Herrn . Er näherte sich wieder dem unförmig und borkig gewordenen Liebeszeichen an der Buche und strich mit dem Finger langsam , scheu liebkosend um das Herz . Hier hatte sein Sohn vor elf Jahren von Glück und Jugend Abschied genommen . – Elf Jahre Sorgen , elf Jahre nutzlose Arbeit – alle Opfer umsonst gebracht – – Hätte man klüger sein sollen und sich den Opfern entziehen wie so mancher andere ? Wer kannte sich noch aus in dem , was man gesollt und nicht gesollt hätte ! – Der alte Mann blickte verworrenen Sinnes in die tosenden Wasser . Gleich einem Kind wurde er überfallen von der Sehnsucht nach pflegender Liebe , nach kleinen Aufmerksamkeiten , nach all dem Freundlichen , das ihn dort unten im Schloß empfangen sollte . Sein Auge wurde heller , er nahm sich in acht , einen Blick noch auf die Buche zu werfen . Was da hinten lag , mochte in der Vergangenheit bleiben . Er stieg energischer den schmalen , steilen Weg unter den taurieselnden Ebereschen und Hainbuchen am Wasserfall nieder und kam bald , dem Lauf des wilden Baches folgend , hinaus auf die sonnige Wiese . Ein Herr ging an ihm vorüber und zog den Hut . Herr von Kosegarten dankte , leicht an die Jagdmütze greifend , wie er es gewohnt war in dieser Gegend , wo ihn jeder kannte und grüßte . Er hatte den ihm Entgegenkommenden nicht weiter angeschaut . Dann drehte er sich plötzlich um , blickte ihm nach , und in dem gleichen Augenblick wendete sich auch der andere und kam zögernd auf ihn zu . Eine breite , plumpe Gestalt war es , doch in einer Kleidung , die nicht auf einen Landbewohner schließen ließ . In dem Schnitt von Rock und Hose verriet sich die Meisterschaft eines denkenden großstädtischen Schneiders . Das derbe Gesicht des Mannes bekam durch den aufgedrehten starken Schnurrbart etwas Unternehmendes , aus den Augen glitzerten Pfiffigkeit und eine vergnügte Zufriedenheit mit dieser angenehmen Welt . Er hob den Hut noch einmal , so daß die Glatze sichtbar wurde , und sagte höflich : » Herr von Kosegarten kennen mich wohl nicht wieder ? « » Wüßte nicht , « brummte Kosegarten , dem der Mann mißgefiel und den überdies nach seinem Frühstück verlangte . » Dann erlauben Sie mir wohl , daß ich mich vorstelle : Theodor Debberitz ! ... Nun werden sich Herr von Kosegarten schon erinnern ? « Der alte Herr sah die pompöse Erscheinung verblüfft an und brach in ein lautes Gelächter aus . » Potzdonnerschockschwerenot ! « rief er , sich auf den Schenkel schlagend , » da soll doch dieser und jener die Kränke kriegen – . Ja , was hab ich denn vorhin gehört ! Sie treten hier als Volksbeglücker auf ! Na , alle Achtung ! Sie scheinen es ja zu was gebracht zu haben . « Der Mann lächelte , und dieses Lächeln ließ in seiner beleidigenden Überlegenheit die gute Laune des alten Gutsbesitzers so schnell wieder versiegen , wie sie gekommen war . » Ich kann mich nicht beklagen , Herr von Kosegarten . Na ja , ein Stück Arbeit steckt auch dahinter ... Das hätten Sie wohl nicht gedacht , als ich die Ehre hatte , mit Ihrem Herrn Sohn auf dem Gutshof spielen zu dürfen ... « Herr von Kosegarten reckte sich in die Höhe . Was unterstand sich der Kerl ! » Also – wünsche Ihnen ferner Glück zu Ihren Unternehmungen . Bin jetzt eilig . « Er wandte sich zum Gehen . Der prächtige Mann schien die Verabschiedung nicht zu bemerken und blieb an Herrn von Kosegartens Seite . » Sie lassen den Wald über dem Wasserfall schlagen ? « fragte er ruhig . » Wenn Sie gestatten , lasse ich den Wald an dem Wasserfall schlagen , « antwortete Kosegarten in gereiztem Ton . » Tun Sie das doch lieber nicht , « sagte der Pompöse gelassen . Herr von Kosegarten blieb stehen und stieß ein kurzes erbittertes Gelächter aus . » Sind Sie etwa Holzhändler ? Oder was geht es Sie sonst an , ob ich in meinem Wald Holz schlagen lasse oder nicht ? « » Scheinbar geht mich das gar nichts an – gebe ich zu . Könnte mich aber später was angehen . Der Rauschenfall ist sozusagen die Perle der Gegend . Wird in jedem Reisehandbuch erwähnt . Mit Sternchen . Na , die Leute sind ja jetzt kolossal hinter so was her ... Naturschönheiten – was weiß ich ... Muß man in seine Spekulationen mit aufnehmen ! « Kosegarten blieb stehen . Über seine Stirn jagte dunkelrot das Blut des aufsteigenden Jähzorns . » Kerl , was wollen Sie eigentlich ? Suchen Sie sich jemand anders für Ihre Späße . « » Herr von Kosegarten , ich erlaube mir zu bemerken , daß ich mich Ihnen einfach als einen zahlungsfähigen Käufer für Rauschenrode vorstelle . Im ersten Moment sind Sie davon vielleicht verblüfft . Aber Sie werden schon auf die Chose zurückkommen . Sie können sich in Berlin nach mir erkundigen : Theodor Debberitz & Komp . , bekannte Firma für Käufe und Verkäufe in Grund und Boden . « » So – Sie betreiben Vermittlungen von Käufen ? « fragte Kosegarten ein wenig sanfter und aufmerksamer . » Wer steht da hinter Ihnen ? « » In diesem Fall niemand . Rauschenrode will ich als einen Ruheplatz für meine alten Tage erwerben . Ja , Herr von Kosegarten , man hat doch so ne Art von Anhänglichkeit an seine alte Heimat ... Wo man die Tage der Jugend verlebte ... wie der Dichter singt ... « » Na , nu hören Sie aber auf ! « » Herr von Kosegarten , ich habe mich in Ihrem Haus immer wohl gefühlt – die schönen Stunden mit Fritzen ... « Eine Nachdenklichkeit kam über Kosegarten – eine müde Schwäche . So viel Geld hatte dieser Kerl erworben , daß er