Mittagssonne und erwärmte und erleuchtete den ganzen Raum . » Hm « , sagte das Mädchen und nickte lächelnd nach dem Regal hinauf , » die Frau Kammerrätin und die Frau Kriegsrätin und die Frau Baronin , die haben alle die Schlüssel zu ihren Kaffee- und Zuckerdosen in ihren Taschen ; schau nur , da baumeln allenthalben die Vorhängeschlösser ; da können wir nicht daran , Kathi . « » Aber Frölen , Sie trinken ja doch keinen Kaffee nach dem Bade , wie die drei alten Damen . « » Nein , ich nicht , Kathi ; aber du , wie bekommst du denn deine Tasse ? « » Ich , Frölen ? Ich hab zu Haus meinen Zichorie ; dann kriegt der Kater auch sein Teil . « Die Mädchenknospe aber langte in den Schlitz ihres Kleides und legte gleich darauf zwei zierliche Papierdüten auf den unter dem Tassenregal stehenden Tisch . » Mokka « , sagte sie feierlich , » und – feinste Raffinade ! Mama hat ' s mir eigens für dich eingewickelt ; sie wußte wohl , daß du für mich allein heut Wache stehen müßtest . Und nun zünd dir die Spritmaschine an und koch dir deinen Kaffee , und – deinen Kater laß ich grüßen ! « Sie hatte sich aufs Sofa gesetzt und begann sich Schuhe und Strümpfe auszuziehen . Die alte Frau stand vor ihr und sah sie zärtlich an ; aber sie dankte ihr nicht mit Worten , sie sagte nur : » Mama vergißt mich nicht « , und nach einer Weile : » Aber , Frölen , wollte denn Mama Sie gehen lassen ? « » Mich gehen lassen ? – Mama ist nicht so ein Hasenfuß wie du ! Solltst dich schämen , Kathi , so ein langer Kerl , wie du bist ! « » Ja , ja , Frölen , ich streit auch nicht . – Ich vergeß es nimmer – da ich Kindsmagd bei Ihrem Großvater , beim alten Bürgermeister war – , die Angst , die ich oftmals ausgestanden ; die Frau Mama – sie wird ' s mir nicht verübeln – war dazumalen grad nicht anders als wie das junge Frölen heute ! « Das junge Frölen hatte die nackten Füßchen zu sich auf die Sofakante gezogen und ließ sie behaglich von dem warmen Sonnenschein beleuchten . » Erzähl ' s nur noch einmal , Kathi ! « sagte sie . Die Alte hatte sich neben sie auf das Sofa gesetzt . » Ja , ja , Frölen ; ich hab ' s Ihnen schon oft erzählt . Aber ich seh sie noch immer vor mir , die Frau Mama ; will sagen , das acht- oder neunjährige Dingelchen . Ebenso schöne gelbe Haare wie das Frölen ! « » Gelbe , Kathi ? – Dank dir auch vielmals ! « » Sind sie nicht gelb , Frölen ? – Nun , aber schön sind sie doch ? « » Ja , Kathi ! Aber Mama ihre sind noch heut viel schöner , als meine . Nicht wahr ? Sie trug sie immer in zwei langen , dicken Zöpfen ? « Die Alte nickte . » Und wie die flogen , wenn sie lief und sprang ! « » Aber , Kathi , ging sie denn niemals ordentlich , so wie ich und andere Menschen ? « » Das Frölen meint , so wie vorhin den Deich herunter ? « Und die Alte streichelte mit ihrer harten Hand den Kopf des schönen Mädchens , das lachend zu ihr aufblickte . » Ja , ja , es hat richtig genug nachgeerbt ! – Aber einmal , eines Morgens , da ging ' s mit dem Springen noch nicht hoch genug ! Auf der sieben Fuß hohen Gartenmauer saß das Dingelchen mit ihrem Lehnstühlchen , mit ihrem Kindertischchen und ihrem ganzen Puppenteeservice darauf . An der Mauer stand ein alter krummer Syringenbaum ; daran hatte sie das alles hinaufgearbeitet und sich selber auch ; und nun saß sie da , wie in ' ner Laube , mitten zwischen all den Blüten , die just damals aufgebrochen waren . « – Die Mädchenknospe neckte ihre alte Freundin nicht mehr ; nicht nur die kleinen Ohren , auch der geöffnete Mund und die dunklen Augen schienen die Geschichte mitzuhören . – » Ich war die Kindsmagd für das jüngere Schwesterchen , für die Frau Tante Elsabe « , fuhr die Alte fort ; » ich sollt wohl auch nach der Mama sehen ; doch wer konnt allzeit den Wildfang hüten ? Und das Stück Mauer war ganz unten in dem großen Garten , wo nicht alle Tage einer hinkam . – Aber heute , just da das Spiel am schönsten war , mußten wir nun doch dahin kommen ; der Herr Bürgermeister hatte noch seinen geblümten Schlafrock an und die Zipfelmütze auf dem Kopfe . Er war immer ein leutseliger Herr gewesen . › Komm , Kathi ‹ , rief er ; › nimm die kleine Elsabe auf den Arm ; ich will euch mein Ranunkelbeet da oben an der Mauer zeigen ! ‹ – – Aber , was sahen wir , Frölen , was sahen wir ! « – Das Frölen nickte . – » Da saß das feine Dingelchen auf der halsbrechenden Mauer , wie die Prinzeß im Kinderdöntje , und die Blumen hingen um sie herum ; sie rührte eben mit einem Löffelchen in der kleinen Tasse , die sie in der Hand hielt , und brachte sie dann an den Mund , als wenn sie wirklich tränke , und nickte ihrer großen Puppe zu , die auch , in einem Korbstühlchen , ihr gegenüber an dem Tische saß . – Es schlug mir durch die Glieder ; ich hätte bald das Tantchen Elsabe aus meinen Armen fallen lassen , und dem Herrn Bürgermeister stiegen die Haare und die Zipfelmütze in die Höhe ; da stand er in seinem schönen Schlafrock und wagte