Das Forsthaus ist nicht allzu weit entfernt und Ihr wißt , daß wir allen Grund haben , Aufsehen zu vermeiden . Wenn der Bursche durchaus nicht fortzuschaffen ist , so bleibt uns nichts anderes übrig als das Terrain zu wechseln . Seht zu , daß Ihr einen andern geeigneten Platz im Walde ausfindig macht , während ich unsere Gegner hier erwarte . “ Die Officiere zeigten indeß sehr wenig Lust , sich dieser Anordnung zu fügen , sie waren im höchsten Grade aufgebracht und es bedurfte des ganzen Ansehens ihres Cameraden , sie von Gewaltschritten gegen den unwillkommenen Störer abzuhalten , der vollkommen gleichgültig und unbewegt dreinschaute , als ginge ihn die Sache nicht im mindesten an . Es gab ein heftiges Hin- und Herreden , das erst durch die Ankunft dreier anderer Herren unterbrochen wurde . Sie blieben befremdet stehen , als sie den Wortwechsel auf der Wiese vernahmen , und blickten fragend auf die Officiere . Lieutenant Saalfeld trat sogleich höflich auf sie zu . „ Ich bedaure , meine Herren , Sie von einem sehr unangenehmen Zwischenfall in Kenntniß setzen zu müssen . Wir fanden bei unserer Ankunft hier diesen Menschen vor , der sich starrköpfig weigert , den Platz zu räumen , und auf keine Weise fortzuschaffen ist . Es wäre ein Leichtes , ihn mit Gewalt wegzubringen , aber Sie begreifen – der Lärm , den der Bursche erheben würde – es ist empörend ! “ „ Allerdings sehr unangenehm ! “ stimmte einer der neuen Ankömmlinge bei . „ Könnte man nicht – aber ich vergesse , die Herren einander vorzustellen . Herr Doctor Ried , der die Güte haben wird , uns seinen ärztlichen Beistand zu leihen – Herr Baron von Saalfeld , der Secundant des Grafen Rhaneck . “ Die Herren verneigten sich und der Arzt warf einen Blick hinüber nach dem Störenfried . „ Der da ? “ sagte er kopfschüttelnd . „ Da geben Sie nur die Hoffnung auf , ihn mit Güte oder Gewalt fortzubringen , Herr Baron . Ich kenne den Burschen , es ist der Sohn des Unterförsters Günther . Der läßt sich zur Noth todtschlagen , wenn es nicht anders geht , aber wegbringen von dem Platze , auf dem er sich einmal vorgenommen hat , stehen zu bleiben , läßt er sich nicht , das ist vergebene Mühe . “ Saalfeld unterdrückte einen halblauten Fluch . „ Graf Rhaneck schlug allerdings vor , das Terrain zu wechseln , aber es wäre doch unerhört , müßten wir der Unverschämtheit eines solchen Menschen weichen – “ „ Das ist nicht nöthig ! “ nahm jetzt der jüngste der zuletzt Gekommenen , der bisher schweigend zugehört , das Wort . „ Lassen Sie ihn hier , wenn er durchaus nicht fortzubringen ist . Herr Doctor , da Sie den jungen Menschen kennen , so haben Sie wohl die Güte , ihn unter Ihre Obhut zu nehmen , damit er uns nicht etwa stört oder verräth . In einer Viertelstunde ist unsere Angelegenheit abgethan , verborgen kann der Ausgang doch nicht bleiben , und – jetzt keinen Aufschub weiter , ich bitte dringend darum . “ Saalfeld vernahm mit augenscheinlicher Befremdung den Vorschlag , der so sehr gegen das Herkommen stritt , dennoch ging er , ihn seinem Freunde mitzutheilen . Wider Erwarten willigte der Rittmeister sofort ein . „ Er hat Recht ! “ sagte er hastig . „ Nur jetzt keinen Aufschub , der neue Störung bringen könnte . Der Doctor mag für den Burschen einstehen . Triff Deine Vorbereitungen , Saalfeld . “ Der Arzt war inzwischen zu dem jungen Günther getreten und blieb dicht vor ihm stehen . „ Guten Morgen , Bernhard ! “ „ Guten Morgen , Herr Doctor ! “ erwiderte der Angeredete , höflicher als man es , seinem früheren Benehmen nach , ihm hätte zutrauen sollen . „ Warum in aller Welt willst Du den Platz hier durchaus nicht räumen ? “ examinirte der Arzt , indem er mit einem halb zornigen , halb verwunderten Blick den sechszehnjährigen Burschen maß , der allein den fünf Officieren die Spitze bot . [ 3 ] „ Ich will nicht ! “ war die gleichgültige Antwort , in der doch zugleich ein störrischer Trotz lag . „ So ? Höre , Bernhard , es ist ein Glück , daß du nächstes Jahr in die Stadt und zum Militär kommst . Man wird Dir Dein ‚ Ich will nicht ! ‘ mit der Disciplin wohl etwas austreiben , und gnade Dir Gott , wenn einer von den Officieren dort Dein Vorgesetzter wird , Du würdest den Trotz arg zu büßen haben , wie Du ihn jetzt schon büßen müßtest , hätten die Herren nicht allen Grund – ja so , das brauchst Du nicht zu wissen . Nun aber sei einmal vernünftig ! Das Hierbleiben hast Du durchgesetzt , jetzt bleibst Du aber ruhig hier an meiner Seite stehen und rührst Dich für ’ s Erste nicht . Hast Du mich verstanden ? “ Die leise , aber nachdrückliche Strafpredigt , so ernstlich sie auch gemeint sein mochte , wurde doch in einem so väterlichen Tone , mit so unverkennbarem Wohlwollen gehalten , daß sie ihre Wirkung auf den jungen Starrkopf keineswegs verfehlte . Ihm genügte es augenscheinlich , daß er den Officieren gegenüber seinen Platz behauptet hatte , und er fügte sich jetzt der ihm gewordenen Anweisung , ohne eine Miene zu verziehen . „ Nun ? “ fragte der Begleiter des Arztes herantretend . „ Ich nehme den Störenfried auf mich , er wird uns nicht hindern . Wenn es also durchaus sein muß – “ Der Andere unterdrückte einen Seufzer . „ Sie wissen wohl , daß es hier keine Wahl giebt . Also auf Ihre Verantwortung – darf ich bitten , Herr von Saalfeld ? “ Die Secundanten maßen die Schritte ab und luden die Waffen . Was die beiden Parteien hier auf den Kampfplatz geführt , war sicher nicht