tragend , dem kaiserlichen Mundschenk vorauf . Ebenso gingen grüne Jäger und Falkoniere dem Oberjägermeister voran , und wiederum Edelknaben dem Kaiser selbst . Fackelträger mit vergittertem Gesicht umgaben diesen . Rock und Hermelinmantel von schwarzdurchwirktem Goldstoff , einen goldenen Brustharnisch tragend , nebst goldenem Schwert in roter Sammetscheide , und auf dem Barett den königlichen Zackenreif , ging Maximilian I. heroisch daher , das edle Angesicht auf das Heldenmütige , Ritterhafte , Gemüt-und Sinnreiche gerichtet . So konnte man sagen selbst bei diesem lebenden Konterfei . Denn es hatte sich für das Bild des Kaisers ein junger Mann aus den fernsten Gauen des ehemaligen Reiches eingefunden , der , ein merkwürdiges Naturspiel , von edler Haltung und edlem Angesicht , wie dazu geschaffen war , ganz dasselbe offene , mannhafte und angenehme Gesicht , die starke gebogene Nase , die bei den besseren Habsburgern immer angenehm hervortretende Unterlippe und das kräftige schlichte , rund um den Kopf gleichgeschnittene Haar . Unmittelbar hinter dem Kaiser ging sein lustiger Rat Kunz von der Rosen , aber nicht gleich einem Narren , sondern wie ein kluger und wehrbarer Held launiger Weisheit . Er war ganz in rosenroten Sammet gekleidet , knapp am Leibe , aber mit weiten ausgezackten hängenden Oberärmeln . Auf dem Kopfe trug er ein arzurblaues Barett mit einem Kranze von je einer Rose und einer goldenen Schelle ; an der Hüfte aber hing an rosenfarbenem Gehänge ein breites langes Schlachtschwert von gutem Stahl . Wie sein Held und Kaiser war er nicht sowohl ein Dichter als , was schöner ist , selbst ein Gedicht . Der Erbschenk von Kärnten und Statthalter der innerösterreichischen Lande , Siegmund von Dietrichstein , der als vertrautester und treuester Rat Maximilians zu dessen Seite begraben liegt , und der zum tüchtigen Feldherrn gediehene gelahrte Doktor der Rechte , Ulrich von Schellenberg , eröffneten nun die lange Reihe dessen , was die Tafelrunde Maxens an glänzenden Ritter- und Fürstengestalten aufzuweisen hatte . Da schritt in Stahl gehüllt und waffenklirrend einher , was von der Lüneburger Heide bis zur alten Stadt Rom , von den Pyrenäen bis zur türkischen Donau gefochten , geblutet und gesiegt hatte . Schlachten und harte Belagerungen , Schießen , Mauerbrechen , Hängen und Köpfen , ritterlich treues Leben und ruhmreiche Taten knüpften sich an die Namen aller dieser Kämpen , welche alle jedoch von den rastlosen wunderbaren Abenteuern und Taten des einzigen Kaisers übertroffen wurden . Den Feldherrnstab auf die Hüfte gestützt , trat zuerst auf Georg von Frundsberg , allein schon eine ganze Kriegszeit und Historie . Das Schwert Franz I. von Frankreich wurde ihm auf goldenem Kissen vorangetragen mit der Inschrift : Pavia 1525 . Ein bärtiger Landsknecht trug seine Hellebarde ; denn er liebte es , mit gutem Wertzeug in der Schlacht hie und da selbst mit einigen