an sich feinen und anziehenden Züge trugen den Ausdruck einer so grenzenlosen Apathie , einer so tödtlichen Gleichgültigkeit gegen Alles und Jedes , daß sie jeden Reiz für den Beobachter verloren . Da war alles so matt , so farblos , auch nicht ein Hauch von Röthe auf den Wangen , auch nicht ein Schein von Leben in dem Gesichte , das da aussah , als könne es sich weder in Freude noch in Schmerz zu der mindesten Erregung mehr aufschwingen . Er hatte seine Braut zum Altare geführt , wie man in der Gesellschaft die Damen an ihren Platz geleitet , und jetzt stand er neben ihr und hielt ihre Hand in der seinen genau in derselben apathischen Weise . Weder die Wichtigkeit des Schrittes , den er zu thun im Begriff stand , noch die Schönheit der Frau , die ihm anvermählt werden sollte , schienen auch nur den geringsten Eindruck auf ihn zu machen . Die Rede des Geistlichen war zu Ende , und er schritt zur eigentlichen Ceremonie der Trauung . Laut und klar hallte seine Stimme durch die Kirche , als er Herrn Arthur Berkow und die Baroneß Eugenie Maria Anna von Windeg-Babenau fragte , ob sie einander als Gatten angehören wollten . Wieder zuckte es durch das Antlitz des Officiers drüben , und ein Blick fast des Hasses sprühte nach der andern Seite hinüber – in der nächsten Minute schon war das zweifache Ja gesprochen , mit dem einer der ältesten , stolzesten Namen der Aristokratie gegen das einfach bürgerliche Berkow umgetauscht wurde . Kaum war die Trauung zu Ende und das letzte Wort des Segens gesprochen , als der brillantengeschmückte Herr sich eilig vordrängte , augenscheinlich in der Absicht , die Neuvermählte mit großer Ostentation zu umarmen ; doch noch ehe er diesen Entschluß ausführen konnte , stand bereits der Officier da . Ruhig , aber mit einer Miene , als nehme er ein unabweisbares Recht in Anspruch , trat er zwischen Beide und schloß , als der Erste , die junge Frau in seine Arme ; doch die Lippen , welche ihre Stirn berührten , waren kalt , und sein Antlitz , das , zu ihr niedergebeugt , einige Secunden lang allen Uebrigen entzogen blieb , trug einen ganz andern Ausdruck als vorhin in seiner ruhigen stolzen Würde . „ Muth , mein Vater , es mußte sein ! “ Die Worte , ihm nur allein verständlich , streiften leise , fast unhörbar an seinem Ohre hin ; aber sie gaben ihm die Fassung wieder . Noch einmal preßte er die Tochter an sich ; es lag fast etwas wie Abbitte in der Zärtlichkeit dieser Bewegung ; dann ließ er sie frei und gab sie der nun unvermeidlichen Umarmung des andern Herrn preis , der bisher mit sichtlicher Ungeduld gewartet hatte und es sich nun nicht nehmen ließ , seine „ theure Schwiegertochter “ zu begrüßen . Diese machte allerdings keinen Versuch , sich ihm zu entziehen , denn die Augen der ganzen Kirche waren auf sie gerichtet . Sie stand unbeweglich , kein Zug des schönen Gesichtes veränderte sich , nur das Auge hatte sie emporgehoben , aber es lag in diesem Blicke ein unnahbarer Stolz , eine so eisige Zurückweisung dessen , was sie nicht verweigern durfte , daß sie selbst hier verstanden wurde . Etwas aus der Fassung gebracht , änderte der Schwiegervater seine stürmische Zärtlichkeit sofort in respectvolle Artigkeit um , und als in der nächsten Minute die Umarmung nun wirklich erfolgte , da war sie in der That nicht viel mehr als eine Form , bei der seine Arme eben nur die duftigen Wogen des Brautschleiers streiften . Das ganze wahrlich nicht geringe Selbstbewußtsein des neuen Verwandten hatte doch vor diesem Blicke nicht Stand gehalten . Der junge Berkow machte seinem Schwiegervater die Sache nicht so schwer . Etwas , das wie ein Händedruck aussah und bei dem in Wirklichkeit kaum seine weißen Handschuhe mit denen des Barons in Berührung kamen , wurde zwischen ihnen gewechselt ; es schien Beiden vollkommen zu genügen ; dann reichte er seiner jungen Gattin den Arm , um sie hinauszuführen . Die Atlasschleppe der Braut rauschte über die Marmorstufen , hinter den Voranschreitenden schloß sich die schimmernde Woge der Gäste , die dem Paare folgten , und bald darauf hörte man auch die Equipagen draußen eine nach der andern fortrollen . Auch die Kirche entleerte sich rasch ; theils drängte man nach den Thüren , um die Einsteigenden noch einmal zu sehen ; theils eilte man , draußen all den unendlich wichtigen Bemerkungen und Beobachtungen über Toilette , Haltung und Aussehen des Brautpaares und der zunächst Betheiligten Luft zu machen . In weniger als zehn Minuten war der weite Raum vollkommen leer und öde ; nur das Abendroth blickte durch die hohen Fenster und überfluthete den Altar und das Altargemälde mit seinem rothen Lichte , so daß die Gestalten auf dem alten Goldgrunde zu leben schienen . Von einem Luftzuge bewegt , wehten die Flammen der Kerzen hin und her , und am Boden dufteten die Blumen , die man in verschwenderischer Fülle dorthin gestreut hatte . Die Schleppen der Damen waren darüber hingerauscht , der Fuß der Herren hatte sie zertreten . Zu was sollten die armen Blumen auch weiter dienen inmitten all der so reich entfalteten Diamantenpracht bei jenem Feste , mit dem die Verbindung zwischen der Tochter eines alten reichsfreiherrlichen Adelsgeschlechtes und dem Sohne eines der Millionäre der Residenz gefeiert wurde ! Vor dem Windeg ’ schen Hause fuhren bereits die Wagen an , und drinnen in den festlich erleuchteten Räumen begann es lebendig zu werden . Im Empfangssaale , vom hellsten Kerzenglanze umflossen , stand die junge Frau am Arme ihres Gatten , so schön , so stolz und so eisig , wie sie eine Stunde zuvor am Altare gestanden hatte , und nahm die Glückwünsche der sie umdrängenden Gesellschaft entgegen . Ob es wirklich ein Glück war , was sie soeben mit ihrem Ja besiegelt –