schien ihm entsetzlich ; dieser Schauplatz geselliger Lust , ohne Zweifel von allen und den verschiedensten Bewohnern zu diesem Zwecke benutzt , zeigte keine Spur mehr seines früheren Lebens . Die Sessel blieben unbesetzt , die Tische leer , und die ungeheuren Schränke verhüllten ihren Inhalt , zum Dienste jener Zeit gehörend . » O , « rief Reginald plötzlich unbewußt - » dies Schweigen ist unerträglich ! Besser , es belebte sich Alles mit den Gestalten der Vergangenheit ! « » So folge mir ! « rief eine hohle , ernste Stimme hinter ihm . Entsetzt wandte er sich und sah , daß er bei seinem Umherblicken die Richtung nach der verschlossenen Thür aufgegeben hatte , die jetzt geöffnet war ; von da her , das übersah er mit einem Blicke , war die Männergestalt gekommen , die diese Worte zu ihm sprach . Aber Reginald fühlte seinen Athem stocken ; und doch konnte er es nicht nachweisen , warum ihn eben diese Gestalt so entsetzte . Seine Züge waren nicht ganz zu erkennen ; ein spanischer Hut mit breiter Krempe , nur seitwärts mit einer Agraffe aufgeschlagen , beschattete sein Gesicht ; doch schien es Reginald gelb und bleich . Um seine Schultern hatte er einen kurzen , feuerfarbenen Mantel , der drei große Löcher auf der Brust zeigte ; übrigens schien er in schwarzem Sammet altspanisch gekleidet , und trug ein breites Schwert in reicher Scheide eng an sich gedrückt . Immer deutlicher trat es Reginald hervor - er hatte die ganze Gestalt , so wie sie jetzt vor ihm stand , noch so eben unter den Portaitfiguren auf dem Treppensaal erblickt ; dazwischen schien es ihm , er sähe Souvré ' s Züge , und die Gestalt nur widersprach in ihrer Größe dem flüchtigen Gedanken . - Und dieser Mann aus einem anderen Jahrhunderte forderte ihn auf , ihm zu folgen ; Reginald fühlte sich wie von einer unabweisbaren Autorität beherrscht ! Ohne es deutlich sehen zu können , glaubte er das stechende Auge des rothen Mannes zu fühlen ; er wandte sich ängstlich nach Ludwig um . Aber dieser war nicht allein schon erwacht , es schien sogar , er war früher aufgefordert worden , als er selbst ; denn er stand bereits eben so willfährig , als Reginald . » Gesellschaft sollt Ihr finden , « fuhr der rothe Mann fort - » und für zwei Grafen von Crecy , an deren Leben die Erhaltung des Hauses Crecy-Chabanne hängt , soll es passende , unterhaltende Gesellschaft sein ! Ihr fürchtet Euch doch nicht ? « setzte er höhnisch hinzu . Dies schreckte Reginald empor . Jetzt erst fühlte er den erstarrten Zorn sich in seiner Brust beleben . » Wer seid Ihr ? « rief er . » Welch ein Recht habt Ihr , in unserem Schlosse eine Einladung an uns zu richten , als wäret Ihr der Herr desselben ? « Eine Art Schnauben , wie es der Zorn zuweilen bei sehr wilden Menschen hören läßt , ging voran , dann folgte ein höhnendes Lachen . » Kind , halte ein mit Deiner Wichtigkeit , « rief dann der rothe Mann - » und hüte Dich , mich zu reizen , daß Du nicht gleich erfährst , welche Macht ich hier habe - eine solche , die in ihrem Alter und in ihrer Rechtmäßigkeit die Deinige überbieten könnte ! « Und Reginald - der kühne , hochherzige Jüngling - schwieg . Ihm war so fremd und erdrückt zu Muth ; als er sprach , fühlte er keine Kraft , seinen Worten Ton und Stärke zu geben ; sein Athem war so kurz , sein Kopf schien ihm nicht frei ; - nur die Nähe Ludwigs beruhigte ihn . An seiner Seite folgte er dem voran schreitenden , rothen Manne , willenlos - wie durch Zauber ihm nachgezogen , und an Ludwig dieselbe Gewalt wahrnehmend . Als sie die Schwelle der jetzt geöffneten , früher so fest verschlossenen Thür überschritten , blieb der rothe Mann stehen ; und indem er zurückschaute , sagte er : » Ihr hattet , denke ich , große Lust , diese Räume zu betreten ! Als ich Euch an den Schlössern hämmern hörte , konnte ich denken , wer es war . Ihr hattet Recht , hier Einlaß zu wünschen ; - nur kam es mir zu , Euch hier willkommen zu heißen ; denn es ist so recht eigentlich mein Bezirk . - Auch wartete ich schon längst auf Euch , Ihr Grafen von Crecy-Chabanne ! « Ein kurzes , feindliches Lachen folgte , und die erschütterten Jünglinge eilten ihm nach , der mit geräuschlosen Schritten über das dunkle Getäfel voranglitt . Sie fanden erleuchtete Räume , ohne den Moder der Zerstörung , doch in dem Geschmacke des Jahrhunderts eingerichtet , dem der Mann im rothen Mantel anzugehören schien . Sie kamen erst durch einige kleinere Wohnzimmer , durch ein Schlafzimmer mit einem großen Bette , gegen dessen verschlossene , schwersammetne Vorhänge ihr Führer wild drohend die Hand erhob - und wie glich er jetzt Souvré ! Dann öffneten sich weite Säle , und die Jünglinge erstaunten über die Ausdehnung des Schlosses und den Glanz der Ausstattung . Diese Räume wurden jedoch von einer Schaar geschäftiger Diener und Dienerinnen belebt , die in einer ungewöhnlichen Thätigkeit umhersausten ; doch ohne anderes Geräusch vernehmen zu lassen , als daß sie die Luft zu bewegen schienen , die oft schneidend und kalt an den Jünglingen vorüberstreifte , und auch die zahllosen Kerzen in einer beständig wehenden Bewegung erhielten . Der rothe Mann hatte mit Allen zu verkehren , und Beide behielten Zeit , das zahlreiche , wunderliche Personal zu betrachten , das , einig und in derselben Richtung wirkend , doch durch das Kostüm so getrennt erschien , als lägen zwischen den einzelnen Gruppen Jahrhunderte . Das Erstaunen Beider verschlang jede Frage ; sie waren im Sehen aufgelöst und von großer Beklemmung und einem nicht zu beherrschenden Grauen erfüllt ;