das Wohnhaus geführt ; Veronika und Rudolf traten in den zur Seite liegenden Garten . Aber sie gingen schweigend auf dem langen Steige fort ; es war fast , als zürnten sie miteinander , als würde ihnen der Atem schwer , wenn sie dennoch wie beiläufig ein einzelnes Wort zu reden suchten . Als sie den Garten durchwandert hatten , gingen sie über einen schmalen Steg in die untere Tür des Mühlengebäudes , welches hier zu Ende desselben an einem stark fließenden Wasser lag . – Durch das Klappern des Werkes und das Getöse des stürzenden Wassers , welches jeden von außen kommenden Laut verschlang , herrschte eine seltsame Abgeschiedenheit in dem fast dämmerigen Raume . Veronika war gegenüber in die Tür getreten , die zu dem Gerinne hinausführte , und blickte unter sich in die tosenden Räder , auf denen das Wasser in der Abendsonne blitzte . Rudolf folgte ihr nicht ; er stand drinnen neben dem großen Kammrade , die Augen düster und unablässig auf sie gerichtet . – Endlich wandte sie den Kopf . Sie sprach , er sah , wie ihre Lippen sich bewegten ; aber er vernahm keine Worte . » Ich verstehe nicht ! « sagte er und schüttelte den Kopf . Als er zu ihr gehen wollte , war sie schon in den innern Raum zurückgetreten . Im Vorübergehen kam sie dem Rade , neben welchem er stand , so nahe , daß die Zacken fast ihr Haar berührten . Sie sah es nicht , denn sie war noch geblendet von der Abendsonne ; aber sie fühlte ihre Hände ergriffen und sich rasch zur Seite gezogen . Als sie aufsah , blickten ihre Augen in die seinen . Sie schwiegen beide ; ein plötzliches Vergessen fiel wie ein Schatten über sie . Zu ihren Häuptern tosten die Mühlwerke ; von draußen klang das eintönige Rauschen des Wassers , das über die Räder in die Tiefe stürzte . – Allmählich aber begannen die Lippen des jungen Mannes sich zu regen , und unter dem Schutze des betäubenden Schalles , in dem der Laut seiner Stimme wesenlos verschwand , flüsterte er trunkene , betörende Worte . Ihr Ohr vernahm sie nicht , aber sie las ihren Sinn aus der Bewegung seines Mundes , aus der leidenschaftlichen Blässe seines Angesichts . Sie legte den Kopf zurück und schloß die Augen ; nur ihr Mund lächelte und gab von ihrem Leben Kunde . So stand sie wie in Scham gebannt , das Antlitz hülflos ihm entgegenhaltend , die Hände wie vergessen in den seinen . Da plötzlich hörte das Rauschen auf ; die Mühle stand , sie hörten über sich den Mühlknappen gehen und draußen von den Rädern fiel das abtropfende Wasser klingend in den Teich . Die Lippen des jungen Mannes verstummten ; und als Veronika sich ihm entzog , versuchte er nicht sie zurückzuhalten . Erst als sie aus der Tür ins Freie trat , schien er die Sprache wiedergefunden zu haben . Er rief ihren Namen und streckte die Arme bittend nach ihr aus . Aber sie schüttelte , ohne nach ihm umzusehen , den Kopf und ging langsam durch den Garten nach dem Wohnhause . Als sie drinnen in die nur angelehnte Tür des Zimmers trat , sah sie gegenüber den alten Müller mit gefalteten Händen in seinem Bette liegen . Oberhalb desselben an der Wand war ein hölzernes Kruzifix befestigt , von dem ein Rosenkranz herabhing . Ein junges Weib , mit einem Kinde auf dem Arm , war eben herangetreten und neigte sich über das Deckbett . » Ihm fehlt nur die Luft « , sagte sie , » das Essen schmeckt ihm gut genug . « » Welchen Arzt habt Ihr denn ? « fragte der Justizrat , der mit einem Schriftstück in der Hand daneben stand . » Arzt ? « wiederholte sie . » Wir haben keinen Arzt . « » Da tut Ihr unrecht ! « Das junge Weib stieß ein verlegenes Lachen aus . » Es ist die Altersschwäche « , sagte sie , indem sie ihrem dicken Jungen sein Näschen mit der Schürze putzte , » da hilft der Doktor nichts dazu . « Veronika horchte atemlos auf diese Reden . – Der Alte begann zu husten und fuhr mit der Hand nach seinen Augen . » Ist das so Euer Wille , Martin , wie es hier geschrieben steht ? « fragte jetzt der Justizrat . Aber der Kranke schien ihn nicht zu hören . » Vater « , sagte das junge Weib , » ob das so richtig ist , wie es der Herr Justizrat vorgelesen hat ? « » Freilich « , sagte der Kranke , » es ist alles so richtig . « » Und Ihr habt alles wohl bedacht ? « fragte der Justizrat . Der Alte nickte . » Ja , ja « , sagte er , » ich hab es mir lassen sauer werden ; aber der Junge darf doch nicht zu schwer zu sitzen kommen . « Der Sohn , der bisher rauchend in der Ecke gesessen , mischte sich jetzt in das Gespräch . » Es kommt auch noch die Abnahme dazu « , sagte er und räusperte sich ein paarmal , » der Alte lebt noch sein artlich Ende weg . « Der Justizrat blickte mit seinen grauen Augen auf den vierschrötigen Bauer hinab . » Ist das Euer Sohn , Wiesmann ? « fragte er , indem er auf einen neben dem Bette spielenden Jungen zeigte . – » So laßt ihn hinausgehn , wenn Ihr vielleicht noch mehr zu reden habt ! « Der Mensch schwieg ; aber seine Augen begegneten mit einem fast drohenden Ausdruck denen des Justizrats . Der Greis strich mit seiner harten Hand über das Deckbett und sagte ruhig : » Es wird nicht gar so lange , Jakob . – Aber « , setzte er , zum Justizrat gewandt , hinzu , » er muß mich dann nach