große Kugel am Boden lag . Da sagtest Du : » Da liegt die Welt zu deinen Füßen , und doch liegst du mir zu Füßen . « - Ja , die Welt und ich , wir lagen zu Deinen Füßen , jene kalte Welt , über der erhaben Du standest , und ich , die zu Dir hinaufstrebte . So kam ' s auch : die Welt blieb liegen , und mich zogst Du ans Herz . An Deinem Herzen , mein Freund , das warm schlug , wer kann ermessen , wie selig das war . Herr ! Ist das alles wieder zu erwerben , mit süßem Bewußtsein noch einmal zu durchleben ? - O der falschen Welt , die uns trennte und mich wegführte , mich armes blindes Kind von meinem Herrn ! Was hab ich gesucht ? - Was hab ich gefunden ? - Wer hat mich freudig angelächelt ? - Wessen Umarmung hab ich ausgefüllt mit der liebenden Gewißheit , daß er nichts Seligeres umfassen könne ? - Du warst zufrieden mit mir . Dich freute es zu sehen , wie aus dem Kinderherzen die Quelle der Begeistrung für Dich hervorbrach , warum mußte diese Quelle versiegen ? - Konnte , sollte nicht der ganze Lebensstrom Deinem Lächeln , Deinem Grüßen und Nicken dahinfließen ? - Wo war es schön als nur bei Dir ? - Du kanntest die Grazien , ihr ferner Schritt schon gab den Rhythmus Deiner Begeisterung . - Das stille Feuer Deiner dunklen Augen , die Ruhe Deiner Glieder , Dein kindlich Lächeln zu meiner List im Erzählen , Deine gelehrige Andacht für meine Begeistrung . Ja , und Du senktest Dein heilig Haupt zu mir herab und sahst mich an , die ich geweiht war durch Deine Nähe . * * * An den Freund Vielleicht verscherz ich Dein bißchen Andacht zu mir , daß ich Dich so tief in den Schacht meines Herzens einsenke , wo es so wunderlich hergeht , daß die Leute sagen würden , es sei Narrheit . - Ja , Narrheit ist die rechte Scheidewand zwischen dem ewig Unsterblichen und dem zeitlich Vergänglichen . Es scheue keiner , die irdischen Gewande zu versehren am göttlichen Feuer . Du bist mein Freund , oder bist Du ' s auch nicht , ich weiß es nicht , immer muß ich Dich so annehmen , da Du mitten im Geheimnis meiner Brust stehst wie ein Pfeiler , an den ich mich anlehne , und wie der gewandte Schwimmer von gefährlicher Höhe sich in die Fluten stürzt vor solchen Augen , denen er seine Kühnheit bewähren möchte , so wage ich , weil Du mir Zeuge bist , diesen dämonischen Gewalten mich anheim zu geben , diese Tränenflut , in der ich spiele , diese Frühlingsbegeistrung meiner Liebeszeit zu Goethe und die Vorwürfe , die in mir aufsteigen würden , mir das Herz zerreißen , wenn ich nicht den Freund hätte , der zuhörte und nachempfände , was ich hier ausspreche . Der letzte Akt der Blütezeit ist , daß sie ihren befruchtenden Staub mit dem Samen in ihrem Kelch mische , dann tragen die Lüfte sich spielend mit ihren gelösten Blättern und gaukeln eine Weile mit dem Schmuck der Begeistrung . Bald sieht kein Auge mehr von ihrem Glanz , ihre Zeit ist vorüber ; der Same aber quillt und offenbart in der Frucht das Geheimnis der Erzeugung . Vielleicht , wenn diese Blätter der Begeistrung vom Stamme gelöst dahinwirbeln und wie jene kleinen Blütenkronen , nachdem sie ihren Duft ausgehaucht , vom irdischen Staub beschwert , flügellahm sich endlich unter die Erde betten , daß es dann in dem Herzen des Freundes , dem sie duften , auch quillt und der Segen dieser schönen Liebe zwischen dem Dichter und dem Kinde sich an seinem Geist bewähre und ihn zu der Schönheit befruchte , deren Abbild in seinen edlen Zügen sich malt . * * * An Goethe Wie begierig nach Liebe warst Du ! Wie begierig warst Du , geliebt zu sein ! - » Nicht wahr , du liebst mich ? Nicht wahr , es ist dein Ernst , du betrügst mich nicht ? « - so fragtest Du , und ich sah Dich an und schwieg . » Ich bin leicht zu betrügen , mich kann jeder betrügen , betrüge mich nicht , mir ist lieber die Wahrheit , und wenn sie auch schmerzt , als daß ich umgangen werde . « Wenn ich dann aufgeregt durch solche Reden Dir mein Herz aussprach , da sagtest Du : » Ja , du bist wahr , so was kann nur die Liebe sagen . « - Goethe , hör mich an ! - Heute spricht auch die Liebe aus mir ; heute am dreißigsten März , acht Tage nach dem , welchen man als den Tag Deines Todes bezeichnet , seit welchem Tag alle Deine Rechte mir im Busen sich geltend machen , als läg ich noch zu Deinen Füßen ; heute will die Liebe Dir klagen : Du ! Oben - über den Wolken , nicht getrübt durch ihre Schwere , nicht gestört durch ihre Tränen ; können Klagen in Dein Ohr dringen ? - O löse meine Klagen auf und erlöse mich , mache mich frei von dieser Sehnsucht , erkannt zu werden , und daß man meiner auch bedürfen möge , - hast Du nicht mich erkannt ? - ja , mit prophetischer Stimme schlummernde Kräfte der Begeistrung in mir geweckt , die mir ewige Jugend zusagen , die mich weit über die Fähigkeit der Menschen , sich mir zu nähern , hinwegtragen ? Hast Du mir nicht reichlich ersetzt im ersten Einklang mit meinem Herzen alles , was je mir konnte entzogen werden ? Du , an den zu denken mir leises Gewittern im Herzen erregt , wo ' s gleich elektrisch schauert durch den Geist , wo gleich Schlummer befällt das äußere Leben - und keine Erkenntnis mehr von den Ansprüchen