mich der Knecht ? « schaltete Margarethe dringend ein : » Wo ist Dein Herr ? das will ich wissen . « - » Ich bin ja gleich zu Ende ; « erwiederte der Knecht gehorsam : » Wir waren gezwungen , in einer schlechten Winkelschenke einzukehren , nicht allzufern von hier , da der Rüdiger nicht weiter konnte , vor Frost und Hitze , und wenn man ihn auf ' s Pferd gebunden hätte . Und da es den sterbenden Mann drängte , meinem Herren zu vertrauen , was ihn quält , und mir , dem Knecht , nicht nöthig und ziemlich ist , davon zu wissen , so hat der Junker gesagt : Reit Du indessen gen Frankfurt , Vollbrecht , und sieh nur , wie ' s dorten steht , ob sich vielleicht durch Gottes und eines andern Biedermanns Hülfe die Schwester daselbst wieder eingefunden , und wie es mit dem lieben Vater steht , der Mutter und dem kleinen Hans . Vergiß jedoch nicht , vorerst auf dem Schellenhofe einzusprechen , und der wackern Frau Creszens meinen Gruß zu bringen , mit dem Vermelden : es stehe bis auf die getäuschte Hoffnung , wohl mit mir , und sie solle es nur weiter sagen . Sobald des Rüdigers Zustand es erlaubt , komme ich selbst . « - » Um Gotteswillen nicht ! « fiel hier Margarethe eifrig ein : » Fliege zurück zu ihm , und bringe ihm diese Kunde ! Nur gen Frankfurt nicht . Die Heimath wird sein Grab . Er bleibe fern , denn seine Feinde haben die tödtlichsten Pfeile auf ihn gerichtet . Die heimliche Acht hat ihn vorgeladen , und von ihren Schranken kehrt kein Gerechter wieder . « » Jesus Maria ! « seufzte die Beschließerin , und schlug ein großes Kreuz . Der lange Vollbrecht faltete erschrocken die Hände , und sprach kein Wort . - » Wenn ihm sein Leben , wenn ihm meine Ruhe lieb ist , so bleibe er fern , so verberge er sich in entlegnen Landen vor den Schöffen der Vehme ! « fuhr Margarethe bewegter fort : » Sage ihm , Vollbrecht , ich hätte gehört , daß der Kaiser allein die Vervehmten zu schützen vermöge . Er suche zu Sigmunds Füßen die Lossprechung von jener furchtbaren Ladung . Er fliehe zu den Füßen des heiligen Vaters , denn in Deutschland sollen Hunderttausend Dolche auf die Brust des Geächteten lauern . Doch , was rede ich ? « setzte sie sich besinnend bei : » ich sollte ihn wegscheuchen vom heimatlichen Boden , ohne ihm erst zu sagen , wie sich Alles gestaltet ? Nein , nein , nein ! Guter Vollbrecht ! vergib mir , wenn ich verwirrt rede , aber wiederhole ihm getreu meine Worte . Sie verrathen selbst in ihrer Verwirrung die Liebe , die dankbare Freundschaft , die ich für ihn empfinde . Er soll mir glauben , Vollbrecht , - nicht wähnen , als sey es Bosheit einer Stiefmutter , die den Sohn erster Ehe aus dem Vaterhause treiben möchte ! Ich bin ja selbst geächtet , ... selbst verstoßen ! Aber recht ! reden muß ich noch einmal zu ihm . Ich muß ihn sprechen , obgleich ich nicht weiß , ob ich morgen noch lebe ! Sage ihm , treuer Knecht , sage ihm , daß er morgen , um diese Stunde - hier erscheine - er würde mich finden , ihm Lebewohl zu sagen ; bis dahin möge er jedoch verborgen bleiben ; denn Alles sey gegen ihn verschworen . Und nun mache Dich zur Stelle auf , und eile von dannen . Vielleicht ist jetzt schon Rüdiger des Todes , oder genesen . Vielleicht geht jetzt schon der Sorglose , Unbefangne seinem Untergange entgegen , ohne Warnung , ohne Ahnung ! Geh ! geh ! guter Vollbrecht ! « - Um den schwankenden Entschluß des zögernden Burschen zu beschleunigen , drückte sie ihm ein Geldstück in die Hand , und diese Freigebigkeit , verbunden mit der aufrichtigsten Anhänglichkeit an seinen Herrn bestimmte den Knecht , sich alsobald auf zu machen . Frau Margarethen für ihr Geschenk das Kleid küssend , Crescenzien für das Nachtmahl dankbar die Hand schüttelnd , sprang er hinaus , warf sich auf den harrenden Gaul , und suchte auf gut Glück in dunkler Nacht den Weg , den er gekommen . Die Schaffnerin hatte kaum ihren Ohren getraut , als sie die Reden vernommen , die Margarethens Mund , wie vom Sturme beflügelt , gesprochen hatte . Es schien ihr noch immer , wie ein Traum , das ihre Meisterin jetzt , zu dieser Stunde in ihrem Gemache stehe , und eine ängstliche Neugierde bemächtigte sich ihrer , zu erfahren , was der seltne und verstörte Gast eigentlich hier begehre . Die Altbürgerin ließ diese Neugier nicht zu Worte kommen , denn auch sie wurde von der vorrückenden Nacht gemahnt , ihr Gewerbe hier zu Ende zu bringen . - - » Das Morgen wird kommen , « sagte sie ernst zu der Dienerin : » Ich werde vielleicht nicht wiederkehren , denn meines Lebens bin ich nicht sicher auf dem Wege , den ich heute gehen muß . Versprich mir aber , Crescenz , daß , wofern ich morgen in des Tages frühe nicht zurückkehrte , Du meinen Herrn aufsuchen wollest , und ihm melden : Ich hätte es nicht ferner tragen können , meine Unschuld für böse Schuld abgewogen zu sehen . Ich sey ihm immer treu gewesen und hold , - Dagobert sey rein , wie das Sonnenlicht , - ich hätte weder meinen Herrn und zu Ehewirth zu morden begehrt ; noch sein Herz zu zerreißen durch Wallradens Raub , den er mir ebenfalls zugeschrieben . Um ihn zu überzeugen , daß ich wahr und redlich gehandelt , sey ich heut hinausgegangen zum Sprünglinsteine , um dort zu verrichten , was Herr Diether , von Argwohn und Mißtrauen befangen , nicht unternehmen wollte . Er